Galopp-Club Rhein-Main


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2006

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18. März 2006 - Besuch auf Etzean
Vor fast zwei Monaten erblickte Perimas zweites Fohlen die Welt. Bisher hatte ich noch nicht die Zeit gefunden, mir das kleine Stutfohlen auch mal anzuschauen. Es wurde also Zeit, dem Gestüt und seiner neuen Bewohnerin einen Besuch abzustatten.
Auf dem Gestüt angekommen wurden wir erst mal von Willi, dem Kredelschen "Wachhund" begrüßt. Er liebt Steffi abgöttisch und verlangte seine Streicheleinheiten. Perima und ihr Fohlen fanden wir im neuen Stutenstall. Das Fohlen hatte sich in das Stroh gelegt, genau an die Stelle, wohin die Sonne durch die Hallendecke einen hellen Lichtfleck auf den Boden ihrer Box warf. Perima bekam ihre mitbebrachten Äpfel, was auch die Kleine aufmerksam werden ließ, so dass sie sich vom Boden erhob und ebenfalls an den Futtertrog kam. Ihre Mutter hatte allerdings schon dafür gesorgt, dass sie nur noch den Saft aus der Futterschale lecken konnte, danach wurden wir inspiziert, und auch wir hatten Gelegenheit sie genauer zu betrachten. Mit meinem geringen Wissen über Pferdeanatomie würde ich jedoch sagen, dass sie gerade steht und auch alles andere an der richtigen Stelle mit den richtigen Ausmaßen sitzt. Sie ist für fast zwei Monate schon ziemlich groß und ein ziemlich hübsches Modell.
Perima scheint sie gut auf Trab zu halten, denn die Mama habe ich noch nie so nervös gesehen. Ich musste zweimal schnell meine Hand in Sicherheit bringen, da Perima ihre Ohren angelegt hatte und versuchte nach mir zu schnappen.
Auch Pirina scheint es gut zu gehen, mal abgesehen von der Kälte, die auch ein zukünftiges Rennpferd keine Luftsprünge machen lässt.
Am Nachmittag des gleichen Tages waren wir noch im Kujathschen Stall und haben unseren vier aktiven Galoppern einen Besuch abgestattet und ihnen natürlich auch die heißbegehrten Möhren und Äpfel mitgebracht.

Für die meisten von ihnen wird es wohl am 9. April in Frankfurt losgehen, für Tanko wahrscheinlich schon am 2. April über 1600 Meter in Köln. Des Weiteren hat Sambucan Daze bereits eine Nennung für den Born Wild-Steher Preis am 18. Juni in Ebreichsdorf, Fairfax für das Stormrider-Fliegerderby am 13. August auf der gleichen Bahn erhalten.

2. April 2006 Behr-Memorial Ausgleich II, Köln
So, das war er also der erste Jahresstart, und für Tanko war es der erste Start auf der Kölner Bahn überhaupt. Er war vorher noch nie in Köln gelaufen. Und er hat sich für den ersten Start in 2006 gut aus der Affäre gezogen: Platz 6 von 8. Am Anfang schien er etwas stark zu pullen, wohl zu übermotiviert nach der langen Winterpause. Die Gerade erreichte er als letztes Pferd, auf der Geraden konnte er aber noch Tsigane und Trouville passieren, die beide mächtig aufgefordert wurden. Gewonnen hat das Rennen Kaballero aus dem Gestüt Fährhof. Danke an Sandra Scherning für dieses tolle Rennfoto, das unseren Tanko und Norman Richter in voller Aktion zeigt.
Tanko hat diesen Start wohl noch gebraucht und wird wohl am 30. April in Düsseldorf in einem Ausgleich I über 1400 Meter an den Ablauf kommen.

9. April 2006 v.Natzmer Mazda Cup Ausgleich III, Frankfurt
Auch in Frankfurt öffneten sich nun endlich die Boxen und drei unserer Pferde wurden für Prüfungen auf der Bahn in Niederrad genannt. Sambucan Daze zog sich jedoch eine Hufprellung zu, so dass an einen Start nicht zu denken war und er zurückgezogen wurde. So blieben Fairfax und New Inspiration, die in einem Ausgleich III über 1600 Meter aufeinander trafen. In diesem Rennen sorgte Fairfax für die erste knalldicke Überraschung, indem er sich in diesem Rennen den dritten Platz und somit für den Galopp-Club das erste Geld in 2006 sicherte. New Inspiration lief ebenfalls gut genug und belegte den sechsten Platz von acht Pferden. Gewonnen hat Apollo Star vor Alana Boy.
Vor dem Rennen hatte ich noch eine Wette mit dem Pferdevermittler abgeschlossen. Es ging um zwei Bier und um die Platzierung von Fairfax, die ich natürlich gewonnen habe. Den Rest des Tages habe ich damit verbracht, die ganzen Menschen zu begrüßen, die ich in diesem Jahr noch nicht gesehen hatte.
Überschattet wurde der Renntag von zwei Zwischenfällen. Andreas Suborics fiel im vierten Rennen von Pandim und wurde von einem nachfolgenden Pferd getroffen. Andreas hatte sichtlich Schmerzen in seiner Schulter und wurde ins Krankenhaus gebracht. Auf diesem Wege gute Besserung.
Vor dem ersten Rennen versagte die Totosoftware und vermittelte Wetten nach Herxheim statt nach Frankfurt. Aufgrund dessen und einer durchbrochenen Boxentür startete das erste Rennen mit 45 Minuten Verspätung.

30. April 2006 Preis von pferdewetten.de Agl. I, Düsseldorf
Tanz in den Mai - Am Morgen des 1. Mai 2006 saßen Steffi und ich gerade am Frühstückstisch des Hotel Berial in Düsseldorf, als ich ein paar Wortfetzen aus Richtung der Rezeption aufschnappen konnte: "... wie kommt der denn in 446? ... wer hat den Schlüssel herausgegeben? ... die sind doch in 447, 337 und 10 ... (etwas lauter sprechend) hast Du den Schlüssel rausgegeben ... nein, wie kommt der da rein ..." Aha, es ging wieder mal um ein Mitglied unserer illustren Reisegesellschaft. Um wen, das verrate ich noch nicht. Auch noch nicht, was passiert ist. Sonst ist ja gleich die ganze Spannung weg.
Zunächst zum Sportlichen: Nach Tankos erstem Start im Behr-Memorial in Köln wollten wir es in einem weiteren Ausgleich I, dieses Mal in Düsseldorf und über eine kürzere Distanz, nämlich 1400 Meter, probieren. Wer sich gut an die letzte Saison erinnert, weiß, dass Tanko bei seinem zweiten Jahresstart in 2005 eben auf dieser Bahn über die gleiche Distanz hervorragender Dritter geworden war, damals im Ausgleich II. Neben Tanko sollte an diesem Wochenende auch noch Fairfax in Köln an den Ablauf kommen. Dieser zog sich allerdings im Training eine Verletzung zu, so dass ein Start nicht in Frage kam.
Irgendwie hatte ich mich schon auf ein langes Wochenende im Rheinland eingestellt, und so kam es mir ganz gelegen, dass Christian und ein paar Freunde trotzdem am nächsten Tag nach Köln wollten und wir so eine Nacht in der Düsseldorfer Altstadt einplanten. Christian mietete sich, Verena, seine Kumpel Carsten und Patrick sowie Steffi und mich in einem Düsseldorfer Hotel, nah zur Altstadt gelegen, ein. Um eine Loge in der Tribüne des Düsseldorfer Grafenbergs hatte er sich auch gekümmert, so konnten wir bei schlechtem Wetter und eisigen Temperaturen wenigstens im Warmen sitzen. Dort dann die nächste Überraschung: pferdewetten.de sponsorte das Hauptrennen, die 1000-Guineas und unser Rennen, und Philipp Riethmüller ist dort Geschäftsführer. Ergo gab es dort Altbier und Essen umsonst, was uns einen früh erhöhten Alkoholpegel einbrachte. Eine kleine Anekdote am Rande: Eine Künstlerin stellte in den VIP-Räumen der Tribüne ihre Bilder aus, irgendwas mit Hasen. Sie kam in unsere Loge und wollte sich und ihre Bilder, die nun an der Stelle hingen, wo im letzten Jahr noch ein Bild von Medicus hing, vorstellen. Ich glaube, dass zu diesem Zeitpunkt als sie die Loge betrat, alle nur einen Satz im Kopf hatten: "6 Alt bitte." Glücklicherweise waren wir zu langsam, und sie begann schon mit ihren Ausführungen. Wir hätten uns alle als Trinker geoutet.
Tankos Rennen war das vierte Rennen des Tages, und zu diesem Zeitpunkt waren wir noch halbwegs nüchtern. Tanko hatte das mit dem "Tanz in den Mai" wohl wörtlich genommen und führte schon im Führring und dann mit Norman im Sattel ein kleines Tänzchen auf, was darauf hindeutete, dass wir es mit ihm wohl in diesem Jahr etwas langsamer angehen lassen müssen, damit er die Lust am Rennenlaufen wiederfindet. So war dann auch das Resultat ernüchternd. Tanko ließ seine sonst bekannte Schnelligkeit aus der Starbox heraus vermissen und reihte sich immer in der Mitte des Feldes liegend ein. Auf der Zielgeraden fehlte ihm dann die Luft, und er kam als Vorletzter durch's Ziel. Der sehr weiche Boden tat sein Übriges. Na ja, abhaken, Hauptsache er ist gesund geblieben.
Wir blieben noch bis zum Schluss auf der Bahn und sahen noch ein sehr spannendes 1000-Guineas-Rennen, das die dreijährige Stute Lolita, aus der Zucht von Herrn Jackson, einem Bekannten aus dem Galoppclub Deutschland, gewann.
Nach den Rennen bezogen wir unsere Hotelzimmer und machten uns anschließend auf den Weg in die Düsseldorfer Altstadt. Erst mal was essen und vor allem weiter trinken. Verena und Christian kannten von dem letztjährigen Düsseldorf-Ausflug (auf den ich jetzt nicht näher eingehen werde) noch ein Steakhaus namens Parrillada Lazo (nein Christian, so wird das Pferd nicht heißen), das wir nun ansteuerten. Sehr empfehlenswert, nette Bedienung, super Essen, gute Getränke und für ein Touri-Viertel auch faire Preise. Bemerkung am Rande: Es ist nicht günstiger, wenn man zwei kleine anstelle von einem großen Hauptgericht isst.
Danach ging es weiter an die "längste Theke der Welt", laut einer Zeile aus dem Altbierlied der Toten Hosen. Ich war zwar schon mal in Düsseldorf gewesen, allerdings noch nie auf dieser Altbier-Meile und muss sagen, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Eher so ein wenig uriger, aber dass es Kneipen mit den Namen "Oberbayern" oder "Ballermann 6" gab, wunderte mich nun schon. Das Publikum war gemischt, aber ziemlich viel Jungvolk unterwegs. Nach dem "Oberbayern" (wo es doch tatsächlich auch Altbier aus Henkelgläsern gab, und wo wir Thorsten Wäldchen und ein paar Freude trafen) ging es in den "Ballermann 6". Ok, genauso stelle ich mir das Publikum auf Mallorca auch vor, die Schuppen innen drin auch. Die Temperatur ca. 35 - 40 Grad, Luftfeuchtigkeit 99%, kein Platz zum Atmen und natürlich die obligatorische Kirmesmusik. Und ich konnte es nicht glauben, die dudelten sogar "Viva Colonia" und die volltrunkene Horde grölte mit. Vor nicht allzu langer Zeit wäre man für solche Sympathiebezeugungen für die Stadt auf der anderen Rheinseite noch geteert und gefedert worden. Die Zeiten ändern sich.
Noch ein Phänomen: Wir wurden an diesem Abend Zeugen von unzähligen Junggesellenabschieden. Mir fielen auch gleich so kleine Grüppchen von entweder nur Männern oder nur Frauen auf, die alle mit gleichfarbigen T-Shirts, mit so witzigen Sprüchlein wie "Ralfs Junggesellenabschied On Tour 2006 - Ab morgen hast Du nichts mehr zu lachen, deshalb lassen wir es heute noch mal krachen!", bekleidet waren und wohl die Freiheit ihres besten Freundes oder der besten Freundin zu Grabe trugen. Natürlich wurde das auch noch in jeder Disco von dem dortigen DJ zwischen "Viva Colonia" und "Hölle, Hölle, Hölle, ..." per Durchsage verkündet. Ich hatte schon kurz vor, mir einen kleinen Spaß zu erlauben und zum DJ zu gehen, um dann zu sagen: "Ich bin der Karl, und ich wollte bekannt geben, dass ich mich übermorgen von meiner Frau Karin scheiden lassen werde."
Nach ein paar Alt und ein paar Feiglingen klinkten Steffi und ich uns aus und begaben uns ins Hotel. Am nächsten Morgen, wurden wir dann Zeugen der obigen Wortfetzen und die Situation wurde uns dann auch wenig später von ihrem Protagonisten selbst erklärt: Carsten war am Morgen im Hotelzimmer aufgewacht und hatte sich wohl gefragt, wo seine Klamotten, sein Handy und vor allem sein Zimmergenosse Patrick abgeblieben waren. Irgendwie muss er sich wohl sehr verloren vorgekommen sein, so dass er zum Telefon griff und die Rezeption anrief, um nach den Zimmern der Familie Braun zu fragen. Die Rezeption wiederum war natürlich sehr verdutzt, dass aus einem vermeintlich leer geglaubten Zimmer nun jemand anrief. Niemand aus dem Hotel hatte ihm den Schlüssel gegeben, niemand hatte ihm (angeblich) geöffnet. Die Wand zwischen seinem richtigen Zimmer und dem falschen Zimmer war auch noch heil. Vor allem was hatte er nachts, nur mit einer Unterhose bekleidet (ausgezogen hatte er sich im richtigen Zimmer) auf den Fluren des Hotels zu suchen? Das konnte er und niemand anderes erklären, so bleiben viele Fragen offen. Und wir hatten wieder viel zu lachen.
Tja, und da waren noch Thorsten und seine Freunde, die sich noch den Luxus einer Taxifahrt gönnten, die aber auf der Autobahn ein jähes Ende fand. Das Taxi blieb mit einem Plattfuß und ohne Reserverad auf der Autobahn liegen, und der Taxifahrer erdreistete sich doch glatt noch Geld von ihnen zu verlangen ... War wieder mal ein ereignisreiches Wochenende. Sportlich nicht wertvoll, aber sehr amüsant.

7. Mai 2006 Metzler Japan-Rennen Ausgleich II, Frankfurt
Der erste Sieg in dieser noch jungen Saison, früher als im letzten Jahr. Der 19. des Clubs und der dritte von New Inspiration für den Galopp-Club. Ihr fünfter Sieg insgesamt.
Nach dem guten Laufen beim ersten Jahresstart und hinsichtlich eines Starts in der Frankfurter Stutenmeile am 25. Mai, wurde beschlossen, dass New Inspiration zur Vorbereitung im Ausgleich II über 1600 Meter am Gruppe-Renntag in Frankfurt antritt. Nach einigem Hin und Her bei der Jockeywahl wurde schließlich Jean-Pierre Carvalho für den Ritt auf unserer Stute verpflichtet. J.-P. hatte die Stute schon einmal, damals noch in den Farben des Badener Weinkellers, geritten.
New Inspiration erwischte einen guten Start und konnte sich an Position 4 liegend in das Feld einreihen. Vorne bestimmte der frische Sieger Apollo Star mit Andrasch Starke das moderate Tempo. Eingangs der Zielgeraden startete Jean-Pierre Carvalho mit unserer Stute den Angriff und zog mit ihr an der Außenseite stark auf. Weiter innen fuhren Wonderful Day und Happy Royal ihre Geschütze auf. So entwickelte sich ein sehr spannender Dreikampf, der sich erst auf der Linie entscheiden sollte. Es gab eine Auswertung der Zielfotografie, und wir mussten noch ein wenig bangen. Doch dann das Ergebnis: New Inspiration schlägt mit einer Kopflänge Wonderful Day mit Happy Royal auf dem dritten Platz. Sensationell! Nun steht einem Start in dem Frankfurter Listenrennen für Stuten wohl nichts mehr im Wege. Wäre sie unplatziert gewesen, hätte man diesen Plan wohl noch einmal revidieren müssen, doch so wurden unsere Erwartungen weit übertroffen. Der Toto zahlte auf Sieg 100, auf Platz 22. Nicht wenige hatten danach auch noch volle Taschen.
Für New Inspiration war es, wie schon gesagt, der dritte Sieg für den Club und ihr zweiter im Ausgleich II. Ein wenig enttäuscht war ich ob der Feierlaune unseres Clubs. Früher hätten wir einen solchen Erfolg bis spät in die Nacht gefeiert, dieses Mal fand sich nur noch eine Handvoll Mitbesitzer zu einem kurzen Umtrunk im Paragon ein.

7. Mai 2006 Metzler Corporate Finance-Rennen Ausgleich III, Frankfurt
Sambucan Daze hatte auch endlich seinen ersten Jahresstart. Vor dem geplanten Saisonaufgalopp in Frankfurt hatte er sich eine Hufprellung zugezogen und konnte deshalb nicht starten. Als diese gerade abgeklungen war, hatte er sich auch noch das Eisen an selbigem Huf abgetreten und musste wegen einer folgenden Entzündung am Huf wieder pausieren. Nun scheint er wieder fit zu sein und belegte unter Kirstin Hutcheson im Sattel einen guten sechsten Platz.
Für ihn geht es jetzt wohl in Baden-Baden weiter, wahrscheinlich wieder mit einem Doppelstart am ersten und am zweiten Wochenende des Frühjahrsmeetings.

25. Mai 2006 Frankfurter Stuten-Meile - Großer Preis der Frankfurter Volksbank Listenrennen, Frankfurt
Ich muss zugeben, dass ich an diesem Tag doch schon ganz schön aufgeregt war. Die Nacht war für mich schon um halb acht zu Ende, da ich nicht mehr schlafen konnte. New Inspiration zum schon dritten Mal in einem Listenrennen, aber dieses Mal als frische Siegerin im Ausgleich II. Nicht, dass wir jetzt größenwahnsinnig geworden wären, uns realistische Chancen auszurechnen. Bei einem idealen Rennverlauf und vielleicht ein wenig Glück konnte zumindest ein Platz im Geld drin sein. Als ich den ersten Blick aus dem Fenster warf, jedoch die erste Ernüchterung - es hatte die ganze Nacht geregnet, und es regnete immer noch. Um 9:30 Uhr im Internet auch die Bestätigung auf der Direktoriums-Homepage: Der Bodenwert betrug 5,6 (weich). Keine gute Voraussetzung für ein schnell gelaufenes Rennen, das sie doch so braucht.
Um 11 Uhr bin ich auf der Bahn aufgeschlagen, lieber etwas früher, es war ja Handwerker-Renntag, und der Renn-Klub rechnete mit 12.000 Besuchern. Doch das schlechte Wetter hatte wohl auch die sonst so frühen Handwerker verschreckt, und die Bahn füllte sich erst langsam. Dafür waren umso mehr Polizisten auf der Bahn, die wohl demonstrierende Studenten von der Bahn abhalten sollten, wenn die denn demonstriert hätten. Aber welcher Student - bitte schön - quält sich denn an einem Feiertag, wo es auch noch kalt ist und regnet, auf die Straße um zu demonstrieren?
Natürlich war noch niemand anderes vom Club da und so machte ich mich erst mal Richtung Paragon auf, um ein kühles Kölsch zu trinken. Dort aber die erste Katastrophen-Meldung: Die Kühlanlage hatte in der Nacht ihren Geist aufgegeben, es gab nur warmes Kölsch. Hmm, also nach oben in den Clubraum, da gab es als Alternative ein kühles Pils und einen guten Tipp, dass nämlich die Fleischer-Innung neben dem Sekretariat leckeres "Dom-Kölsch" ausschenkt. "Alles wird gut!"
Dort traf ich dann auch die ersten Bekannten, Christian, Verena, Atilla und andere, und wir versenkten zum Aufwärmen erst mal zwei Kölsch. Die Bahn füllte sich, und ein wenig später fanden wir uns am Bierstand wieder. Gott sei Dank, mein Adrenalin-Spiegel ging dank Gerstensaft-Kaltschale auch so langsam in den Keller. Bis zum sechsten Rennen, unserem Rennen.
Wir hatten das Rennen schon im letzten Jahr angegangen, doch hier war unsere Stute mit einer aufkommenden Grippe nicht in bester Kondition, und es sprang nur ein 12. Platz heraus. Das Starterfeld in diesem Jahr konnte sich sehen lassen. Aus England war Three Wrens angereist, die schon erfolgreich einige höhere Handicaps und Listenrennen bestritten hatte. Man hörte doch einige mit der Zunge schnalzen, als sie den Führring betrat. Allererste deutsche Interessen vertraten Quadrupa und Sorrent, wobei Quadrupa kurz vorher in einem Rennen auf der Insel nicht überzeugen konnte. Sorrent kam als zweite aus einem stark besetzten Vorbereitungsrennen an den Start. Norman hatte sich für den Ritt auf ihr entschieden. Stark zu beurteilen waren auch Molly Art, die erst vor kurzem in Tankos Düsseldorfer Rennen den fünften Platz belegt hatte und The Spring Flower, die Anfang Mai in Hannover den vierten Platz in einem Listenrennen belegen konnte.
New Inspiration kam spät in den Führring und sah blendend aus. Als ihr Reiter war Karoly Kerekes verpflichtet worden, der sie im vergangenen Jahr schon zum Sieg geritten hatte. Wir flachsten noch ein wenig mit ihm, weil wir ja auf die Stute warten mussten. Dann war es soweit.
New Inspiration erwischte aus der Startbox 12 heraus einen guten Start. Vorne machte wie erwartet Quadrupa das Rennen. Karoly reihte sich eher im hinteren Drittel des Feldes ein. Im Schlussbogen dann ein Zwischenfall. Three Wrens, die englische Stute, knickte innen weg, so dass ihr Reiter sie aufnehmen musste und sie nach außen wegbrach. Dadurch wurde fast das ganze vorstoßende hintere Feld durcheinander gewürfelt. New Inspiration wurde glücklicherweise nicht davon beeinflusst. Am schlimmsten erwischte es Sorrent. Norman konnte der englischen Stute gerade noch ausweichen, doch die ruckartige Bewegung bedeutete das Ende für Sorrent. Ein paar Meter weiter brach ihr Vorderbein, und sie musste angehalten, später eingeschläfert werden.
Vorne konnte sich eine Dreiergruppe bestehend aus Delora (die hatte ich auch mal zum Kauf vorgeschlagen), Toamasina und Molly Art absetzen. Hinten kam unsere Stute besser ins Bild, ok, und das "Vorne" nahm ich ab da auch gar nicht mehr wahr. Karoly ritt New Inspiration mit den Händen nach Hause, nur als The Spring Flower noch gefährlich für den vierten Platz aufkam, zog er dreimal die Peitsche. Drin. Zwar kein Black Type, aber immerhin 4000 Euro - und die Erkenntnis, dass wir recht hatten, die Stute hier antreten zu lassen. Selbst unser Trainer freute sich und tat ob dieser Leistung doch sehr überrascht. Ich konnte mich noch an sein betretenes Gesicht bei der letzten Siegerehrung erinnern, er wäre wahrscheinlich lieber mit ihr nach Baden-Baden gegangen. Vorne ging es für Molly Art vor Toamasina und Delora aus. Wir feierten unseren vierten Platz - und den dieses Mal mehr als unseren letzten Sieg. Es soll ja Leute geben, die lieber nach Baden-Baden fahren, wenn ihre Stute in Frankfurt läuft.
Karoly Kerekes schaute auch noch bei uns am Bierstand vorbei und lobte unsere Stute - gutes Pferd, wir sollten es vielleicht mal in Mailand probieren. Er will auf jeden Fall immer wissen, wann sie wieder startet. Die beiden passen wohl gut zusammen. Na ja, und unser Stalljockey reitet ja lieber für andere.
Aber auch er war abends noch bei uns, er musste allerdings die bittere Pille mit Sorrent noch verdauen. Ihn bewegen im Moment aber auch noch andere Dinge und insbesondere Ende August dürfte er wohl ab und zu ziemlich nervös sein, wenn er und Kirsten den ersten Nachwuchs erwarten. Ein Bub wird es werden, hoffentlich Jockeynachwuchs.
Zwei Dinge noch am Rande, die nicht unerwähnt bleiben sollten: Habgier ist eine der Sieben Todsünden. Das bekam Christian zu spüren, als er sich von Normans gemischtem Salat ungefragt bediente. Mit dem Ellenbogen kippte er nämlich sein Bier auf seine Hose was dann doch für einige Lacher sorgte. Zum Zweiten haben wir mit diesem vierten Platz unsere Gesamtgewinnsumme auf über 120.000 Euro geschraubt. Karoly Kerekes war bei drei Ritten für uns dreimal im Geld und ist jetzt nach Norman Richter und Andreas Göritz (der im übrigen wieder einen Picknick-Korb gewonnen hat) der dritterfolgreichste Reiter nach Gewinnsumme für den Galopp-Club Rhein-Main.
Wie es jetzt mit der Stute weitergeht? Schwierig zu sagen, es gibt mal wieder keine geeigneten Rennen. Sie hat für ihren vierten Platz 75,5 Kilo bekommen. Aber außer der schlimmen Sache mit Sorrent, war es trotz des ätzenden Wetters ein richtig geiler Tag.

11. Juni 2006 Come Together-Renntag in Frankfurt
Diesen Abschnitt möchte ich mit einem Zeitungsartikel aus der Frankfurter Sonntagszeitung vom 11. Juni 2006 (geschrieben von Frank Neumann) beginnen:

Die Gräfin vertraut auf Tankos Nüstern
Pferde-Sharing ist der Trend unter den Galoppern
Es gibt sie doch, die Verbindung von Galopp und Fußball - was zur Zeit ja nicht ganz unwichtig ist. Wenn an diesem Sonntag auf der Rennbahn in Niederrad die Pferde zum „Come Together"-Renntag in die Startbox gehen, zittern auch ein paar frühere Frankfurter Fußballhelden mit. Um 16.55 Uhr ist der Start des Hauptrennens, und dann werden sicher auch die ehemaligen Eintracht-Profis Thomas Zampach und Horst Trimhold die Daumen für Tanko drücken. Tanko ist der Frankfurter „Galopper des Jahres 2005", der im vergangenen Jahr unter anderem bei der Frühjahrswoche in Baden-Baden groß auftrumpfte. Momentan ist er zwar nicht so gut in Form, aber nach Ansicht seines Trainers Wilfried Kujath „immer für eine Überraschung gut". Benannt ist er übrigens nach dem Fußballprofi Ibrahim Tanko. Wenn das nicht passt! Doch was haben Zampach und Trimhold mit dem siebenjährigen Wallach zu tun? Nun, sie sind Mitglieder im Galopp-Club Rhein-Main und damit zwei von 36 Menschen, die sich in Form von Besitzergemeinschaften mittlerweile vier Rennpferde, eine Zuchtstute und zwei Fohlen teilen.
„Die Grundidee ist", sagt Jochen Nass, der den 2002 gegründeten Galopp-Club organisiert und eine der besten privaten Galoppseiten im Internet betreut (www.gcrm.de), „für wenig Geld eine Sportart erschwinglich zu gestalten, die nach Ansicht vieler nur Wohlhabenden vorbehalten ist." Zampach und Trimhold sind die Promis im Kreis der Turfbegeisterten, die sonst, so Nass, „ganz normale Menschen sind. Denn die Unterhaltskosten im Monat liegen etwa bei 1300 Euro, und wer ein Pferd haben will, das gewinnen kann, muss beim Kauf einen hohen fünfstelligen Betrag hinlegen. Aber wenn man sich das mit zwanzig Personen teilt, ist es nicht mehr soviel." Dafür ist die Freude um so größer, wenn das eigene Pferd erfolgreich ist.
Die kleine Siegertribüne der Niederräder Rennbahn wackelt stets bedenklich, wenn die versammelten Besitzer ihren Preis entgegennehmen, wie zuletzt die Fuchsstute New Inspiration, als sie beim Metzler-Rennen in Frankfurt Anfang Mai 5000 Euro gewann. Doch der Erfolgreichste ist noch immer Tanko, der in seiner Karriere für den Galopp-Club 57500 Euro Siegprämie vorzuweisen hat. „Mit Tanko haben wir sogar schon Geld herausgeholt", sagt Alexa Gräfin zu Solms, die eine der 18 Besitzer Tankos ist, den sie 2002 nach einem Tipp des Starjockeys Andreas Suborics als erstes Pferd gekauft haben. Wenn Tanko heute in die Box geht, wird es der einhundertste Start für den Galopp-Club sein. Und wenn er als Außenseiter tatsächlich gewinnt? „Dann", meint Alexa Solms, „sage ich wie immer: Mir gehören die Nüstern. Die gehen nämlich als erste durchs Ziel."

Na, ich kann das Kompliment zurückgeben, das war wohl einer der besten Artikel, die ich je über uns gelesen habe. Und man glaubt es kaum, er hatte eine guten Werbe-Effekt, haben mich doch in den Wochen danach 3 Leute wegen einer Mitgliedschaft angesprochen.
Zum Sportlichen. Tanko belegte im Ausgleich II (Sky Radio - Superhits für Hessen-Rennen, 1300 m) den vierten Platz und sicherte damit dem Club ein Preisgeld von 400 Euro. Sambucan Daze erreichte am gleichen Renntag, ein Rennen zuvor (Preis der Fa. Karl Eidmann - Feine Wurst- und Fleischwaren Ausgleich III, 2000 m), ebenfalls den 4. Platz und ein Preisgeld von 270 Euro. Neben dem Fakt, dass dieser Renntag im Zeichen der Fussball-Weltmeisterschaft stand, fand an diesem Renntag ein Jubiläum statt:
Tankos Rennen war das 100. Rennen des Galopp-Club Rhein-Main im fünften Jahr unseres Bestehens, und genau wie das erste Rennen am 12. Mai 2002 endete es mit einem vierten Platz für Tanko. Nun im Ausgleich II, damals im Sieglosen-Rennen. In der Zwischenzeit hat der GCRM 19 Siege, 8 zweite, 10 dritte und 9 vierte Plätze erzielt. Wir waren zweimal Meetings-Champion in Baden-Baden und im letzten Jahr wurde Tanko zum Frankfurter Galopper des Jahres gewählt. Blickt man auf die Platzierungen im Verhältnis zu den Starts, stellt man fest, dass wir fast 50% aller Rennen im Geld beendet haben. Nicht schlecht, oder?

25. Juni 2006 Preis des Bankhauses HSBC Trinkaus & Burkhardt - Riemer Stuten-Meile Listenrennen, München
Beim nächsten Start unserer Stute New Inspiration konnte ich leider nicht dabei sein. Ich hatte beruflich in Amerika zu tun und konnte das Rennen nur via Telefonübertragung von Steffi mitverfolgen. Dabei flossen folgende Informationen durch den Äther: "... ganz hinten ... nee, ganz weit hinten ... das wird nichts ... kommen jetzt auf die Gerade ... <Pause> ... <eher leise> ja, komm Inspi ... <lauter werdend> KOMMMMM ... LAUUUUFFF ... JAAAAA ... AAAA ... OOOOHHH ... MANN!" Um es vorweg zunehmen, es war wieder der vierte Platz. Ganz knapp am Blacktype vorbeigeschrammt. Schnellstes Pferd auf der Zielgeraden.
Das Rennen war für New Inspiration nach dem wirklich guten Abschneiden in der Frankfurter Stutenmeile ausgesucht worden. Leider mussten wir nachnennen. Doch es hätte ja fast geklappt mit den "schwarzen Buchstaben". Immerhin gab es noch 79,5 kg GAG für den 4. Platz, 4 Kilo mehr.
Wladimir Panov war für den Ritt verpflichtet worden und servierte unserer Stute einen guten Ritt. Vielleicht mussten sie sich auf der Gegenseite etwas weit aus dem Rennen legen, weil sie auf ein anderes Pferd aufliefen. Auf der Zielgeraden kam unsere Stute richtig in Schwung und arbeitete sich bis auf den vierten Platz vor. Vom dritten Platz trennte sie eine halbe Länge. Gewonnen hat das Rennen Norwegian Pride, in Frankfurt noch 6. im Listenrennen. Zweite wurde Molly Art, Siegerin in Frankfurt, vor der Riesenaußenseiterin (271:10) Aurea mit Karoly Kerekes.
Mit New Inspiration werden wir jetzt den BMW Preis in Düsseldorf ansteuern, ein Listenrennen über 1700 Meter am 12.08. In der Zwischenzeit wird sie ein Rennen in Vichy bestreiten, den Prix Yves Parenti, den Tanko im letzten Jahr fast gewonnen hätte. Reiten wird sie D. Boeuf, genau wie Tanko. Stattfinden wird das Rennen am 18. Juli um 15:20 Uhr.

28. Juni 2006 Tanko und Sambucan Daze starten in Frankfurt
Auch diesen Renntag konnte ich nur aus der Ferne, in Kalifornien weilend, mitverfolgen. Leider funktionierte auch im Büro die Videoübertragung per Internet nicht, so blieb mir nichts anderes übrig als alle 5 Minuten auf die Ergebnisse der T-Online-Seite zu schauen. Da dort nur jeweils die ersten drei Pferde eines Rennens eingeblendet werden, entging mir zunächst Tankos guter 4. Platz (270 Euro) mit Kirstin Hutcheson im Sattel. Sammy, der ebenfalls von Kirstin geritten wurde, landete auf Platz 5, aber wirklich nur denkbar knapp geschlagen, während es bei Tanko schon ein paar Längen mehr gewesen waren.
Interessant waren die beiden Anrufe gewesen, die ich nach Sambucan Daze' Rennen erhalten habe. Zum einen von Steffi, die es ebenfalls nur am Telefon verfolgen konnte, zum anderen von Christian, der auf der Bahn war. Die beiden Wertungen des Rennens reichten von "grottenschlecht gelaufen" bis "sensationell", wobei sie sich selber denken sollen, von wem welcher Kommentar stammte. Ich habe mir das Video im Nachhinein noch mal angeschaut. Wenn ein Pferd mit Hals, kurzer Kopf, eine halbe und eine dreiviertel Länge geschlagen und dabei innen an den Rails eingeklemmt wurde, kann man das Rennen eher als sehr gut, aber leider als unglücklich werten. Auf jeden Fall reichte es aus, um mit einer gehörigen Portion Zuversicht in das nächste Rennen nach Hamburg zu gehen.
Auch Tankos Rennen war nicht schlecht, und immerhin sprangen ein paar Euro dabei heraus.

10.000 Euro in 8 Tagen
In 2005 hatten wir mit unseren Pferden Tanko, Sambucan Daze und New Inspiration an einem Wochenende, vom 16. - 17. Juli, 10.250 Euro verdient. In 2006 sollte uns ein ähnliches Kunststück innerhalb von 8 Tagen, vom 15. - 23. Juli, also fast zur gleichen Zeit, gelingen. Umso erstaunlicher ist es, dass uns dies ohne einen einzigen Sieg gelang.

15. Juli 2006 Preis von Eintracht Frankfurt powered by FES Ausgleich III, Frankfurt
Tanko sollte also diese ereignisreiche Woche starten. Im Preis von Eintracht Frankfurt, den er schon zum zweiten Mal bestritt, und den er in 2004 bereits gewinnen konnte. Aber Tanko hatte an diesem Renntag auch seinen ganz besonderen Auftritt, nämlich im Fernsehen.
Wilfried Kujath hatte mich angerufen und mir mitgeteilt, dass ein Team des Hessischen Rundfunks die Morgenarbeit am Dienstag vor dem Renntag filmen wolle, und dass es dabei um den Galopp-Club gehen soll. Es wäre doch schön, wenn auch ein Mitglieder da sein könnten. Also habe ich an der Arbeit bescheid gesagt, dass ich später kommen würde und habe noch ein paar Mitglieder angerufen. Ich war morgens also um halb acht auf der Bahn und fiel auch schon dem Filmteam in die Arme und brachte sie zu Willi in den Stall. Peter und Atilla waren auch da, zogen aber bald wieder ab, als sich herausstellte, dass es "nur" um Tanko gehen sollte.
Na ja, was soll ich sagen, so Fernsehteams haben schon merkwürdige Ansichten, was so ein typischer Pferdebesitzer am Morgen auf der Rennbahn so alles macht. Da musste ich mich an die Rails stellen, und so tun als ob Pferde an mir vorbeizischen, und ja nicht in die Kamera gucken. Danach das ganze noch mal mit Fernglas. Wobei man ja auch immer mitten auf der Bahn, auf dem Geläuf, an den Rails steht, wenn man seinen Pferden beim Grastraining zuschaut. Und die imaginären Pferde waren wirklich schwierig. Dann musste ich auch noch ein Interview geben. Ich hatte mir vorher zu hause schon überlegt, was ich alles so sagen könnte. Als ich dann da stand war alles weg und ich musste improvisieren. Ein Teil davon wurde dann auch tatsächlich ausgestrahlt.
Tanko genoss den Trubel um seine (ähem) Person sichtlich. Er war sogar artig und ließ sich von den Kameraleuten und der Redakteurin sogar streicheln. Opportunist, sag ich da nur. Ziemlich gerissen. Vielleicht würden die ihm ja beim nächsten Mal auch etwas Fressbares mitbringen. Mir hat er dann herzhaft in die Finger gebissen, als ich ihm vor laufender Kamera einen Apfel füttern musste (das kam auch im Fernsehen, ... das mit dem Apfel).
Am Sonntag kam dann der Bericht als Liveschaltung von der Rennbahn. Der HR hatte auch einen Bericht über Shooting Star aus dem Stall von Dave Richardson und im Besitz des Gestüts Erlenhof gedreht, und nun ging es ein wenig um das Duell zwischen Tanko und eben dieser Stute Shooting Star. Lustig die Ansage von Volker Hirth: "Und wir wollen ihnen mal zeigen, wo nicht nur Shooting Star ... äh ... trainiert wird, sondern auch einer der ganz großen Pferde hier in Frankfurt, nämlich Tanko ..." Das hätte Tanko hören sollen, der hätte sich einen gewiehert.
Der Bericht endete mit der Übertragung des Rennens über 1600 Meter, in das Shooting Star als Favorit gegangen war. Doch war es unser Tanko, der die Fahnen der Niederräder Trainingszentrale hochhielt. Zweiter hinter der Außenseiterin Auenpearl unter Jess Parize, die aber 10 Kilo günstiger stand als Tanko. Shooting Star wurde nur achtes Pferd.

18. Juli 2006 Prix Yves Parenti, Vichy
Genau dieses Rennen hatte schon im letzten Jahr zu den Rennen gehört, die uns das 10.000er Wochenende einbrachten. Dieses Mal war es aber New Inspiration und nicht Tanko, die in diesem Rennen unsere Interessen vertrat. Und wie sollte es anders sein, wieder war es Dominique Boeuf, der im Sattel saß.
Ich schaute mir das Rennen beim Buchmacher an. Mit dabei eine ganze Reihe von Mitbesitzern und Anhängern. Peter Braun, Lothar Möller und Christian waren in Vichy. Wir konnten Christian sogar kurz durch's Bild huschen sehen, wahrscheinlich auf dem Weg zur nächsten Totokasse. Die Stute sah prima aus, trotz der sehr heißen Temperaturen in Vichy, kein Tropfen Schweiß. Da wollte er wohl Geld anlegen. Insgesamt ging der Kurs gut nach unten, und auch ich hatte meinen obligatorischen Einsatz am Start. Nebenbei musste ich Steffi das Rennen am Handy übertragen.
Das Rennen war ein typisch französisches, nicht gerade schnell. New Inspiration hatte keine Probleme mit der Pace und konnte bis zur Zielgeraden gut mithalten. Dann sprangen die Pferde ab und für einen kurzen Moment sah es so aus, als ob der Ausflug nach Frankreich nur kosten sollte. Doch New Inspiration brauchte lediglich eine Weile um in die Gänge zu kommen, wobei ihr die lange Gerade von Vichy sicher entgegenkam. Vorne waren Atlantic Air und Tandori bereits enteilt. Mit drei Längen Abstand konnte sich unsere Stute Platz 3 und damit, wie Tanko vor einem Jahr, 4.350 Euro sichern. Geschlagen im Feld endete auch Doctor Dino, kein Geringerer als der Siebente des französischen Derbys des letzten Jahres.
Nun waren wir schon bei insgesamt 5.400 Euro angelangt, und ich hatte schon am Sonntag geunkt, dass diese Woche fünfstellig werden könnte.

22. Juli 2006 Preis der Norddeutschen BMW Händlergemeinschaft Ausgleich II, Hamburg
Samstag, Derbywochenende. Doch das Wochenende begann mit einem Paukenschlag. Als wir am Freitag auf der Bahn erschienen, hörten wir ganz beiläufig, dass für alle Ritte, für die unser "Stalljockey" Norman Richter genannt war, ein Ersatzreiter angegeben wurde. Was war passiert, hoffentlich nichts Schlimmes, keine Verletzung. Ein Blick auf meinen PDA mit Internetzugang brachte dann die Erklärung: Positiver Dopingtest und Sperre.
Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, das haben schon andere an anderer Stelle getan. Ich hoffe nur, dass Norman bald wieder für uns und andere im Sattel sitzen kann, da ich ihn als Reiter und als Mensch sehr schätze. Inzwischen hat sich auch Nachwuchs im Hause Richter eingestellt. Dazu vom ganzen Club unsere herzlichen Glückwünsche. Nun standen wir halt ohne Reiter da. Ein Ersatz wurde schnell gefunden - Andrasch Starke, was sich als keine schlechte Wahl herausstellte.
Im Führring am Samstag (Sammys Rennen war das neunte) niemand da zum Satteln. Das kannten wir doch irgendwo her. Jenny, die Sammy führte, wurde auch schon nervös. Also schnell den Trainer angerufen. Der sagt er habe den Herrn Kniese angewiesen. Und der kam gerade in diesem Moment in den Führring. Der einzige, der unberührt von der aufkeimenden Nervosität blieb, war unser Pferd. Das drehte stoisch weiter seine Runden vor den Sattelboxen.
Andrasch Starke zauberte einen seiner exzellenten Hamburg-Ritte auf das Horner Moor. Schön das Pferd im Feld versteckt und dann im richtigen Moment, ausgangs des Schlussbogens, das OPferd auf die schnell Spur beordert. Fast hätte es sogar gereicht, wäre da nicht ein Pferd namens Prokopios in letzter Sekunde an Sammy vorbeigerauscht. Eine halbe Länge im Ziel geschlagen, vom Pferd mit Höchstgewicht. Auch die Galopp-Club-Mitglieder hatten wieder einen ihrer Glanzauftritte. Auf dem Dach des Waagegebäudes finishten wir fast genauso laut wie damals bei Tankos Sieg, was schon wieder 4 Jahre her ist, und lösten erstaunte Blicke bei den herumstehenden Besitzern und Funktionären aus. Am Abend wurde der zweite Platz dennoch gebührend gefeiert. Zunächst mit einem guten Steak im Blockhouse und dann an der Bar des NH Hotels. Die Hamburg-Seuche, der wir bei dem misslungenen Auftritt in 2004 zum Opfer gefallen waren, scheint besiegt. Insgesamt waren wir nun bei 8.200 Euro innerhalb einer Woche angelangt.

23. Juli 2006 Fraport AG-Pokal Ausgleich II, Frankfurt
Sonnstag, Derbywochenende. Das Derby fand in diesem Jahr nicht wie gewohnt am ersten Juli-Wochenende, sondern eben erst später, aufgrund der Fußball-WM statt. So veranstaltete in diesem Jahr auch der Frankfurter Renn-Klub parallel zum Derby einen Renntag auf der Niederräder Bahn. Tanko sollte im Ausgleich II über 1600 Meter antreten, als Favorit. Denn nach den Leistungen vom letzten Wochenende konnte es eigentlich nur einen Sieger geben. So ging er dann auch als 31:10 Favorit ins Rennen. Seine Reiterin dieses Mal, Hana Mouchova.
Wir waren immer noch auf der Derby-Bahn in Hamburg und sollten dort später dann Schiaparelli das Deutsche Derby gewinnen sehen. Wir hatten uns einen Platz im Zelt von Germantote auf dem Marktplatz im Innenraum der Horner Rennbahn gesucht. Dort konnte man auch auf die Bahn nach Frankfurt wetten, und es gab die Live-Bilder aus Frankfurt. Mit uns im Zelt eine Gruppe von Mitgliedern des Galoppclub Deutschland. Mr Muradian startete, als frischer Ausgleich II-Sieger, im gleichen Rennen.
Tanko bekam ein fast optimales Rennen serviert. Er sah lange Zeit wie der Sieger aus und musste nur Exit To Luck mit Karoly Kerekes ziehen lassen. 5 Längen trennten ihn und das dritte Pferd. Im Zelt von Germantote wurde es fast so laut wie am Vortag auf dem Waagegebäude. Wieder erstaunte Gesichter und teilweise betröpfelte Minen bei den GCD-Anhängern, weil Mr Muradian nur fünfter wurde. Wenn Blicke töten könnten ...
Ach ja, es gab 1.800 Euro für Tankos zweiten Platz. Plus 8.200 sind genau 10.000. Wow, Wahnsinn. Am Abend wurde wieder gefeiert.

12. August 2006 Doppelstart in Düsseldorf
Wer einmal eine richtig volle Rennbahn sehen wollte, war am 12. August auf dem Grafenberg genau richtig. Gut, dass wir eine Loge reserviert hatten, ansonsten wäre es schwierig gewesen einen Platz zu finden. Schon die Anreise war schwierig. Der Verkehr staute sich vom Fuße des Grafenberges bis hoch zum Parkplatz. Einige Jockeys mussten sogar ihr Auto unterwegs stehen lassen, um noch rechtzeitig zum ersten Rennen da zu sein. Auch einige Mitbesitzer fluchten am Telefon. Die BMW Autohäuser hatten wohl Freikarten an ihre Kunden verteilt, die auch zahlenreich erschienen waren. Hier war ich richtig ... unter BMW-Fahrern. New Inspiration war für ein Stuten-Listenrennen über 1700 Meter genannt worden, der nächste Anlauf um mit ihr Blacktype zu erzielen. Sie sollte in Düsseldorf auf eine Reihe von Stuten treffen, gegen die sie in diesem Jahr schon mehrfach angetreten war. Unter anderem waren Molly Art (Siegerin im Frankfurter Stutenrennen, Zweite in München), Norwegian Pride (Münchner Siegerin) und Flor Y Nata (Fünfte in München) für das Rennen genannt. Für den Ritt auf New Inspiration war Terence Hellier verpflichtet worden, der zum letzten Mal am 27. August 2002 für den Galopp-Club Rhein-Main auf Tanko in den Sattel gestiegen war.
Tanko hatte eine Nennung für einen Ausgleich II über 1400 Meter erhalten, ihn sollte Hana Mouchova reiten. Die Order lautete, ihn im Feld zu verstecken und ihn erst am Übergang zu bringen. Das wurde leider im Rennen nicht so ganz umgesetzt, und Tanko konnte sich immerhin noch, nachdem er schon am Berg nach vorne beordert wurde und insgesamt ein unruhiges Rennen hatte, den vierten Platz sichern und damit 500 Euro für die Besitzergemeinschaft eingaloppieren. Ein wenig könnte auch der Boden seinen Teil zum "relativ unbefriedigenden" Ergebnis beigetragen haben. Nach dem ersten Rennen war ein Wolkenbruch auf der Bahn niedergegangen und er Bodenwert hatte sich von 4,3 (gut) auf 4,8 (weich) verändert. Schade für die vielen Besucher, die keinen Logenplatz hatten.
Auch für New Inspiration hieß diese Veränderung des Geläufzustands nichts Gutes. Es gab andere Stuten, die wohl besser mit den geänderten Verhältnissen zurecht kamen. Aus dem klaren Elfmeter zum Erreichen des Blacktype, an den wir alle glaubten, wurde ein verschossener Freistoß. In einem ebenfalls sehr unruhigen Rennen konnte New Inspiration nur Platz 6 belegen. 16 1/2 Längen hinter der Siegerin Molly Art. Zweite wurde Flor Y Nata und Dritte River Melody. Betröpfelte Gesichter allenthalben. Aber vielleicht war aus auch einfach nicht ihr Tag.

Die Große Woche 2006
Mit zwei Pferden, Sambucan Daze und Tanko, war der Galopp-Club Rhein-Main währen der Großen Woche in Baden-Baden vertreten. Sambucan Daze startete unter Andrasch Starke im Ausgleich III, Tanko unter Johan Victoire im Ausgleich II. Über die Rennen lässt sich nicht viel Spannendes erzählen, außer vielleicht, dass der gute Johan beinahe im Gras gelandet wäre, da Tanko mal wieder seinem Unmut über männliche Reiter freien Lauf ließ. Sambucan Daze wurde am 26.08. im Hatzfeld-Rennen über 2000 Meter siebtes, Tanko im Net-Jets-Rennen über 1400 Meter neuntes Pferd im Ziel. Ein eher ernüchterndes Resultat, waren doch die Sommerergebnisse so vielversprechend gewesen. Ich war leider zu diesen beiden Rennen nicht vorort, sondern in Dresden. Hatte mich leider nicht vom Wetten abgehalten, da zumindest bei Sammy nach dem Hamburger Laufen mit mehr zu rechnen gewesen war.
Dennoch die große Woche hatte auch noch ein Highlight für uns bereit, zumindest für einen Teil des Clubs. Perimas erste Tochter - Pirina - wurde auf der BBAG-Jährlingsauktion-Auktion am 1. September für 26.000 Euro an Manfred Hofer verkauft, wechselte später in den Besitz des Stalles Schwindelfrei und wird nun von Hans-Albert Blume in Heumar trainiert. Für einen Erstling war das schon ein stolzer Preis, und so wurde der Verkauf später noch wie ein Rennsieg gefeiert.

17. September 2006 Preis von Mediteraneo Ausgleich III, Frankfurt
Auch der gute Tanko kam in 2006 noch zu seinem Sieg, natürlich in Frankfurt, seiner Hausbahn. Mit Kirstin im Sattel. Und das sah alles wieder so aus, als gäbe es nichts leichteres, als Rennen zu gewinnen. Tanko setzte sich nach 1600 Metern gegen Jade Rheinberg und Orange Blue durch, und galoppierte 3.000 Euro in die Clubkasse. Damit hat er jetzt fast 65.000 Euro eingaloppiert. Aber noch viel spektakulärer klingt es, dass dies bereits sein neunter Sieg und der 20. Sieg eines Galopp-Club Rhein-Main-Pferdes war.
Mich hat der Sieg unglaublich gefreut, zumal in dieser Saison, in der nicht alles so rund lief, schon wieder über seine Leistungen diskutiert wurde. Ich glaube, dass ich an diesem Sonntag mein breitestes Grinsen aufgelegt hatte, und der Sieg wurde zumindest von ein paar seiner Mitbesitzer gebührend gefeiert.

28. Oktober 2006 Prix de Satrouville, Maisons-Laffitte
Ja, ich weiß. Hier ist ein kleiner Zeitsprung, es ist zwischenzeitlich auch wahnsinnig viel passiert, ich verspreche aber, dass diese Lücke mit den Rennberichten noch gefüllt wird. Es gibt viel zu berichten von der vergangenen Woche.
Am 25. Oktober strahlte der Hessische Rundfunk einen Bericht im Rahmen der Sendereihe "Hessenreporter", mit dem Namen "Pferde, Schweiß und große Hoffnung", aus. In der Hauptrolle: Tanko.
Während des Juli-Renntages, der zeitgleich mit dem Hamburger Derby abgehalten wurde, hatte ein Team des hr unseren Trainer, Tanko und Lutz Krakow begleitet. Herausgekommen ist wohl einer der sehenswertesten Berichte über Pferderennen in den letzten Jahren. Tanko "spielt" seine Rolle hervorragend, und unser Trainer gibt einen sehr professionellen Einblick in den Rennsport. Zwei seiner im Film gemachten Aussagen fand ich persönlich sehr gut: "Das erste, was man im Rennsport lernt, ist zu verlieren." und "... das ist eine Besitzergemeinschaft, die sich alles teilt, das Leid natürlich genauso wie das Glück." Das sind angesichts eines Jahres, ohne Besitzer-Championate in Baden und nichtvorhanden Siegserien, Dinge, die manch einer mehr (mich eingeschlossen) beherzigen sollte.
Der Film zeigt Tanko beim Training, mit Hana (nicht "Anna") Mouchova im Rennen, Steffi, Kirsten, ein paar unserer Mitbesitzer und halt unseren Trainer Wilfried (nicht "Winfried") Kujath. Noch mal, er ist wirklich gut gemacht. Allerdings ist einmal das Wort "Sch$%§e" zu hören. Ich sag jetzt nicht von wem, aber Christian, so was sagt man doch wirklich nicht im Fernsehen. Nein.
Besagter Tanko hat in dieser Woche auch noch ein Rennen bestritten. In Paris, Maisons-Laffitte, ein Verkaufsrennen über 1600 Meter, Verkaufpreis 24.000 Euro. Und ich habe mir gedacht, wenn's am Ende das letzte Rennen für uns ist, dann will ich wenigstens dabei sein. Kurzentschlossen habe ich mich also am Samstagmorgen um kurz nach Sieben ins Auto gesetzt und bin nach Paris aufgebrochen. Als ich ungefähr 30 Minuten unterwegs war, fiel mir auf, dass ich die Wegbeschreibung zu hause liegen gelassen hatte. Na ja, ich hatte immerhin eine Karte des Großraumes Paris mit dabei. Die Rennbahn liegt am nordwestlichen Rand der Pariser Innenstadt, wie eben der Name schon sagt in Maisons-Laffitte. Das Computer-Programm hatte mir die nördliche Route um die Innenstadt herum ausgegeben. Nach einem kurzen Blick auf die Karte entschied ich mich für die südliche Variante ... sah nicht so schwierig aus.
Nach ungefähr fünfeinhalb Stunden hatte ich Paris erreicht und ich bog auf die "südliche Peripherie" ab. Es war also kurz vor 13 Uhr, noch ungefähr zweieinhalb Stunden bis zu Tankos Rennen. Schaff ich locker, dachte ich. Doch dann der erste Dämpfer ... Stau auf der Peripherie. Kein Unfall oder eine Baustelle, nein, das offenbar ganz normal französische Verkehrschaos. Das Reißverschluss-Verfahren beim Einfädeln gibt es scheinbar in Frankreich nicht. Da zählt das Darwin'sche Prinzip. Ich sah sofort, dass die Franzosen ein kontaktfreudiges Volk sind, als ich mir ihre Auto betrachtete. Die meisten zierten unzählige Kampfspuren wie Kratzer und Beulen. Also versuchte ich meinen BMW wie ein rohes Ei beim Eierlaufen durch den Verkehr zu steuern, was mir gleich wildes Hupen, wegen meiner langsamen und vorsichtigen Fahrweise, einbrachte. Also versuchte ich mein Heil in der Flucht und beschleunigte und nietete beinahe einen Motorradfahrer um, der sich mit knapp 200 km/h rechts an mir vorbei schlängelte. Gütiger Himmel, wo war ich hier hin geraten. Ab und zu versuchte ich noch einen Blick auf die Karte zu werfen, in der Hoffnung, mich nicht zu verfahren. Unterwegs wurde ich Zeuge von zwei Auffahrunfällen. Einer auf der Gegenseite, da ist einer ungebremst in ein Stauende gerast. Was ein Knall. Der andere war schon passiert, auf meiner Seite, sah nicht gut aus. Wieviele Motorrad-Fahrer in Paris umkommen möchte ich nicht wissen, ich gehe mal davon aus, dass die alle nicht sehr alt werden. Da wirst du links und rechts überholt. Die gestrichelten Linien sind wohl die Motorrad-Spuren, also hat jede Autobahn drei Spuren für PKW und zwei für die Zweiräder. Gut, und das ganze aufgeregte Zickzack-Fahren, was wohl mit dem hektischen Naturell der Franzosen zu erklären ist, bringt nicht wirklich was, aber die Franzosen glauben das wohl.
Das Ende der "südlichen Peripherie" habe ich sogar gefunden, war ja nicht schwer, einfach gerade aus. So, nun musste ich ja nur von Boulogne (da ist die Rennbahn von Longchamp) nach St. Cloud kommen, dann nach La Defense, nach Satrouville und Maisons-Laffitte. In der Zwischenzeit war es 13.30 Uhr, immer noch Zeit, das erste Rennen war allerdings schon gestartet. Bis nach St. Cloud hat mich irgendwie der Zufall gelenkt, weil französische Straßenschilder und Wegweiser sind nicht wirklich hilfreich: Graue Schrift auf blauem Grund. Am linken Seine-Ufer schaffte ich es auch tatsächlich bis nach La Defense, hier wurde es dann schwierig. Eine Mega-Baustelle und Umleitungen, dreimal im Kreis gefahren ..."hier war ich doch schon mal", den Ausgang gefunden. Schließlich in Colombes gelandet (war gar nicht so falsch) und dann wieder die falsche Abzweigung erwischt, die mich zu weit nach Norden, an der Rennbahn vorbeigeführt hätte. Also links ab, durch's nächstbeste arabische Wohnviertel mit Vollgas (mit Tempo 30-Zone und hochgelegten Zebrastreifen). Dann endlich Satrouville, wieder am Seine-Ufer, auf der anderen Seite die Rennbahn, aber nur eine Brücke unter der ich langfahren konnte. Nun, ich habe dann neben dem nächstbesten Einheimischen gehalten und nach dem Weg gefragt: "Je cherche l'hippodrome de Maisons Laffitte." Der hat mich angeguckt, als ob ich von einem anderen Stern komme. "Ah oui, l'hippodrome. Au là, Maisons-Laffitte <zeigt über den Fluss>, c'est Satrouville <freut sich>." Dann lässt er einen Schwall französischer Wörter auf mich niederprasseln. Ein paar Wörter, die aus der Schulzeit hängengeblieben sind, kann ich aufnehmen: "la bas ... pont ... a droit". Nun guckte ich aber wahrscheinlich so verdattert, dass er sagte "I speak english a little bit." Wir verständigten uns mit viel Handgefuchtel darauf, dass ich herumdrehen, rechts abbiegen und über die Brücke fahren musste. Ich bedankte mich freundlich "Merci beaucoup!", drehte um 180 Grad und viel Reifengequietsche und war nun endlich auf dem Weg zur Rennbahn. Es war 14:35. Immer noch fast eine Stunde, dachte ich.
Das Auto stellte ich auf dem Rennbahnparkplatz ab und eilte zur Rennbahn, da lief gerade ein Rennen. Am Eingang kaufte ich mir eine Paris Turf und ergatterte ein Programm, doch da der Schock. Tankos Rennen ist schon das nächste. Überflüssig zu erwähnen das just in diesem Moment auch noch mein Handy klingelt. Christian. "Sorry, keine Zeit ich bin im Stress, ich ruf gleich zurück!" Noch 30 Minuten bis zum nächsten Rennen. Führringkarte, mit dem deutschen Besitzerausweis brauchte ich zwar keinen Eintritt zu bezahlen, aber in den Führring ließ mich der finster dreinblickende Offizielle nicht. In der Tribüne schilderte ich einem Rennbahn-Mitarbeiter mein Problem, auf Englisch. Konnte der aber nicht und sah mich sehr fragend an. "Propriétaire allemande", fiel mir dann noch ein, "... Tanko ... mon cheval ... parade ..." Unglaublich welchen Effekt man in Frankreich erzielen kann, wenn man sich zumindest anstrengt. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, er verschwand kurz, kam mit einem blauen Bändchen wieder und brachte mich zum Führring, in den im Augenblick auch gerade Tanko aufkreuzte. "Merci beaucoup, trés gentil", na so ein wenig Schul-Französisch ist doch noch hängengeblieben, und ich erntete wieder ein Lächeln und gute Wünsche für's Rennen.
Im Führring traf ich dann unseren Tranporteur Herrn Kniese, der bei Auslandseinsätzen, bei denen unser Trainer nicht immer vorort ist, auch mal sattelt und den Reiter auf's Pferd wirft, und Johan Victoires Manager Rene. Johan war für diesen Ritt verpflichtet worden, da Dominique Boeuf schon einen anderen Ritt angenommen hatte. Dass ich auch mit Rene und Johan ein paar Worte auf französisch wechselte, ließ den Rennbahn-Moderator annehmen, dass er in mir ein Opfer für ein Interview gefunden hatte. Ich musste ihm aber erklären, dass ich das lieber auf englisch geben würde. Er fragte mich, was wir uns ausrechneten. Um ehrlich zu sein, nicht viel, aber ich antwortete ihm: "We don't travel such a long way to France without the aim to win some money." Na ja, aber der Meinung war Tanko ganz und gar nicht. Er wurde nach einem kurzen Moment in Front auf der Geraden Zwölfter. Ihm hat die ganze Aktion wohl weniger gefallen. Aber es bestand ja noch immer die Möglichkeit, dass er verkauft würde, aber auch das trat nicht ein. Ich schaute mir noch ein Rennen an, setzte mich wieder in mein Auto und fuhr wieder nach Hause. Der Rückweg kostete mich nur 5 Stunden und ich fuhr fast ohne Pause durch.
Immerhin hat Tanko jetzt sein zweites Rennen in Frankreich bestritten und könnte nach einem dritten Start dort in Handicaps antreten, eine Option, die vielleicht Sinn machen würde.

Der Rest des Jahres
Tanko hatte vor seinem Start in Frankreich auch noch ein Rennen in Frankfurt bestritten, einen Ausgleich III, in dem er Sechster wurde. Nach dem Frankreich-Rennen zum Saisonabschluss lief er dann noch über die für ihn ungewohnte Distanz von 2000 Meter. 1600 Meter weit, sah das ganz gut aus, dann fehlte ihm allerdings die Puste, wobei das Laufen an sich, mir sehr gefallen hat.
Sammy bestritt nach seinem Auftritt während der Großen Woche noch zwei Rennen, einen Ausgleich III in Frankfurt (Sechster) und einen Ausgleich III während des Herbstmeetings in Baden-Baden. Aus diesem Rennen unter Adrie de Vries kam er leider mit Nasenbluten zurück. Das Aus für ihn als Rennpferd. Anfang November hat er dann den Rennstall verlassen und hat eine neue Karriere als Reitpferd (irgendwo in der Wetterau) begonnen.
New Inspiration bestritt ebenfalls noch zwei Rennen: Ein Listenrennen für Stuten in Köln und ein Gruppe III-Rennen in Frankfurt. Der Start im Hessen-Pokal war dann zugleich ihr letztes Rennen. Im Dezember wechselte sie in den Besitz des Gestütes Etzean und beginnt dort ihre neue Laufbahn als Zuchststute.


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