Galopp-Club Rhein-Main


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2005

Spezial > Archiv 2002 - 2008

7. Januar 2005 - Das erste Fohlen
Am 8. Januar klingelte mein Handy und Christian war dran. "Perima hat ihr Fohlen bekommen, ein Stutfohlen mit einem weißen Abzeichen." Am nächsten Tag haben wir uns kurzerhand entschlossen auf das Gestüt zu fahren. Hans-Helmut Rodenburg wollte River Blade dort besuchen, "da fahren wir mit, wir treffen uns um 11 Uhr auf der Rennbahn."
Diese Tour zum Gestüt wird wieder in die erzählenswerte Geschichte des Galopp-Clubs eingehen. Hans-Helmuts Porsche hätte uns vieren unmöglich ausreichend Platz geboten, und so hatte sich Christian den Jaguar seines Vaters ausgeliehen. Eigentlich wollte er ja den Jeep der Mutter nehmen, der verlor aber schon seit Tagen Öl. So starteten wir also mit dem Braunschen XJ in Richtung Gestüt. So ein Jaguar ist schon bequem muss ich sagen, auch wenn ich Hans-Helmut hier zustimmen muss, er schaukelt etwas viel. Na immerhin besser als im Porsche eingeklemmt wie eine Sardine. Dachte ich so. In Höchst (im Odenwald) schaute Christian zufällig auf die Temperaturanzeige, die bereits eine dunkelrote Farbe angenommen hatte. "Hier, da ist irgendetwas nicht in Ordnung, der wird ja ganz heiß." Also kurzerhand an der nächsten Tankstelle angehalten, Motor aus und wieder an. Langsam geht die Temperatur wieder runter, als der Kühlerventilator anspringt. Als wir weiterfahren wollen, springt uns ein Tankstellenkunde hysterisch hinterher. Das Auto verliere Flüssigkeit und es stinkt. Also wird der Jaguar an den Straßenrand geschaukelt und der ADAC geordert. Ich schaute mir das Dilemma mal und der Motorhaube an, konnte aber nur sehen, dass es vorne links irgendwo tropft, aber nicht genau wo. Christian wollte eigentlich noch bis Etzean weiterfahren, wir machten ihm aber klar, dass ein Kolbenfresser teurer werde als ein kaputter Kühler.
Hans-Helmut rief inzwischen auf dem Gestüt an und erklärte Herrn Kredel die Situation. Der bot sich an, uns in Höchst aufzulesen, ins Gestüt zu bringen und uns einen Wagen für die Rückfahrt zu leihen. Im Kredelschen Jeep nach Etzean fahren wäre wenigstens besser, als hier in der Kälte herumzustehen, dachte ich so.
Nach einer Dreiviertelstunde kam endlich der ADAC und wenig später auch Herr Kredel mit seinem Audi A4, ok, doch kein Jeep. Der Jaguar wurde vom ADAC Huckepack genommen und wir stiegen in den A4 ein. dazu muss ich sagen, dass ich 1,94 m groß bin, und die Rücksitzbank eines A4s nicht gerade der ideale Platz für mich ist, der Porsche wäre auch nicht enger gewesen. Hans-Helmut eroberte sich allerdings den Beifahrersitz und so musste ich zwangsläufig hinten Platz nehmen. Auf ging's nach Etzean. Dort kam für mich dann der schwierige Part, wie komme ich aus dem Auto wieder heraus. Hans-Helmut hatte inzwischen das Auto verlassen, und ich legte meine linke Hand an die B-Säule und die rechte an die C-Säule, um mich so aus dem Auto zu ziehen. In dem Moment haut Hans-Helmut die Beifahrertür zu. Meine Hand steckt nun zwischen B-Säule und Tür fest ... die Tür ist zu. Das Gefühl ist ziemlich eklig, vor allem wenn die Tür mit Schwung zugeworfen wurde. "Mach die Tür wieder auf. Mach die Tür wieder auf. Mach die Tür wieder auf. ..." war das einzige was ich dem Moment stammeln konnte. Dem entsetzten Gesichtsausdruck entnahm ich, dass er es nicht mit Absicht getan hat. Die Tür machte er Gott sei Dank auch wieder auf. Meine Finger hatten den Abdruck der Tür angenommen. In der Höhe des Fingerkuppengelenks waren Ring-, Mittel- und Zeigefinger sofort blau und ca. 3 mm dünner. Ok, erst mal nicht bewegen und kaltes Wasser drauf, schoss es mir durch den Kopf. Falls sie gebrochen gewesen wären, hätte jede unnötige Bewegung nur noch wehgetan. Also unter den kalten Wasserhahn damit und Wasser darüber laufen lassen, vorsichtig bewegt ... ok, ging alles und tat nicht übermäßig weh. Kredels gaben mir noch eine Kühlkompresse mit, alles bestens. Am nächsten Tag waren die Finger dann etwas geschwollen, und jetzt, gut eine Woche später, sollte man nicht gerade auf die Knochen drücken.
Dann ging es in den Stall, und da stand es nun - Perimas erstes Fohlen. Der Anblick entschädigte für alles. Ich glaube das einzige, was ich noch von mir geben konnte war ein "Ohhhh, ist das süüüüüß." Ich packte meine Kamera aus und schoss erst mal ein paar Fotos. Meine Minolta kann man mit einer Hand bedienen, da brauchte ich die ramponierte linke nicht. Von Herrn Kredel gab es die ersten genaueren Infos: Am 7. Januar, kurz vor Mitternacht ist es geboren. Die Geburt verlief unkompliziert und nach einer halben Stunde stand das Fohlen bereits und hat getrunken. Perima zeigte uns gleich, dass sie auch die Mutterrolle perfekt beherrscht: Wenn wir zu dicht an die Box kamen, stellte sie sich zwischen uns und das Fohlen, und als Herr Kredel das Fohlen in die Stallgasse führte, wich sie dem Fohlen keine Sekunde von der Seite. Ich habe das auch nicht anders von ihr erwartet, und vor allem, sie war wieder die erste. Keine andere Stute hat bisher gefohlt.
Dieser Nachmittag klang im Kredelschen Wohnzimmer bei einer Tasse Kaffee und einem leckeren Obstkuchen aus. Herr Braun hat uns dann mit einem Leihwagen abgeholt, natürlich nicht ohne sich das Fohlen noch mal anzuschauen.
Heute, knapp eine Woche später, waren wir schon wieder da, dieses Mal mit einer größeren Gruppe, aber dieses Mal ohne Panne. Das Fohlen darf inzwischen auch schon in den Paddock, allerdings nur mit Perima, ohne andere Stuten. Die wurden zur Sicherheit in den Stall verfrachtet.

5. Februar 2005 - Besuch aus Amerika

Von Jörg hatte ich schon erzählt. Jörg lebt in Amerika, ist ebenfalls in einer Besitzergemeinschaft, dem Fantasy Lane Stable, aktiv und betreut wie ich eine private Homepage. Wir haben uns ab und zu ein paar Mails geschrieben, und nun hatte Jörg mal wieder beruflich in good old Germany zu tun, und so wurde ein Termin vereinbart. Mit unserem Fanclub, die ebenfalls sehr regen Mailaustausch mit Jörg pflegen, Jörg und seiner Tochter Vicky verabredeten wir uns um 4 Uhr auf der Rennbahn auf einen Kaffee und einen Stallbesuch. Da unsere Club-Fotoseite nicht mehr aktiv ist, habe ich ein Foto direkt hier verlinkt.
Am Rande bleibt noch anzumerken, dass der Abend wieder mal länger wurde als geplant (im Paragon war eine Faschingsparty des Golfclubs mit viel zu lauter Stimmungsmusik), Christian sogar den Karneval in Köln wegen diesem Treffen hat sausen lassen, ich jetzt unter einem linkseitigen Ohrpiepen leide und wir wahrscheinlich kein Pferd mit dem Namen Gameldansk oder Tequila kaufen werden.

20. März 2005 - Start in die neue Saison
Seit genau 133 Tagen war kein Galopp-Club-Pferd mehr am Start gewesen (New Inspiration und Sambucan Daze in Köln), und so langsam kribbelte es bei uns allen wieder in den Fingern. Der erste Renntag war unser erklärtes Ziel für den Saisonstart gewesen, doch hatte uns der spät einsetzende Winter fast einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Quecksilbersäule fiel Ende Februar und Anfang März auf mancherorts minus 15 Grad und bescherte uns einen späten Bodenfrost. So war an Rennen auf der Grasbahn gar nicht zu denken, Köln und Mülheim mussten ihre für Anfang März geplanten Renntage auf Gras absagen.
Auch das Training auf der Grasbahn konnte erst in der Woche vor dem eigentlichen Renntag stattfinden, viel zu spät um zumindest ein wenig Kondition zu tanken. So waren denn auch die Resultate unserer beiden Starter Tanko und Sambucan Daze zwar vielversprechend, aber vom Resultat her eher gemäß den Erwartungen. Für Tanko sprang im Ausgleich II über 1500 Meter nur der sechste und letzte Platz heraus, Sambucan Daze konnte im 11er-Feld (Ausgl. III über 2000 Meter) den siebten Platz belegen. Beide zeigten auf der Geraden einen guten Ansatz, wobei mir Sambucan Daze' Leistung noch besser gefiel, im Ziel fehlte dann aber für mehr eindeutig die Luft.
Am Freitag vor dem Rennen konnte man in der Sport Welt unseren Tanko auf der Titelseite bewundern, dort war ein Foto von seinem Sieg in Krefeld abgebildet. In dem dazugehörigen Bericht über den bevorstehenden Frankfurter Renntag konnte man folgendes lesen: "... Als sensationeller Besitzerchampion beim Sales&Racing Festival durfte die große Besitzergemeinschaft des Galopp-Club Rhein-Main im Herbst in Iffezheim feiern. Jetzt starten zwei ihrer Pferde in die Saison, beide haben 2004 eine Menge bewegt.
Sambucan Daze steht nach drei Treffern noch im Ausgleich III, verdient mit Kirstin Hutcheson sicher auch unter deutlich gestiegenen Bedingungen einen Hinweis. Im Preis der Stadt Frankfurt, dem Highlight des Nachmittags, feuert man Tanko an, der neben drei Erfolgen sage und schreibe acht Platzierungen in der vergangenen Rennsaison ergatterte. Wladimir Panov bekommt die Chance auf dem Wallach, der in diesem mit 8100 Euro ausgestatteten Ausgleich II über die Distanz von 1500 Metern fünf Konkurrenten schlagen muss."

16. April 2005 - Preis von Persil - Agl. III Stutenrennen, Düsseldorf
Nun war auch unser Stute New Inspiration wieder an der Reihe. Auf dem Düsseldorfer Grafenberg startete sie in einem Ausgleich III für Stuten über die Distanz von 1400 Metern.
Ich freute mich auf Düsseldorf. Zum letzten Mal war ich mit Steffi zu den 1000 Guineas im Jahr 2000 hier gewesen. Damals hatte eine englische Stute namens Crimplene das 1600 Meter Rennen gewonnen, ziemlich überraschend, als 97:10 Außenseiter. Die Bahn in Düsseldorf ist traumhaft. Für mich ist es die schönste Bahn in Deutschland. Sehr empfehlenswert ist es außerdem, sich dort eine Loge zu mieten. Hatten wir gemacht und mussten so nicht den Tag an der kühlen Aprilluft verbringen.
New Inspiration machte im Führring eine gute Figur. Im Gegensatz zum Vorjahr, wo sie vor dem Rennen schon immer aussah wie nach dem Rennen, war sie dieses Mal die Ruhe selbst. Erst beim Aufgalopp und dann an der Startmaschine erste Anzeichen von Schweißtropfen. Im Rennen selbst konnte sie keine Höchstleistung zeigen. Schlecht abgesprungen, keine ausreichende Kondition und dann noch eine kleine Behinderung auf der Geraden führten zu dem letztendlich ernüchternden Ergebnis. Trotzdem, am 5. Mai geht es mit ihr in der Frankfurter Stutenmeile weiter. Mal sehen, vielleicht gelingt uns ja eine Überraschung.
Kleine Anmerkung: Zu dem Ehrenpreis bin ich trotzdem noch gekommen. Norman Richter hatte dieses Rennen auf Sternenprincess gewonnen und hat mir später seinen Ehrenpreis vermacht - ein Deo-Set von Hattrick (Henkel).

24. April 2005 - Starter an zwei Orten
Am letzten Wochenende, nachdem unsere Stute den vorletzten Platz in Düsseldorf belegt hatte, hatte ich mit voller Zuversicht und Optimismus behauptet, am nächsten Wochenende gewinnen wir das erste Geld. Damit hatte ich Sambucan Daze gemeint, der mir nach seinem Laufen in Frankfurt besser gefallen hatte als Tanko. Besuchte man beide im Stall, so konnte sich sogar der Laie davon überzeugen, dass Sammy schon die bessere Figur abgab. Tanko erinnerte mich dank seiner Fellpracht eher an einen Teddybären.

Metzler Japan-Rennen Ausgleich III, Frankfurt
Für Sammy ging es über die Distanz von 2150 Metern im Ausgleich III in Frankfurt-Niederrad. Dabei hatte er mit 7 Gegnern zu tun, unter denen sich unter anderem Paracchini befand, der dem Turfsyndikat 2005 gehört. Dieser war letztes Jahr zweimal in Mailand am Start gewesen und hatte zwei vierte Plätze belegt. In diesem Jahr hatte er als Vierjähriger sein Sieglosenrennen hochüberlegen gewonnen. Ein Unverlierbarer also.
Sambucan Daze ging zu einem Totokurs von 88 an den Start. Als es zum ersten Mal am Ziel vorbei ging, hatte sich Sambucan Daze mit seiner Reiterin Kirstin Hutcheson im hinteren Drittel des Feldes eingereiht. Schon hier war zu sehen, dass es ein sehr langsames Rennen wurde, was unserem Pferd nicht gerade entgegen kam. Auf der Gegengeraden begann er schon an seinen Gegnern vorbeizupullen, doch musste ihn Kirstin hier schon wieder zurücknehmen. Als dann in der Zielkurve vorne die Post abging, konnte Sammy dem plötzlichen Sprint nicht folgen und wurde schließlich vorletzter.
Es gab zunächst ein paar lange Gesichter zu sehen, und ich muss sagen, dass auch meins lang wurde, wo ich doch gedacht hatte, dass er heute Geld verdient. Doch mussten wir einsehen, dass es für uns in Frankfurt nichts zu gewinnen gab. Sambucan Daze wird nun in Baden-Baden wieder an den Ablauf kommen. Ein hoffentlich größeres Feld und das damit verbundene schnellere Tempo und der lange Einlauf werden ihm hoffentlich entgegenkommen.

www.duesseldorf-galopp.de Ausgleich II, Köln
Für Tanko hatte unser Trainer einen Ausgleich II in Düsseldorf ausgesucht. Eine Woche nach dem ersten Start eines GCRM-Pferdes in Düsseldorf, nun gleich der zweite Start innerhalb von 8 Tagen. Eigentlich sagte schon jeder vor dem Rennen, dass man die Erwartungen hier eher zurückschrauben musste, da Tanko sich mitten im Fellwechsel befand. Mit nach Düsseldorf gefahren waren wir nicht, letztes Mal, als keiner von den Mitbesitzern mit war, hatte Tanko gewonnen.
Aber es kam ganz anders. Tanko machte im Führring schon eine sehr gute Figur, soweit man das auf den Buchmacher-Monitoren beurteilen konnte. Aus der Startmaschine heraus war Tanko gewohnt schnell und reihte sich an dritter Stelle liegend in das Feld ein. Den Berg kam er gut hinauf und hatte zum Schlussangriff eine gute Position inne. Das Quotenhaus erzitterte kurz und heftig, aus allen Winkeln waren Anfeuerungsrufe von Mitgliedern und Fans zu hören. Es entwickelte sich ein Dreikampf zwischen Robespierre, Ticina und Tanko, wobei Tanko sogar zweihundert Meter vorm Ziel die Nase kurz vorne hatte. Im Ziel hieß der Einlauf schließlich Robespierre eineinviertel Längen vor Ticina und Tanko. Tanko trennte vom zweiten Platz gerade mal eine Halslänge. Damit hatte keiner gerechnet. Tanko hatte das erste Geld in diesem Jahr für den Galopp-Club gewonnen - 900 Euro.
"Zu früh in die Entscheidung geworfen, der hätte sonst sogar gewonnen", war der Kommentar von seinem Reiter Norman Richter. Norman, egal, das war spitze von Euch beiden.
Tanko kommt jetzt ebenfalls am 5. Mai in Frankfurt an den Start, sein Reiter wird wieder Norman Richter sein.

5. Mai 2005 - Premiere am Handwerker-Renntag in Frankfurt
Nach dem Handwerker-Renntag in 2003 hatte die Schlagzeile in meinem Saisonbericht "Doppelsieg in Frankfurt" gelautet, damals hatten wir mit Tanko und Perima zwei Sieger im Ausgleich III gestellt und hatten einen für den Club unglaublichen Tag erlebt. Damals hatte ich schon von Superlativen gesprochen und hatte niemals gedacht, dass das alles noch zu überbieten wäre. Nun, schon im selben Jahr hatte Perima einen dritten Platz im Gruppe III-Rennen erreicht (unglaublich) und im Jahr darauf hatten wir, als verhältnismäßig kleiner Besitzer, das Besitzerchampionat in Baden-Baden gewonnen (sensationell). Dann sollten einen drei Starter an einem Renntag am gleichen Ort nicht gerade aus der Ruhe bringen, ich muss aber gestehen, dass ich morgens schon früh wach im Bett lag und vor lauter Aufregung kein Auge mehr zubekam. New Inspiration sollte an diesem Tag ein Listenrennen bestreiten, Tanko einen Ausgleich II und Sambucan Daze einen Ausgleich III. Aber es war wieder mal eine Premiere: Drei Pferde des Galopp-Clubs am gleichen Tag am Start.
Als wir morgens auf der Bahn ankamen, war mein zweiter Gang, nachdem ich das Terminal renntagsfertig gemacht hatte und im Sekretariat vorbeigeschaut hatte, an die Theke des Paragons, wo ich mir nach einer Tasse Kaffee, zwei Kölsch zur Beruhigung einverleibte. Bei Tanko hatte ich nach seiner Vorstellung in Düsseldorf ein sehr gutes Gefühl, bei Sambucan Daze musste die Formkurve wieder nach oben zeigen, wenn er das passende Rennen finden würde. Nur bei New Inspiration sahen die Dinge eher nach "da muss schon alles zusammen passen" aus.

Rennen der Innung für elektro- und informationstechnische Handwerke Frankfurt Ausgl. III
Mit Sambucan Daze begann die Rennserie an diesem Tag im dritten Rennen. Für ihn ging es gegen 6 Gegner über 2000 Meter. Aufgrund der wenigen Starter in diesem Rennen konnte man eher wieder von einem verbummelten Rennen ausgehen, bei dem er wieder mal nicht das richtige Tempo finden würde, doch Wellenflieger und Aristokrat lieferten sich ein schönes Führungsduell an der Spitze, sind halt beides Frontrenner. Sambucan Daze zunächst hinten kam dadurch gut ins Rollen und begann schon wieder auf der Gegenseite an den Gegnern vorbeizuziehen. Im Schlussbogen lag er schließlich auf Platz drei und gab diesen Platz auch bis ins Ziel nicht mehr her. Dabei musste ihn Kirstin auch nicht mehr groß bemühen.
Das war ja schon mal ein Einstand nach Maß. Mit Tanko ging es im fünften Rennen weiter, so blieb erst mal genug Zeit für den obligatorischen Sambuca mit Kaffeebohnen und ein weiteres Bier.

Preis der Württembergischen Ausgleich II
Wir standen noch am Bierstand, als das vierte Rennen über die Bühne ging und verfolgten es am Monitor. Plötzlich stockte uns und wohl den meisten anderen auf der Bahn der Atem: Tipolino, ein dreijähriger siegloser Hengst aus dem Quartier von Hans-Albert Blume brach auf der Geraden durch die inneren Rails, und sein Reiter flog durch die Luft und blieb auf dem Geläuf liegen. "Scheiße, das war Norman" hörte ich Christian sagen und da schoss es auch mir durch den Kopf: Mist, der muss doch Tanko reiten. Eigentlich sollte man ja eben so nicht denken, aber das waren nun erst mal meine ersten Gedanken, die mir durch den Kopf schossen. Auf dem Monitor lief das Rennen weiter und erst nach dem Zieleinlauf kam durch Pan Krischbin, den Rennkommentator die Entwarnung - Pferd und Reiter stehen wieder. Ich düste trotzdem erst mal auf das Geläuf, um zu sehen, ob es ihm wirklich gut geht. "Bist Du ok?" Ein Hmm kriege ich als Antwort und schon ist die schreibende Zunft an ihm dran wie ein Schwarm Fliegen. Am nächsten Tag titelt die Bild: "Der ..." Ach nein, das würde ja alles vorweg nehmen.
Tanko sieht im Führring hervorragend aus, jetzt ist da also nur noch die Reiterfrage offen ... wird er reiten? Norman betritt als letzter Reiter den Führring und besteht den Fitness-Test - 20 Leuten die Hand schütteln - mit Bravour. Ein paar flapsige Bemerkungen muss er sich noch anhören, wie "halt Dich dieses Mal fest" usw. (wer den Schaden hat ...) und ab ging es auf die Bahn.
Tanko sprang wie gewohnt gut ab, aber dieses Mal sollte er das Rennen nicht an zweiter oder dritter Stelle liegend bestreiten, dieses Mal beorderte ihn Norman nach hinten. In mir kamen leichte Zweifel auf, ob er von da aus einen der vorderen Plätze belegen konnte. Bis zum Einbiegen auf die Zielgerade war von unserem Pferd noch nicht viel zu sehen, doch dann drehte unser Pferd mächtig auf und pflügte durchs Feld. Auf der Linie war er eine dreiviertel Länge vorne. Sensationell, und wieder ohne großen Peitscheneinsatz. Nachher sagte uns Norman, da sei noch Luft nach oben.
Auf dem Podest war dann wieder ein Massenandrang und wir zelebrierten unsere aus Baden bekannte Siegerehrungswelle. Wir bekamen einen Rucksack von dem Sponsor des Rennens überreicht. Leider verschwand dieser Ehrenpreis dann im Laufe des Renntages aus der Jockeystube.
Na, nach diesem Erfolg wurde erst mal kräftig angestoßen und schließlich hatten wir noch ein Rennen vor uns. Ach ja, die Bild-Zeitung titelte am Freitag: "Dramatik in Niederrad - Der Sieg kommt nach dem Sturz".

Frankfurter Stuten-Meile Großer Preis der Frankfurter Volksbank Listenrennen
Nun stand noch das Highlight aus: New Inspiration im Listenrennen. Reelle Chancen? Natürlich keine. Mit viel Glück wäre vielleicht eine Platzierung möglich gewesen, so eher mein Gefühl. Natürlich wäre das dann natürlich ein Hammer gewesen, aber innerlich hatte ich mich schon mit einem der hinteren Plätze angefreundet.
Natürlich lockt ein mit 50.000 Euro dotiertes Listenrennen die Trainer an, ihre Stuten hier starten zu lassen, und so konnte sich die Besetzung des Rennens durchaus sehen lassen. Kitcat, Mamela und Nightdance Forest hießen die großen Favoritinnen und die machten dann auch drei der ersten vier Plätze unter sich aus, nur Lotosmaid aus dem Stall von Norbert Sauer konnte sich noch auf Platz zwei ins Ziel schieben. Gewonnen hat schließlich Nightdance Forest vor Lotosmaid, Kitcat und Mamela.
New Inspiration wurde gemäß der Order von hinten geritten und sollte sich, um den Fehler aus Köln zu verhindern, aus allen Rangeleien raushalten. Ausgangs des Schlussbogens hatte sie ihren großen Moment und sah sehr stark aus, doch dieser Moment auf der Außenbahn hatte nur einen Augenblick Bestand und unsere Stute fiel ohne großen reiterlichen Einsatz auf Platz 12 zurück.
Es gab ein paar betröpfelte Gesichter, es regten sich andere über den Jockey auf. Ich muss sagen, nachdem ich ein paar Rennen zuvor den Sturz von Norman gesehen hatte, war ich heilfroh, dass alle Pferde gesund aus den Rennen wiedergekommen waren.
Der Tag klang später im Paragon aus, und es wurde spät. Am nächsten Tag zu arbeiten war nicht leicht. Jetzt geht es in zwei Wochen nach Baden-Baden: Für Tanko geht es entweder im Ausgleich II über 1400 Meter weiter oder wir wagen einen Start im Lehndorff-Rennen (Ausgleich I). Sambucan Daze bestreitet einen Ausgleich III über 2000 Meter und New Inspiration startet entweder im gleichen Rennen wie Tanko oder aber im Ausgleich II über 1800 Meter.

Frühjahrsmeeting 2005, Baden-Baden
Es gibt Dinge von denen man behauptet, sie passieren einmal in tausend Jahren oder noch seltener, und wenn sie einem passieren, dann schwebt man auf allen Wolken, freut sich und glaubt zu wissen, dass das eine einmalige Sache war. So zum Beispiel das Besitzer-Championat während des Sales and Racing Festivals in Baden-Baden. ... Denkste!
Es gibt Dinge die passieren öfter, und wir sollten aber nicht aufhören, immer zu behaupten, das alles wäre nicht zu toppen, denn scheinbar bringt das ja Glück. In der Woche vom 22. Mai bis zum 29. Mai haben wir Außergewöhnliches erlebt. Wir haben unsere Pferde Tanko und Sambucan Daze sehen können, wie sie über sich hinausgewachsen sind. Natürlich haben wir auch Glück gehabt, aber es war einfach alles sensationell.

22. Mai 2005 Preis der Caracalla Therme Agl. III, Baden-Baden
Sambucan Daze' Leistungen waren in diesem Jahr noch nicht unter die Rubrik erfolgreich einzuordnen. Ein dritter Platz in Frankfurt, über den wir uns zwar riesig gefreut hatten, aber das Pferd hatte letztes Jahr mit zwei Siegen beendet. Na gut, nach dem letztjährigen Sieg im Ausgleich IV an gleicher Stelle, mussten wir natürlich einen Start in Baden-Baden wagen. Aber schon Tage vor dem Aufgalopp war uns allen eigentlich klar, dass wir in diesem Rennen nicht gewinnen konnten. Der unverlierbare Paracchini aus dem Wöhler-Stall war für das gleiche Rennen genannt worden, am 24. April hatte er ein Rennen, in dem auch Sambucan Daze gestartet war, überlegen gewonnen und hatte gezeigt, dass mit ihm im höheren Handicap noch zu rechnen ist.
Wir waren an diesem Wochenende im Tannenhof untergekommen, in dem Hotel des Tanko-Mitbesitzers Umberto Marengo. Morgens beim Frühstück plötzlich die Nachricht, Paracchini ist Nichtstarter. - "TOR!", klang es von einem anderen Tisch im Restaurant. Na immerhin wurde jetzt eine Platzierung schon wahrscheinlicher. Apropos Tor ... am gleichen Tag sollte die Eintracht ihr letztes Saisonspiel bestreiten, wo Sieg und Niederlage über den Aufstieg oder den Verbleib in der 2. Liga entscheiden sollte.
Die Kunde wurde schnell an andere Mitbesitzer in anderen Hotels via Mobilfunk verbreitet und so war es klar, dass uns auf der Bahn dann schon sichtlich aufgeregte und teils schon siegessichere Freunde entgegen kamen. Chancen wurden genauso wie mögliche Dreierwettkombinationen und Siegwetteinsätze diskutiert. Ein wenig Gedanken machte ich mir über den Reiter: Jockey Andreas Helfenbein hatte seit 57 Rennen in Iffezheim nicht gewonnen, und warum sollte er das auf unserem Pferd ändern.
Unser Rennen war das vierte Rennen. Die fast komplette Besitzerschar und der Fanclub versammelten sich im Führring. Nachdem Andreas Helfenbein die Order des Trainers erhalten hatte, bekam er ungefähr noch 10 andere zu hören. Mir tat er in dem Moment ein wenig leid.
Um 15:50 Uhr öffneten sich die Boxen. Die Eintracht führte zu diesem Zeitpunkt bereits 1:0 gegen Wacker Burghausen und in München stand es zwischen dem TSV 1860 und dem LR Ahlen unentschieden, zu diesem Zeitpunkt war die Eintracht erstklassig. Einen erstklassigen Ritt legte Sambucan Daze' Jockey hin: Aus den Startboxen heraus reihten sich die beiden an dritter, vierter Stelle liegend ins Feld ein. Das Tempo des Rennens war erwartungsgemäß moderat. Saradar aus dem Stall White Star bestimmte die doch recht langsame Pace. Ungefähr 500 Meter vor dem Ziel machte unser Jockey das Rennen plötzlich schnell und ging mit Sambucan Daze an die Spitze, 200 Meter vor dem Pfosten hatte er sich mit Classic Gold bereits vom restlichen Feld abgesetzt und es reichte bis ins Ziel.
Natürlich stürmten wir wieder das Geläuf und beglückwünschten uns selbst, das Pferd und natürlich Andreas Helfenbein: "Sensationeller Ritt." Und man konnte sehen, dass er ziemlich glücklich war, seine Pechsträhne in Baden zu beenden. Zwei Tage später konnte er noch zwei Treffer auf seinem Konto verbuchen.
Baden-Baden scheint ein gutes Pflaster für uns zu sein, drei Siege in Folge standen zu diesem Zeitpunkt auf unserer Habenseite. Unnötig zu erwähnen, dass am Abend jeder diesen Sieg auf seine Weise zu feiern wusste. Es bleibt zu berichten, dass allein an diesem Nachmittag eine Flasche Sambuca ihr Ende fand und der Fürstenberg-Bierstand auf der Badener-Bahn trockengelegt wurde. Schon am selben Tag wurde beschlossen, dass wir nach dieser Leistung einen weiteren Start mit Sambucan Daze in Baden wagen sollten, sechs Tage später im Ausgleich II.
Unsere Eintracht sicherte sich an diesem Tag mit einem 3:0 über Burghausen den Aufstieg in die Bundesliga. Noch ein Grund mehr zum Feiern.

28. Mai 2005 Ossian-Rennen Agl. II, Baden-Baden
Sechs Tage später hieß es also wieder "Boxen auf" für Sambucan Daze, und wieder war der hohe Favorit des Rennens - dieses Mal Kiton - vorher als Nichtstarter erklärt worden. Angeblich wegen des festen Bodens und das als Lando-Sohn. Doch das waren auch unsere Bedenken hinsichtlich des Starts von Sambucan Daze. Kann er den Boden? Es muss dazugesagt werden, dass sich das Wetter in den Tagen vor Sambucan Daze' zweitem Start in Richtung hochsommerliche Temperaturen gewandelt hatte, so zeigte die Quecksilbersäule zum Zeitpunkt des Rennens über 30 Grad an.
In der Woche zuvor war ich in Dresden gewesen, Steffi und ich hatten ihre neue Wohnung eingerichtet. Doch ein Start von Tanko im Lehndorff-Rennen und von Sambucan Daze im Ausgleich II, das konnte ich mir nicht entgehen lassen. So war ich am Freitag wieder nach Hause gefahren und hatte mich am Samstagmorgen auf den Weg ins Badische gemacht.
Das siebte Rennen war das von Sambucan Daze. Als Reiterin war Hana Mouchova gebucht worden, da Sammy mit nur 50 Kilo antreten musste. Aus der Startbox heraus beorderte sie ihn nach vorne. "Was macht die denn da, schoss es mir durch den Kopf. Das geht doch nie und nimmer gut." Es ging. Bis ins Ziel lag unser Pferd vorne, das Rennen hätte aber auch keinen Meter länger sein dürfen.
Es ist nun eine Woche vergangen, wo ich diese Zeilen hier schreibe und es ist schwer, mich an das zu erinnern, was mir in dem Moment gerade durch den Kopf ging. Zunächst herrschte noch ein wenig Unklarheit, ob er das Rennen wirklich gewonnen hatte, aber ich war mir ziemlich sicher. Ich war alleine unten am Geläuf, da alle anderen sich scheinbar auch unsicher waren. Hatten wir etwa nicht gewonnen? Doch dann die Bestätigung, es hatte gereicht. Unglaublich dieses Pferd, gewinnt letztes Jahr drei Rennen, zwei davon in Folge, und nun einen Ausgleich III und einen Ausgleich II in Baden-Baden innerhalb einer Woche. Sammy ist im übrigen das einzige Pferd, dem dieses Kunststück während dieses Frühjahrsmeetings geglückt ist.
Wenn ich mir den Rennfilm so anschaue und mit dem der Vorwoche vergleiche, standen wir nun beim zweiten Mal etwas hölzern auf dem Podest. Ich denke, dass es niemand so richtig glauben konnte, was da gerade passiert war.
Ich muss an dieser Stelle noch mal Oliver Lenk danken, der uns zu diesem Pferd verholfen hat. Dieser Tag verlief für ihn leider nicht so glücklich, sein sensationeller Grantley startete trotz des für ihn zu festen Bodens in einem Verkaufsrennen. Im Schlussbogen nahm ihn sein Reiter Norman Richter aus dem Rennen, und man konnte auch genau sehen, dass er etwas komisch galoppierte, was, wenn man die Vorgeschichte des Pferdes kennt, nichts Gutes bedeuten konnte. Gott sei dank, war es nichts Schlimmes.
Von dem anschließenden Abend weiß ich nicht mehr viel. Wir waren noch sehr gut essen und wollten eigentlich alle sehr früh schlafen gehen, um für den nächsten Tag und Tankos Start im Ausgleich I gerüstet zu sein, doch habe ich (und vielleicht auch andere) Sammys Höchstleistung zum Ansporn genommen, Großes beim Trinken zu leisten, was aber meinem Gedächtnis nicht so gut bekommen ist.
4 Siege in Folge in Baden-Baden, und manche sprachen zu diesem Zeitpunkt schon wieder vom Meetings-Championat. Nein, unmöglich, andere hatten auch zwei Siege und hatten schon mit Platzierungen gepunktet, da musste Tanko am nächsten Tag schon gewinnen. Wir mussten die Kirche im Dorf lassen.

29. Mai 2005 Lehndorff-Rennen Agl. I, Baden-Baden
Am nächsten Tag quälte ich mich um 10 Uhr aus dem Bett und nahm erst mal eine Tablette gegen Kopfschmerzen und eine eiskalte Dusche für meinen Kreislauf. Wie ich auf mein Zimmer und ins Bett gekommen war - keine Ahnung. Irgendwie drehte sich noch alles. Nach zwei Brötchen und zwei Tassen Kaffee ging es mir wenigstens wieder so gut, dass mein Kopf nicht mehr die ganze Zeit um sich selbst kreiste. Ich packte meine Sachen zusammen und bezahlte meine Rechnung ... gut, dass ich am Tag davor beim Wetten getroffen hatte. Mein Gott, das konnten wir nicht alles getrunken haben.
Auf der Bahn wieder Temperaturen zum Schmelzen. Nicht gut für den Restalkohol. Dieses Mal gab es keine Streichung in unserem Rennen, es sollte wieder das siebte sein, wie am Tag zuvor. Auf der Bahn traf ich die ersten Gratulanten und auch Mitbesitzer, die ebenfalls noch etwas siegestrunken umher wankten. Mein erster Gang ... Wasser kaufen und zum Buchmacher, ein Rennen in Hoppegarten anschauen. Viel von den Rennen an diesem Tag habe ich nicht mitbekommen, nur, dass Sweet Wake mit Andrasch das Gruppe-Rennen gewann.
Wir hatten tatsächlich theoretische Aussichten das Meetings- Championat zu gewinnen, allerdings nur wenn Tanko gewinnen oder Zweiter werden würde und der Stall Steintor keine Punkte mehr holte. Der Punktestand sah wie folgt aus: Stall Steintor 28 Punkte, GCRM 24 Punkte. Beide hatten noch einen Starter, der Stall Steintor im Iffezheimer Jagdrennen, dem achten Rennen, das Pferd 'Ab und zu'. Wir mussten also vorlegen, aber so richtig daran glauben, dass Tanko gewinnt, konnte ich nicht. Zumal wir mit Norman Richter (wieder) einen Reiter gebucht hatten, der in Iffezheim im Frühjahrsmeeting noch nicht seine normale Form gezeigt hatte.
Norman kam auch mit einer ziemlich angespannten Miene in den Führring. Wir konnten zwar noch etwas flachsen, aber so richtig legte sich seine Anspannung nicht. Tanko machte eine gute Figur, obwohl er am Bauch etwas schwitzte.
Tanko war wie gewohnt schnell, als Erster aus den Startlöchern und Norman versteckte ihn, wie schon in Frankfurt, im Mittelfeld. Vianconi, Vive la Reine, Gonpardo und Night Set machten vorne das Rennen schön schnell. Eingangs der Geraden beorderte Norman Tanko in die Bahnmitte. Zunächst sah es nicht nach einem Durchkommen aus. Tanko musste noch einer Peitsche ausweichen, doch er kämpfte sich nach vorne ... und ...und ... GEWANN! WAAAAAAHHHHHHNNNNNNSSSINNNNNN!
Ich konnte es nicht glauben, wir hatten auch noch den Ausgleich I gewonnen - das Lehndorff-Rennen. Tanko-Mitbesitzer fielen mir um den Hals, wir stürmten das Geläuf. Norman kam im Sattel stehend und Peitsche schwingend zurück geritten, als ob er ein Gruppe-Rennen gewonnen hätte und erntete den Applaus der Besucher auf den Tribünen.
Wer hätte das gedacht? Letztes Jahr im Ausgleich IV Sechster und nun Sieger des Lehndorff-Rennens in Baden-Baden. Was ein kleiner Kämpfer. SENSATIONELL! Ich muss zugeben, dass ich Freudentränen in den Augen hatte.
Nun standen wir zum fünften Mal in Folge auf dem Treppchen in Iffezheim, Rekord, glaube ich. Danach marschierten wir wieder zum Siegersekt, nun zum sechsten Mal, wenn man den Sekt für das Besitzer-Championat im Herbst mitrechnet. Nun war die nächste Uhr auch wieder in greifbarer Nähe.

29. Mai 2005 Besitzerchampionat Frühjahrs Meeting 2005
Letztes Jahr hatten wir noch gesagt, dass der Gewinn des Besitzer-Championats für einen kleinen Besitzer wie uns so etwas von unmöglich ist, dass wir das in tausend Jahren nicht mehr erleben werden. Ich muss sagen, dass die schnell herumgegangen sind die tausend Jahre. 'Ab und zu' konnte "nur" den vierten Platz belegen: GCRM - Stall Steintor 36:31. Dieses Mal begrüßte uns, sichtlich vergnügt, Klaus Göntzsche mit den Worten "Ist denn der Galopp-Club Rhein-Main schon da?" und erklärte dem verbliebenen Publikum, dass sie Zeuge einer außergewöhnlichen Leistung geworden sind. Da kommt ein kleiner Galopp-Club daher und schnappt mit nur zwei Pferden den großen Ställen das Besitzer-Championat vor der Nase weg. Und - er gewinnt fünf Rennen in Folge.
Wir nahmen die Uhr entgegen, standen da wie Menschen, die die Welt nicht mehr verstehen, und waren einfach nur stolz.

Epilog Frühjahrsmeeting
Am Dienstag rief mich Michael Hähn von der Sportwelt an und führte ein Interview mit mir, das am Freitag in der Sportwelt mit Bild von Tanko und mir erschien. Das Bild von mir hätte nicht sein müssen, ich habe ja nicht gewonnen. Aber es ist schon erstaunlich, dass wir als kleiner Besitzer erst zweimal das Championat gewinnen müssen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Hätte ein großes Gestüt oder ein berühmter Besitzer einmal gewonnen, die Presse hätte sich überschlagen. Aber besser spät als nie, und ich möchte Michael Hähn für diesen schönen Bericht danken.
Aber ganz besonders möchte ich an dieser Stelle unseren Pferden Sambucan Daze und Tanko danken, denn sie sind die Meeting-Champions, nicht wir. Ebenso den Jockeys Hana Mouchova, Andreas Helfenbein und Norman Richter, die durch ihre Glanzritte ihren erheblichen Teil dazu beigetragen haben. Und vor allem unserer Stallmannschaft und unserem Trainer für die perfekte Vorbereitung.

8. Juni 2005 Preis von Eintracht Frankfurt Agl. III, Frankfurt
Diejenigen, die die Rennen unserer Pferde von Anfang an verfolgt haben, werden sich denken, dieses Rennen hatten wir doch schon mal. Ja, genau. Letztes Jahr gewann Tanko dieses Rennen mit Andreas Göritz im Sattel, ebenfalls beim Vereine-Renntag in Frankfurt-Niederrad. Doch dieses Mal war es nicht Tanko (der hätte wohl gewichtsmäßig auch Probleme bekommen), sondern New Inspiration, die an den Start kam. Aber auch sie musste mit dem höchsten Handicap in dieses Rennen gehen, da sie ja eigentlich mit ihren 73,5 Kilo GAG eher in einen Ausgleich II passt.
Nach ihrem letzten Start im Listenrennen hatte man bei ihr eine Erkältung diagnostiziert, was ihr Quartier dazu bewogen hatte, sie erst mal nur mäßig zu trainieren und nicht in einem Rennen laufen zu lassen. Nun, nach auskurierter Krankheit, sollte sie wieder in einer leichten Aufgabe starten.
Das Rennen lässt sich relativ kurz zusammenfassen. Gut gelaufen, ein kurzer Moment auf der Zielgeraden und aufgrund eines Konditionsdefizits sechstes Pferd von dreizehn. Nicht schlecht.
Also in diesem Fall nichts von wegen Titelverteidigung, aber dennoch zufriedene Gesichter bei den Mitbesitzern.

18. Juni 2005 BMW Autohaus Timmermanns Preis Agl. II, Düsseldorf
Nach dem "guten" Laufen in Frankfurt sollte New Inspiration wieder in ihren eigentlichen Sphären an den Start gehen, im Ausgleich II über 1400 Meter auf dem Düsseldorfer Grafenberg. Ich konnte an diesem Tag nicht vor ort sein, da am gleichen Tag eine "kleine" Feier (ca. 200 Gäste) auf dem Gestüt Etzean stattfand. Bei dieser Gelegenheit habe ich natürlich auch Perima und Pirina besucht und ein paar Fotos geschossen. Das Rennen verfolgte ich mit noch anderen Mitbesitzern im Kredelschen Wohnzimmer. Hana Mouchova war für New Inspiration gebucht worden, 10 Pferde sollten laufen.
Das Rennen ist in Kürze erzählt: Im hinteren Teil des Feldes eingereiht, guter Ansatz beim Erreichen der Geraden, zweimal festgefahren - Ergebnis: 7. Platz. Gut gelaufen, aber leider kein Geld.
Leider ereilte uns in dieser Woche eine sehr, sehr traurige Nachricht: Peter Tarnow, Mitbesitzer von New Inspiration, ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag überraschend und vollkommen unerwartet verstorben. Unsere große Familie, der Galopp-Club Rhein-Main, hat mit Peter einen überaus netten und lebensfrohen Freund verloren, den wir schmerzlich vermissen werden.

19. Juni 2005 KIK-Stefan Heinig-Rennen Preis Agl. II, Dortmund
Wenn ein Pferd drei Rennen in Folge gewinnt, dann kann man von einem Seriensieger sprechen. Wenn es sich dabei um einen Ausgleich III und einen Ausgleich II in Baden-Baden und einen Ausgleich II in Dortmund handelt, dann kann man behaupten, ein gutes Rennpferd im Stall zu haben. So einen, der gezeigt hat, dass er so etwas kann, haben wir im Stall ... gewusst habe ich das aber schon viel länger.
Mit Dortmund hat unser Trainer nun eine Bahn ausgesucht, die unserem Pferd (braucht Bahnen mit Linie) wohl entgegen kommen musste.
Nach der Feier auf Etzean, hatte ich mich am Sonntag direkt von dort aus auf den Weg nach Dortmund gemacht. Die Fahrt dahin hatte ich genossen, war es doch an diesem Tag über 30 Grad heiß und das Dach meines Z3's längst im Fond verstaut worden. Allerdings hätte ich vorher über den Gebrauch von Sonnencreme nachdenken sollen, wenn ich mich heute so betrachte: Rot ist gar kein Ausdruck.
In Dortmund angekommen, wunderte ich mich zunächst mal über die fast menschenleere Bahn. Ich hatte schon Angst, dass sie die Veranstaltung abgebrochen hatten. Dann sah ich aber Menschen in den Kassenhäuschen sitzen und auch einige Zuschauer am Führring. Viel los war nicht, und das obwohl an diesem Tag der "Große Preis der Wirtschaft" ausgetragen wurde. Dann erinnerte ich mich auch wieder an unseren ersten und einzigen Auftritt in Dortmund mit Tankos einzigem Sandbahnstart, wo er abgeschlagen Letzter wurde, und ich an diesem Tag einen vereiterten Backenzahn bekam. Ok, am Sonntag hatte ich keine Zahnprobleme, also positive Vorzeichen.
Neben mir hatten sich noch vier weitere Mitbesitzer auf den Weg nach Dortmund gemacht, und ich muss sagen, wir bekamen für unsere Mühe etwas geboten. Norman ritt Sambucan Daze, zum letzten Mal hatte er ihn am 19. September des letzten Jahres geritten. Aus der Startbox heraus reihten sich die beiden an zweiter Stelle hinter dem bis zu 12 Längen davoneilenden Banyu Hill ein. Kurz vor der Zielgeraden, die in Dortmund 600 Meter misst, stellte Sambucan Daze (mit Norman) Banyu Hill und begann nun sein Feuerwerk abzubrennen. 600 Meter ist eine lange Distanz, um ins Rollen zu kommen, und Sambucan Daze rollte allen anderen Pferden auf und davon. Selbst der Angriff der haushohen Favoritin Incita verpuffte im Nichts. Zweihundert Meter vor dem Ziel riss ich die Arme hoch, das war's - drin das Ding. Leicht mit drei Längen. SENSATIONELL!
Als Ehrenpreis erhielten wir eine wunderschöne Bronzefigur, die ein galoppierendes Pferd mit Jockey darstellt. Ich reckte das Ding gen Himmel, und ich hoffe ihr wisst, wem das gegolten hat ... Peter, der war für dich!
Nur noch ein Wort: Ende des letzten Jahres habe ich einem anderen Mitbesitzer gesagt, dass ich glaube, dass wir so ein Pferd wie Sambucan Daze nicht noch mal bekommen werden und dass ich ihm ein GAG von 80 Kilo zutraue. Ich glaube, ich werde recht behalten.

Noch etwas Statistik
Mit dem Sieg von Sambucan Daze und den damit verbundenen 5.000 Euro Siegprämie haben wir im übrigen unser gesetztes Saisonziel erreicht und die 100.000 Euro Gesamtgewinnsummen-Marke geknackt. Norman Richter hat bereits seinen 8. Treffer für uns gelandet und war damit für über 50.000 Euro Gewinnsumme verantwortlich. Insgesamt stehen für unseren Club nun 17 Siege bei 68 Starts zu Buche. Alle Schnellrechner haben sicher sofort erkannt, dass wir jeden vierten Start in einen Sieg umwandeln konnten. Unser Gewinnschnitt pro Rennen beträgt im Moment 1.493 Euro, und wir konnten mehr als 55 Prozent unserer Starts auf den Plätzen 1 - 4 beenden.
Ach so. Wir haben in diesem Jahr bereits wieder mehr Geld verdient, als in den ersten beiden Jahren des Clubs zusammen und sind nur noch 5.970 Euro von der Marke des letzten Jahres entfernt.
Alle unsere Pferde haben Starts im Ausgleich II absolviert, zwei von ihnen konnten bereits zweimal einen solchen gewinnen. Kein Pferd hat derzeit ein GAG kleiner 70 Kilo.

Ein unvergessliches Wochenende
Ich weiß, dass ich mich wiederhole, wenn ich immer wieder davon anfange, was wir im letzten Jahr gesagt haben und was nicht mehr getoppt werden kann, aber ich muss auch dieses Mal so anfangen, wenn ich von diesem einen Wochenende berichte. Zunächst einmal gab es wieder mal eine Premiere ... zwei Premieren sogar: Mit TANKO startete das erste Galopp-Club Rhein-Main Pferd im Ausland, nachdem Perimas Start in Mailand im Jahr 2003 ja wegen ihrer Verletzung nicht stattfand, und zum ersten Mal starteten drei verschiedene Pferde des GCRM an einem Wochenende an drei verschiedenen Orten. Tanko startete, wie gesagt, im Ausland und zwar in Vichy in einem Altersgewichtsrennen über 1600 Meter. Als Reiter war kein Geringerer als Dominique Boeuf gewählt worden. SAMBUCAN DAZE kam einen Tag zuvor in Köln in einem Ausgleich II über 1850 Meter an den Ablauf, der Reiter war hier Norman Richter. Und schließlich kam noch unsere Stute NEW INSPIRATION am gleichen Tag wie Tanko, nur auf ihrer Heimatbahn in Frankfurt im Ausgleich II über 1600 Meter, an den Start, der Reiter hier war Karoly Kerekes. Karoly war im August 2003 schon einmal für einen Ritt auf unserer Stute Perima in München verpflichtet worden.
Drei Starts allein und der Auslandsstart sind aber noch nicht der Grund, warum man dieses Wochenende als außergewöhnlich bezeichnen kann, aber hier alles in chronologischer Reihenfolge.

16. Juli 2005 minimal Cup Ausgleich II, Köln
Die schwierigste Frage, die man sich für dieses Wochenende als Mitbesitzer von allen drei Startern stellen musste, war, an welchem Rennort man denn gerne sein wollte. Ich wäre natürlich liebend gerne mit nach Frankreich gefahren, konnte aber nicht, weil ich am Montag mal wieder an den Genfer See zum Arbeiten reisen musste, also war klar, dass ich nach Köln fahren und natürlich in Frankfurt dabei sein würde. Immerhin konnte man Tankos Start ja beim Buchmacher verfolgen.
Also machten wir uns um 10.30 Uhr auf den Weg nach Köln, etwas früher als sonst, da dieser Renntag in Köln der minimal-Renntag war, früher bekannt als Stüssgen-Renntag. Das bedeutete Parkplatzprobleme, da der Besitzerparkplatz einer großen Showbühne und einem Rummelplatz weichen musste. Für alle Nicht-Kölner zur Erklärung: Die Firma minimal verteilt Einladungen an ihre Kunden zum Familiennachmittag mit Showprogramm und kostenlosen oder sehr billigen Produkten, die unter die Menschen gebracht werden sollten. Rund 50.000 Besucher wurden erwartet, ich schätze mal, dass ungefähr die Hälfte davon auch wirklich da war, allerdings nicht zum Pferderennen, sondern eher zur Schnäppchenjagd.
Als wir auf der Bahn ankamen, schleppten schon hunderte von Menschen ihre erbeuteten Schnäppchen zurück zum Auto, auf der Bahn dann überall laute Kirmesmusik und auf der nicht einsehbaren Showbühne trällerte ein mir unbekannter Künstler. Definitives Highlight im übrigen am späten Abend: Dschungelcamp-Bewohner Costa Cordalis. Was man nicht so alles für Geld macht.
Auf der Bahn trafen wir dann auch unsere Freunde und Mitbesitzer. Wie gewohnt erst mal ein kühles Gaffel-Kölsch und dann ein bisschen Pferderennen gucken. Sambucan Daze startete im Hauptrennen, die geplante Winterfavoriten-Revanche fand aufgrund einer geradezu lächerlichen Zahl genannter Pferde nicht statt. Nach seiner Siegesserie in Baden-Baden und in Dortmund trat er hier unter Höchstgewicht an, sein GAG betrug nun 77 Kilo. Er traf hier auf seinen schärfsten Konkurrenten aus dem Preis der Caracalla Therme Classic Gold. Eine Chance zur Revanche also für den Schützling von Wilhelm Giedt. Im Gegensatz zum damaligen Aufeinandertreffen stand Sambucan Daze nun 3,5 Kilo ungünstiger im Handicap, damals hatte Sambucan Daze ihn um dreiviertel Längen geschlagen. Nach dieser Niederlage hatte Classic Gold noch einen Ausgleich III in Baden-Baden, das letzte Rennen des Frühjahrsmeetings gewonnen (Der Stall Frieden und Trainer Giedt genossen gerade ihren Siegersekt, als wir unser zweites Besitzerchampionat feierten) sowie im Ausgleich II einen Sieg und einen zweiten Platz erzielt. Ach ja, außerdem hatte der Stall Frieden ja den Preis des Galopp-Club Rhein-Main gewonnen, allerdings mit einem anderen Pferd. Als weitere Konkurrenten konnten Kabellero und Waleska, die als Favoritin an den Ablauf ging, angesehen werden.
Unser Pferd präsentierte sich im Führring in hervorragender Form, aber unter Höchstgewicht ein Handicap zu gewinnen, dazu gehört mehr als nur eine glänzende Figur. Aus der Box kam Sambucan Daze wieder hervorragend heraus, das Tempo des Rennens war wieder mal sehr moderat und so beorderte ihn Norman Richter an die Spitze des Feldes, die er auch bis in die Zielgerade hinein verteidigte. Ungefähr 300 Meter vor dem Ziel dann die Räuber, die gemeinten Pferde. Classic Gold und Waleska konnten vorbeiziehen und auch Kabellero kämpfte sich an ihm vorbei. Mit seinem unglaublichen Kämpferherz kämpfte sich Sambucan Daze wieder vorbei an Kabellero, aber mehr war nicht drin. Der D-Zug mit Classic Gold und Waleska hatte sich mit 2 Längen abgesetzt. Dennoch eine sensationelle Leistung unseres Pferdes, die immerhin noch 900 Euro auf unser Konto spülte.
Unser Jockey meinte beim Zurückkommen von der Bahn, dass er mit anderen Gewichtsverhältnissen und mit mehr Tempo im Rennen wohl allererste Chancen gehabt hätte.

Tour de France
Eine kleine Reisegruppe bestehend aus unserem Trainer, Philipp und Christian hatte sich am Samstag auf den Weg in die französische Kurstadt Vichy gemacht, um unseren Tanko beim ersten Auslandsstart eines GCRM-Pferdes zu begleiten. Schon am Vortag waren wir via Mobiltelefon über die Fahrt, das Hotel, die Bahn und über den Zustand unseres Pferdes immer auf dem laufenden gehalten worden. Die Bahn präsentierte sich in einem hervorragendem Zustand, das kostenlose Hotel sei sehr gut (inkl. einer kostenlosen Ausgabe der Paristurf auf dem Zimmer), die Gastronomie gut und das wichtigste, unser Pferd war wohlbehalten angekommen, etwas müde, aber in einer schönen kühlen Box untergebracht, was angesichts einer Außentemperatur von 40 °C auch dringend empfehlenswert war. Mitten in der Nacht bekam ich dann noch eine SMS zugesandt: „Unser Trainer und Tanko schlafen schon, wir kämpfen noch.“ Aha.
„Warum Frankreich?“ werden sich vielleicht jetzt einige Leser fragen. Nun, der Ausgleich I in Hoppegarten war ja wegen finanzieller Probleme des Veranstalters ausgefallen und Tankos nächstes Ziel sollte ja der Ausgleich I in Frankfurt sein, nur dazwischen musste noch ein Start her. Es gab nur kein passendes Rennen über die Distanz. Mein Dank geht hier an Christian, der dieses Rennen im Internet auf der Seite www.france-galop.com entdeckt hatte, 29.000 Euro Preisgeld waren nicht zu verachten.
Die französischen Veranstalter sollten noch erwähnt werden. Neben den dreihundert Euro Transportkostenzuschuss gab es noch kostenlose Hotelzimmer für Trainer, Christian und Philipp.

17. Juli 2005 Prix Yves Parenti, Vichy
Um 15.45 Uhr öffneten sich pünktlich die Boxen in Vichy. Schon eine viertel Stunde zuvor hatten sich ca. 30 Tanko-Anhänger im Quotenhaus eingefunden, um ihn aus der Ferne anzufeuern. Kurz vor dem Rennen wurden auf dem französischen Sender Equidia die Pferde vor der Startmaschine kreisend gezeigt. Tanko machte eine tolle Figur.
Das Rennen ging ab, und oje, es gab kein Tempo und Dominique Boeuf beorderte Tanko an die Spitze. Ok, das konnte nicht gut gehen, schoss es mir durch den Kopf, doch den Rennverlauf hätte ich mir noch nicht mal in den kühnsten Träumen so vorgestellt. Eingangs der Zielgeraden lässt D. Boeuf Tanko abspringen. Im Quotenhaus wird es lauter. Die, die nicht wussten, was da gerade passierte, warfen uns fragende Blicke zu. Immer weiter geht es in Richtung Ziel, Tanko ist vorne, und je näher er dem Ziel kommt umso lauter wird es beim Buchmacher. Der Lärmpegel einer startenden 747 war nichts gegen den im Quotenhaus. „TAAAAAANNNNNNKOOOOOOO!!!!!!“ Fast, ja fast, hätte es gereicht. Tanko wird auf der Linie von Highest Ridge und Secret De Famille abgefangen. Dritter Platz und 4.350 Euro. Wahnsinn. Waaaahnsinn!
Als wir aus dem Quotenhaus strömten, hörten wir gerade noch die Durchsage von Pan Krischbin über Tankos dritten Platz, der fast in Frankreich gewonnen hätte. Ich war gerührt (Danke Volker).

17. Juli 2005 Keno-Cup Ausgleich II, Frankfurt
Was sollte an diesem Wochenende noch passieren. Zwei dritte Plätze an einem Wochenende und über 5.000 Euro Preisgeld, was will man mehr. Ok, nicht jeder Mitbesitzer ist an jedem Pferd beteiligt, und New Inspirations Gewinnsumme betrug bis zu diesem Zeitpunkt noch 0 Euro in 2005. Gründe dafür gab es viele, und ich muss zugeben, dass ich mir zu diesem Zeitpunkt schon mehr von ihr erhofft hatte. Doch leider absolvierte sie ihre ersten Jahresstarts nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte und in den darauffolgenden Rennen war der Rennverlauf am Nichterreichen von besseren Platzierungen Schuld gewesen.
Zu diesem Rennen gab es auch noch eine kleine Vorgeschichte: Andreas Helfenbein sollte zunächst für die Stute verpflichtet werden und hatte den Ritt eigentlich auch schon zugesagt, als er uns wissen ließ, dass er einen Ritt für Erika Mäder wahrnehmen musste. Hana Mouchova hatte ebenfalls schon einen anderen Ritt angenommen, so wurde von unserem Trainer Karoly Kerekes verpflichtet. Der machte auf der Stute alles richtig. In einem schnellen Rennen versteckte er sie so gut es ging im Mittelfeld, bis zur Zielgeraden, wo er sie unaufhaltsam durch die Pferde schießen ließ. New Inspiration marschierte einem ungefährdeten Sieg entgegen und sicherte uns eine Gewinnsumme von 5.000 Euro und zeigte allen, dass mit ihr nach diesem unglücklichen Saisonstart wieder zu rechnen ist.
Unsere Freude war natürlich grenzenlos. Wir nahmen unsere Ehrenpreise entgegen und ich durfte auf dem Siegerpodest sogar noch ein Interview geben.
Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg in die Schweiz. Am Flughafen sicherte ich mir eine FAZ, wo im Regionalsport ein toller Bericht über uns zu finden war. In der Schweiz kaufte ich mir noch die Ergebnisausgabe der Paristurf und staunte über den ausführlichen Bericht über Tankos Rennen. In Montreux trank ich am Donnerstagabend noch einen Sambuca, auf wen wohl ...
Für Sambucan Daze heißt es jetzt auch „Auf nach Frankreich“. In Chantilly wird er am 28. Juli über 2000 Meter an den Start gehen. Tanko wird im besagten Ausgleich I in Frankfurt starten und New Inspiration in München im Ausgleich II.

28. Juli 2005 PRIX DE L'HEMICYCLE, Chantilly
Nach Tankos Erfolg in Vichy war es eigentlich nur logisch, dass wir auch mit Sambucan Daze irgendwann mal einen solchen Ausflug nach Frankreich wagen würden. Das „Irgendwann mal“ wurde dann schon zwei Wochen nach Tankos drittem Platz in Vichy realisiert. Sambucan Daze hatte eine Nennung für ein Rennen in Chantilly erhalten. Die Rennausschreibung hatte fast den gleichen Text wie Tankos Rennen in Vichy, doch leider Gottes locken solche Altersgewichtsrennen auch ab und zu die richtigen Cracks an, und wenn es sich dabei auch noch um den zweiten des französischen Derbys aus dem Vorjahr und den vermeintlichen Arc-Favoriten für 2005 – Prospect Park – handelte, dann wusste man schon, dass die ganze Geschichte nicht ganz so einfach werden würde. „Aber heut gewinne ma ...“
Am ganz frühen Morgen des 28. Juli 2005 trafen sich drei noch ziemlich müde Gestalten (Attila, Christian und ich) und ein schon aufgeweckter Jockey (Norman Richter) auf der Niederräder Rennbahn, um die gemeinsame Fahrt nach Chantilly anzutreten. Wir hatten 5 Uhr als Zeitpunkt ausgemacht, damit wir ja rechtzeitig auf der Bahn eintreffen würden. Rechtzeitig hieß in diesem Fall eine Stunde vor dem ersten Rennen, weil wir unser Pferd noch als Starter deklarieren mussten (ist in Frankreich so üblich), vergisst man das, oder ist man zu spät gilt das Pferd automatisch als Nichtstarter. Na ja, das ganze hätte natürlich auch Pamela, die mit Sambucan Daze gereist war, für uns erledigen können, doch leider lag der Pferdepass nach dem letzten Renntag noch im Sekretariat des Kölner Rennclubs. Die Damen hatten sich da wohl nach dem letzten Rennen schnell aus dem Staub gemacht, um den restlichen Abend schmachtend vor der Bühne zu verbringen, wo der Dschungel-Barde Costa Cordalis seine Liederchen trällerte. Als Pamela dort den Pferdepass abholen wollte, war schon alles zu. Also musste ihn Norman mit nach Frankfurt bringen und unsere Aufgabe war es nun, rechtzeitig in Frankreich (also um ca. 13 Uhr) anzukommen.
Die Routenplanung im Internet hatte mir eine reine Fahrzeit von 6 Stunden errechnet, kalkuliert man noch eine Stunde Pause mit ein, hätten wir rein rechnerisch um 12:00 Uhr auf der Bahn sein müssen, eine Stunde Puffer. Was meine Routenplanung allerdings nicht miteingerechnet hatte, war der Faktor Christian hinter dem Steuer. Wir waren trotz zweier Pausen schon um 11:30 Uhr auf der Rennbahn. Kein einziger Stau, keine Baustelle, kein Unfall. Allerdings gab es einen Zwischenfall, der mit dem Spruch „Ohlala Madame“ begann und mit „Klasse Braun, klasse“ endete, doch dazu später.
Unser erster Stop war nach knapp einer Minute Fahrzeit an der ARAL Tankstelle bei der Niederräder Rennbahn. Christian war auf der Suche nach einer gelben Leuchtweste, deren Mitführung seit kurzem in Frankreich Pflicht ist. Norman wollte auch eine haben und orderte bei Christian eine mit der Größe S. Die hatten aber gar keine im Angebot, so dass wir beschlossen kurz vor der französischen Grenze eine zu kaufen. Da gab’s bestimmt so was. Nach knapp einer Stunde kamen wir da an und tatsächlich gab es da die reflektierenden Schutzwesten, allerdings nicht wie von Norman erhofft in verschiedenen Konfektionsgrößen, sondern nur einheitlich für Menschen von 164 cm bis 194 cm. Na, die gehen halt nicht davon aus, dass Eltern ihre Kinder zum Reparieren ihrer havarierten Autos an den Straßenrand stellen. Norman nahm von einem Kauf Abstand.
Nun zum Faktor Christian, hinter der Grenze versuchte er zumindest 20 Prozent der Zeit die Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht zu ignorieren, den Rest der Zeit waren wir doch recht flott unterwegs. Ab und zu bremste er dann mal ganz abrupt vor einigen Brücken ab, da er dort potentielle Verstecke für Radarfallen wähnte. Außerdem muss man in Frankreich sowieso alle 20 km anhalten, um die fällige Mautgebühr (peage) zu entrichten.
Bei Verdun dann der Frühstücksstop. Eigentlich machen es einem die Franzosen ja leicht: Überall hingen Bilder der angebotenen Speisen und man brauchte eigentlich nur mit dem Finger drauf zu deuten, wenn man sich für das entsprechende Essen entschieden hatte. Dumm nur, dass der mitreisende Jockey Rühreier statt Spiegeleier wollte, und die partout nicht zur Auswahl standen. Oeuvre für Eier wusste ich noch, aber Rühreier?? Da biss die Maus keinen Faden ab, trotz wilder Gesten, die die Herstellung von Rühreiern darstellen sollten, da gab es keine Rühreier. Also gab’s für unseren Jockey halt Spiegeleier mit Würstchen und Speck. In der Raststätte gab es doch tatsächlich auch die Paristurf, allerdings für den darauf folgenden Tag.
Frisch gestärkt und mit einem vollen Tank ging es weiter flott gen Paris. Bis zu oben schon angedeutetem Vorfall: An einer Mautstelle war Christian scheinbar so beeindruckt von der Mautkassiererin, dass er sich zu dem Ausruf „Olala Madame“ hinreißen ließ, ihr das Geld in die Hand drückte und ohne auf die Schranke zu achten, ob die nun schon auf war oder nicht, einfach weiterfuhr. Olala war wiederum so von Christian beeindruckt, dass sie vergaß die Schranke zu öffnen. Unser Wagen rollte unaufhörlich weiter, mit der Motorhaube unter der Schranke hindurch, wo nun auch Christian erkannte, dass er nun Bremsen musste. Unsere Vorderräder berührten die Alarm-Kontaktschwelle im Boden und plötzlich gingen die Sirenen rund um uns herum los. Ich wartete eigentlich nur noch auf die Polizisten mit Maschinenpistolen im Anschlag.
Olala im Kassenhäuschen geriet in Panik und suchte ihrerseits verzweifelt nach dem richtigen Knöpfchen um a) den Alarm auszuschalten und b) die Schranke aufzumachen, aber nichts passierte. Von der Rückbank brachte Norman den trockenen Kommentar „Klasse Braun, klasse!“, aber in dem Moment hatte Olala wohl den Knopf gefunden, und wir konnten weiterfahren.
Wie schon erwähnt kamen wir um 11:30 Uhr in Chantilly an und besuchten zusammen mit Pamela erst mal unser Pferd, der in einer sehr schönen Gastbox untergebracht war, allerdings auf mich schon einen leicht müden Eindruck machte. Außerdem war es dort verflixt heiß und vor allem schwül, so dass ich schon nach kurzer Zeit aussah, als ob ich einen Langstreckenlauf hinter mir hätte (bei meiner Kondition ist eine Langstrecke alles was weiter als 50 m ist und von mir in leichtem Trab absolviert wird, nur um keine falschen Vorstellungen zu wecken). Nachdem wir uns kurz auf der Bahn umgesehen hatten und unsere Karten in Empfang genommen hatten, machten wir uns noch mal kurz auf den Weg in die Innenstadt von Chantilly. Dort gab es bestimmt eine Paristurf und außerdem was zum Mittagessen.
In der Stadtmitte entdeckten wir einen PMU-Laden, auf den wir zusteuerten, um dort eine Paristurf zu erwerben. Wieder kein Glück, die verkauften keine Zeitungen. Der Inhaber versuchte uns aber klarzumachen, dass es am place du marché einen Zeitungsladen gibt. Ok, also auf zum Marktplatz. Nach ein paar Metern erblickt Attila Landsleute vor einem türkischen Restaurant, was ihn dazu veranlasst die Typen quer über die ganze Straße anzuquatschen und auf türkisch nach dem nächsten Zeitungsladen zu fragen. Die zwei guckten so, als ob sie gleich mit dem Messer auf uns zurennen würden, gaben aber bereitwillig Antwort und zeigten in die Richtung, in die wir gingen. Wenn wir schon kein Französisch konnten, dann hatten wir wenigstens jemanden dabei, der der heimlichen Weltsprache Nummer 1 mächtig war – Türkisch. Hat ihm später auf der Rennbahn aber auch nicht viel genutzt.
Im Zeitungsladen gab es natürlich auch wieder nur eine Zeitung für den nächsten Tag, aber die nette Verkäuferin hatte noch welche im Keller, die sie uns verkaufte. Danach gingen wir uns erst mal stärken und unser armer Norman wurde wieder Opfer der Speisekarte. Ein vermeintlicher grüner Salat mit Wurststreifen entpuppte sich als Wurstsalat mit Gurkenstücken.
Dann ging es wieder zur Bahn, die Zeit wurde auch langsam knapp für die declaration. Ich malte mir gerade aus, wie das wohl ist, wenn wir zu spät kommen, unser Pferd nicht starten durfte und die ganze Fahrerei umsonst war. Auf dem Besitzerparkplatz angekommen, wechselten Attila und Christian erst mal ihr Outfit: Von legére zu très chic. Sehr zu Normans und meiner Belustigung, parkte doch gerade, als Attila in Unterhose und Christian mit freiem Oberkörper da standen, ein älteres Ehepaar neben uns, die entgeistert aus dem Auto schauten. Norman entdeckte zwischenzeitlich die Sicherheitsweste im Kofferraum und zog die an. Würde sich als Rennfarbe der städtischen Müllabfuhr sicher gut machen. Das Bild ist in der Bildergalerie.
Ich schnappte mir den Pferdepass und ging mal so langsam Richtung Bahn. Da war aber nach wie vor alles wie tot. Christian, der mich zwischenzeitlich eingeholt hatte, nahm den Pass an sich und machte die declaration und brachte den Pass dem Veterinär. Dann suchten wir uns einen Platz im Rennbahnrestaurant, das schön klimatisiert war und studierten die Speisekarte und die Paristurf. Sambucan Daze wurde unter chances régulières eingestuft. Bei den Pressetipps wurde er von 8 von 22 Zeitungen genannt. Tanko hatte wohl Eindruck hinterlassen. Auch bei der Formkurve der diesjährigen Starts und dem Erfolgskoeffizienten (wie auch immer der sich errechnet) lag unser Pferd vorne. Aber bevor ich jetzt die weiteren Erlebnisse des Tages niederschreibe, möchte ich zunächst auf die anderen Pferde in diesem Rennen eingehen: Allen voran ist dabei Prospect Park zu nennen. Dieser Sadler’s Wells-Sohn war im vergangen Jahr zweiter im französischen Derby eben auf dieser Bahn geworden. Zuvor hatte er noch einen zweiten Platz in einem Gruppe II-Rennen belegt, vor einem gewissen Cherry Mix, der später Zweiter im Prix de L’Arc de Tromphe geworden war. Nach einem Sieg in einem Gruppe III-Rennens in Longchamp steuerte auch Prospect Park den Arc an, wurde zeitweilig sogar als Favorit gehandelt, verletzte sich aber im Rennen und musste knapp ein dreiviertel Jahr pausieren. Den Arc beendete er als Sechzehnter. Für den diesjährigen Arc besitzt er wieder eine Nennung und gilt als heißer Favorit. Mit ihm in diesem Rennen, in der ersten Farbe der Familie Wertheimer, Yorik sein ewiger Pacemaker. Die meinten es also ernst.
Dabei auch eine Stute namens Ometsz, auch eine ständige Starterin in Gruppe I-Rennen. Unter anderem startete sie im letzten Jahr in den E.P. Taylor Stakes in Canada. Ein weiterer Starter war Vassilievsky, der in einem seiner vorangegangen Starts als Dreijähriger einen gewissen Blue Canari hinter sich gelassen hatte, der dann Derbysieger des Jahres 2004 in Frankreich, allerdings dann nur 12. im Arc wurde. Unser Pferd befand sich also in bester Gesellschaft.
Wir begannen unseren Tag also im vollklimatisierten Restaurant und verfolgten die Rennen auf der Bahn. Viel los war nicht, ich schätzte knapp 300 Besucher. In Deutschland würde man ob eines solch miserablen Zuschauerzuspruchs wohl die Insolvenzfahne hissen. Trotzdem wurde an diesem Tag durch Außenwetten mehr als doppelt soviel Umsatz gemacht, wie an einem Sonntagsrenntag mit Grupperennen in Deutschland. In Frankreich gibt’s halt keine Buchmacher, dafür an jeder Ecke mindestens einen PMU-Laden und das im kleinsten Dorf.
Atillas Kenntnisse der schon eben angesprochenen Weltsprache Nummer 1 halfen ihm allerdings beim Wetten nicht so sehr viel weiter. In Frankreich gibt es halt nur Ansagekassen und so etwas kompliziertes wie eine Dreierwette mit zwei Stellpferden und 5 dazukombinierten für 50 Cent auf Französisch anzusagen überstieg unser aller Kompetenz. Ich fand dann schließlich einen Wettautomaten, den man einfach mit Geldscheinen fütterte und dann die entsprechenden Buttons für Sieg, Platz und Kombiwetten drücken musste. Die Computersprache ist halt überall gleich.
Was Sammy von dem ganzen Frankreich-Ausflug hielt, zeigte er uns dann im Rennen, in dem der Pacemaker Yorik eine Höllenfahrt hinlegte. Sammy sprang schlecht ab und hatte an dem Tag nicht die Power, um ein besseres Ergebnis als einen 13 Platz herauszuholen. Gewonnen hat , wie nicht anders zu erwarten, Prospect Park, und zwar hochüberlegen. Als ich ihn im Führring sah, hätte ich keinen Pfifferling auf ihn gesetzt, so geschwitzt hat der schon vorher. Na ja, sollte der Bursche den Arc gewinnen, waren wir zumindest im gleichen Rennen wie er.
Die Rückfahrt wurde dann für unseren Jockey Norman noch etwas zur Odyssee: „Ich brauch’ jetzt ein Bier“ klang es von der Rückbank, kurz nachdem wir Chantilly verlassen hatten. Also steuerten wir die erste Tankstelle hinter Paris an. Die hatten da auch Bier, doch sie haben es ihm nicht verkauft. Bier gibt es in Frankreich nur, wenn man es auch in der Tankstelle trinkt und außerdem an der richtigen Kasse bezahlt. Also ließ er sich eine andere Dose aufschwätzen, die sich dann als eine Art Radler herausstellte. Also an die nächste Tankstelle, um dann auch zu tanken. Hier machte unser Jockey, nachdem er stolz einen Eistee (???) erstanden hatte, Bekanntschaft mit dem durch Regen rutschig geworden Untergrund und der mangelnden Bodenhaftung seiner Schuhe und semmelte sich auf den Parkplatz, als er etwas zu dynamisch Christians Benz umrundete. Schließlich, an der dritten Raststätte, endlich der Erfolg: Das richtige Essen und ein Bier.
Um ungefähr Mitternacht trafen wir auf der Frankfurter Bahn ein. Norman machte sich noch auf den Weg nach Köln, damit er am nächsten Tag wieder um fünf Uhr in der Arbeit reiten konnte. Ach so, ein Jockey erhält in Frankreich nur 12 Euro pro Ritt und davon gehen noch 7 an den Jockeydiener. Hat sich wirklich nicht gelohnt für Norman, aber wir haben trotzdem viel zusammen gelacht.

30. Juli 2005 Fraport AG Pokal Agl. I, Frankfurt
Schon zwei Wochen nach seinem sehr guten dritten Platz in Vichy, hieß es für Tanko auch schon wieder "Boxen auf". Dieses Rennen beendete Tanko auf Platz 9. Bei Erreichen der Geraden sah es noch kurz so aus, als ob er dieses Rennen gewinnen konnte, doch scheinbar forderte die kurze Startfolge und die an diesem Tag schlechtere innere Spur der Frankfurter Bahn ihren Tribut.
Gewonnen hat dieses Rennen ein gewisser Fairy Ecstasy. Richtig, dessen Besitzer hatten wir letztes Jahr auf unserer Fahrt nach Hamburg kennengelernt.

31. Juli 2005 Preis des Dallmayr Delikatessenhauses Agl. II, München
Auch unserer Stute machte die wohl etwas zu kurz geratene Startfolge zu schaffen. Sie erzielte immerhin das beste Ergebnis aller drei Pferde an diesem verlängerten Wochenende, Platz fünf. Wir waren natürlich mit dabei und hatten am Sonntagmorgen die dreieinhalb Stunden Fahrt im ICE auf uns genommen. Inklusive unseres Fanclubs natürlich, der sich an diesem Tag über den Gewinn zweier wunderschöner Kaffeedosen aus dem Hause Dallmayr erfreuen durfte.
Ich spürte an diesem Abend, meine kurze Startfolge der letzten drei Tage und verschlief den größten Teil der Heimfahrt. Für unsere Pferde geht es wohl in Baden-Baden weiter. Mal sehen, vielleicht gewinnen wir ja wieder eine Uhr ...

Der ganze Rest des Jahres
Es gab schon lange keine Ergänzungen zu diesem Saisonbericht. Na ja, über Erfolge lassen sich halt einfacher zu Papier bringen. Aber auch der ganze Rest des Jahres verdient es doch aufgeschrieben zu werden, zumal er noch einige Überraschungen für uns parat hatte.
Der letzte Sieg in einem Rennen sollte, wie schon geschildert, unserer Stute New Inspiration am 17. Juli vorbehalten sein. Danach lief bei allen unseren Pferden nicht mehr viel zusammen.
Tanko kam noch dreimal an den Start. Am 2. September gingen für ihn die Boxen im Schwarzwald-Cup, einem Ausgleich I über 1600 Meter in Baden-Baden auf. Diesen beendete er als 6. von 11 Pferden, wahrlich kein schlechtes Ergebnis. Schon am 18. September ging es für ihn zum zweiten Mal ins Ausland, dieses Mal gen Osten - nach Prag. Wahrscheinlich war diese Startfolge zu kurz für ihn, denn er konnte, obwohl er mit vielen guten Hoffnungen an den Ablauf kam, keine Akzente setzen und belegte unter Marc Timpelan den letzten Platz. Bei seinem letzten Start in diesem Jahr war er wohl schon über den Berg und erreichte in Frankfurt im Ausgleich II nur den vorletzten Platz und musste sich dabei seinem Stallgefährten Sambucan Daze, der Achter wurde geschlagen geben.
Immerhin endete das Jahr für Tanko doch noch glücklich. Die Sportredaktion der Frankfurter Allgemeinen stellte Tanko zur Wahl des Frankfurter Galopper des Jahres auf. Richard Becker kam eines Abends im Paragon auf mich zu und sagte zu mir "In diesem Jahr ist er aufgestellt." Ein augenzwinkender Hinweis auf die mindestens 30 Wahlzettel, die ich im Vorjahr mit der Aufschrift "TANKO IST DER BESTE!" versehen hatte. Ehrensache also, dass wir alles darangesetzt haben, um diese Wahl auch zu gewinnen: Mitglieder, Freunde, Arbeitskollegen, Mitarbeiter und wer sonst noch so alles Wahlzettel für unseren Tanko ausfüllen musste, halfen, damit unserem Tanko ein Sieg zuteil wurde, wie er ihn auf der Rennbahn noch nicht erreicht hat ... mit Weile. Von insgesamt 1397 abgegebenen Stimmen entfielen 848 Stimmen auf Tanko, 477 auf Diable aus dem Hesse-Stall und 72 auf Do It aus dem Quartier von Dave Richardson. Meine Mittagspause habe ich geopfert, um an der Preisverleihung teilzunehmen, die Tanko sichtlich irritierte, da er sich um seine Mittagsration Hafer betrogen fühlte. Die hat er dann aber noch bekommen, keine Angst.
Sambucan Daze kam noch fünfmal an den Ablauf, doch auch er zollte den harten Rennen im Sommer Tribut und konnte erst zum Schluss der Saison wieder eine ansteigende Formkurve aufweisen. Das beste Rennen dürfte er dabei am 22. Oktober beim Sales&Racing-Festival in Baden-Baden gezeigt haben. Ich konnte das Rennen leider nicht live verfolgen, da ich mich zu dieser Zeit in Australien aufhielt. Bei nachträglicher Betrachtung des Videos, konnte ich aber gut erkennen, dass er auf der Zielgeraden noch mal mächtig auftrumpfte aber für die letzten 200 Meter nicht mehr genug Energie im Tank hatte. Auch sein Rennen in Frankfurt war besser als das Ergebnis aussagt. Findet er zu alter Form zurück (und alles deutet darauf hin, so wie er sich im Stall gebärdet), dann dürften auch in der nächsten Saison wieder Siege und Platzierungen drin sein.
New Inspiration konnte nicht mehr an ihre Glanzleistung vom Juli anknüpfen. Auf ihrer Habenseite steht nur ein Sieg in diesem Jahr zu Buche. Sie war vom Pech verfolgt, zunächst eine Kolik am Anfang des Jahres und dann eine Verschleimung während der Stutenmeile. Leider hat sie das immer wieder im Training zurückgeworfen und auch ihre Rennverläufe waren zumeist alles andere als glücklich. Sie absolvierte noch 5 weitere Starts, von denen sie einen in Baden-Baden und zwei in Frankfurt jeweils im Mittelfeld abschließen konnte. Der sechste Platz am letzten Frankfurter Renntag lässt hoffen.
Auch ein neues Pferd haben wir im Stall. Ich lag gerade in meinem Hotelbett in Sydney und träumte süß, als mich mein Handy aus dem Schlaf riss. Oje, wenn um die Uhrzeit jemand anruft, dann ist es wichtig, da war etwas Schlimmes passiert. "Wo ist das Handy, sch***, wo ist das Licht, autsch. Mist." Natürlich hatte das Klingeln aufgehört, als ich endlich das Handy hatte. "Hmm, keine Rufnummer." Nach ein paar Minuten, ich war gerade wieder am einschlafen, klingelte es wieder. Christian war dran. Er erzählte mir, dass sein Bruder und ein paar andere wohl auf der Auktion waren und für 8000 Euro Fairfax ersteigert hatten, und er sollte mich fragen, ob ich mich daran beteiligen wollte. "Pferd, Euro, was, wo?" Bitte, es war mitten in der Nacht, wie soll man da einen klaren Gedanken fassen. Meine Antwort lautete erst mal nein. Fairfax startete mit Andrasch Starke im Sattel am 23. Oktober dann zum ersten Mal in unseren Farben und wurde Fünfter und verdiente 500 Euro.
Bewusst wahrgenommen hatte ich Fairfax zum ersten Mal während der Großen Woche in Baden. Faxi (so sein Rufname) war das Putz- oder Pflegepferd von Ollos neuer Freundin Simone aus Hannover. Die Braun'schen Brüder hatten damals mächtig Geld auf ihn angelegt. Mir war die Sache eher suspekt, da dieses Pferd schon im Frühjahrsmeeting und während der Hamburger Derbywoche jeweils einen Ausgleich IV gewonnen hatte, irgendwann musste der doch mal erfasst sein. Pustekuchen, unter Höchstgewicht gewann der auch noch während der Großen Woche und zahlte gutes Geld. Hätte ich mal auf Ollo gehört. Nun gehörte er (Fairfax) also dem Club.
Nach den drei Wochen Australien wieder zurück in Deutschland ließ ich mich dann doch noch breitschlagen, und bin nun auch noch an Fairfax, allerdings nur mit einem halben Anteil, beteiligt. Mit Fairfax kamen auch neue Mitglieder in den Club, die bisher an noch keinem Pferd beteiligt waren. Neulinge also. Besonders zu erwähnen sei auch, dass unser Fanclub an Fairfax beteiligt ist. Das nenne ich mal erfolgreiche Nachwuchsarbeit.
Fairfax startete dann in 2005 noch einmal in unseren Farben auf seiner Heimatbahn, allerdings wohl über eine zu weite Distanz (1600 Meter) und wurde vorletzter. Allerdings lag er bis zum Erreichen der Zielgeraden noch in aussichtsreicher Position.
Ach ja, was war da noch mit dem falsch ausgefüllten Wettschein? Trainer Johannsmann hat offenbar Frankfurt für sich entdeckt und war bei den letzten Renntag immer mit Pferden am Start und selber auch vor ort. Das gemeinsame Bier ist seit Hamburg 2004 Tradition und so endeten auch die Frankfurter Renntage am Henninger-Bierstand auf der Bahn, der allerletzte allerdings im warmen Paragon. Bei einem dieser Treffen versuchte der Autor dieser Zeilen im letzten Rennen noch einen Wettschein auszufüllen und mit der Überzeugung das richtige Pferd auf dem Schein zu haben, finishte er es auch bis ins Ziel und wähnte sich schon um hunderte Euro reicher. War leider nichts, ab 2 Promille werden die Zahlen und die Kästchen auf dem Schein verflucht unklar. Jaja, wer den Schaden hat ...

Epilog
Ein überaus erfolgreiches Jahr ist nun zuende. Dass nach dem letzten Jahr noch eine Steigerung drin sein konnte, hatte wohl niemand so wirklich geglaubt. Aber sie war drin: Besitzerchampionat zum Zweiten, 5 Baden-Siege in Folge, 3 Auslandsstarts, Rekordgewinnsumme und, und, und ... Wenn ich die erlebten Eindrücke noch mal zurückspulen könnte, das wäre wunderschön. So, habe ich zum zigsten Mal die Jahres-DVD angeschaut und noch mal alle Rennen bis zum letzten Galoppsprung mitgefinisht.
Das Jahr klang, wie immer, mit einer Saisonabschlussfeier aus. Auch in diesem Jahr versteigerten wir unsere Championatsuhr, dieses Mal an Enno Reepen. Unsere Pferde stehen im Stall und geniesen die Winterruhe, auch wenn einige schon wieder der Hafer sticht. Am 19. März geht es Frankfurt vielleicht wieder los.
Auf Etzean ist Pirina zu einer wahren Schönheit herangewachsen und ist dann ab dem 1. Januar auch kein Fohlen mehr, sondern ein Jährling. Perimas Bauch ist kugelrund, und im Januar erwartet sie ihr Fohlen von Ransom O'War.


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