Galopp-Club Rhein-Main


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2004

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9. März 2004 - Prolog
Unsere Galopper starten bald wieder: Beide Pferde des Galopp-Clubs sind für Rennen am 21. März in Frankfurt genannt. Tanko wird in einem Ausgleich III über 1500 Meter, Sambucan Daze wird, zum ersten Mal in unseren Farben, in einem Rennen für 4-jährige und ältere sieglose Pferde über 2000 Meter an den Start gehen. Bei ihm ist natürlich die Spannung umso größer, da ihn niemand von uns bisher im Renneinsatz live gesehen hat.
Heute konnte auf Frankfurter Rennbahn zum ersten Mal in diesem Jahr auf Gras trainiert werden. Ich hatte mich daher entschlossen, meinen Tag auf der Rennbahn zu beginnen und hatte mich im Büro für später angekündigt. Beim ersten Blick aus dem Fenster vermutete ich jedoch, dass aus dem Grastraining heute wohl nichts werden würde, da es in der Nacht geschneit hatte. Ich bin trotzdem auf die Rennbahn gefahren, da ich die Zeit nutzen wollte, Tanko und Sammy im Stall zu besuchen und kurz im Rennbüro vorbeizuschauen.
Beim Blick auf die Grasbahn jedoch Erleichterung - Hufspuren. Da hatte einer trotz Schnee trainiert. Nachdem ich Philipp (Riethmüller) und Andreas (Haase) kurz bei der Vorbereitung der Pressekonferenz, die heute im Renn-Klub stattfand, gestört hatte, erwischte ich gerade noch unseren Trainer auf dem Weg zur Tribüne. "Sie kommen gerade richtig, er geht gerade auf die Bahn." Ich ging mal davon aus, dass er Sambucan Daze meinte. Ich versuchte, seinem schnellen Schritt Richtung Tribüne zu folgen und dabei auf dem eher glatten Untergrund nicht auszurutschen. Auf der Tribüne angekommen, zischte das Lot auch zum ersten Mal an uns vorbei. Sambucan Daze ging an zweiter Stelle. Mit dabei Filia Uno und Atakama. Naja, das ist wohl erst mal seine Klasse - Sieglose.
Beim zweiten Einbiegen auf die Gerade ging es dann etwas zur Sache. Sah ganz gut aus, wobei ich mich jetzt nicht hinreißen lassen werde, das erste Grastraining zu beurteilen. Ich halte es mal mit einer weiteren Aussage unseres Trainers "Laufen kann er, wir wissen nur noch nicht wie schnell ...". Auf jeden Fall bewegte er sich besser auf dem Untergrund als ich. Kujath-Lots waren im übrigen die einzigen auf der Grasbahn.
Tanko habe ich dann noch im Stall besucht. Er fand es gar nicht lustig, dass ich keine Möhren dabei hatte, und hat stattdessen meine Finger gefressen. Der Bursche sieht bereits blendend aus, er hat auch den ganzen Winter über keinen Fellwechsel gehabt und glänzt wie eine Speckschwarte.
So, nun noch eine erfreuliche Nachricht: Die ehemalige Galopp-Club Stute Perima ist tragend von Dashing Blade. Hat gleich alles beim ersten Mal geklappt, sie ist also auch in der Zucht eine ganz schnelle.

21. März 2004 - Doppelstart in Frankfurt
Den letzten Renntag in Frankfurt, an dem zwei Galopp-Club Pferde an den Start gingen, wird wohl keiner so schnell vergessen, der live dabei war. Er endete mit einem Doppelsieg von Tanko und Perima und mit vielen angeheiterten Besitzern, an einem Traumtag mit viel Sonnenschein. Sonnenschein gab es diesmal auch zeitweise, leider keinen Doppelsieg, aber eine sehr gute Platzierung und eine Leistung, die auf mehr hoffen lässt, und wieder einmal Menschen, die selbst einen dritten Platz wie einen Sieg feiern können.
Tanko startete in einem Ausgleich III über 1500 Meter, im gleichen Rennen, dass auch im letzten Jahr zum Saisonauftakt gewählt wurde, das wie im letzten Jahr unter dem Patronat des Autohauses v.Natzmer stand. Meine Gedanken drehten sich um die Frage, ob Tanko seine Operation bereits hundertprozentig weggesteckt hatte und ob seine Probleme aus dem letzten Jahr bereits vollständig ausgestanden waren. Er hatte und scheinbar waren sie auch. Tanko erwischte unter Kirstin Hutcheson einen sehr guten Start und lag immer im Mittelfeld. Beim Schluss-Spurt konnte er gut mithalten und landete schließlich auf einem zufriedenstellenden sechsten Platz.
äEtwas nervöser war ich dann schon vor dem Debüt von Sambucan Daze für den Club. Wenn man selber für den Kauf mitverantwortlich ist, dann ist die Frage "kann der Kerl überhaupt laufen" und "hoffentlich wird es keine Blamage" schon im Hinterkopf. Ich hatte ihn in der Woche vorher zum zweiten Mal beim Training auf Gras gesehen, und da hatte er mir eigentlich schon besser gefallen, als beim ersten Mal. In seinem Umfeld machte allerdings keiner so ein wirklich optimistisches Gesicht ... oje.
Beim Satteln fiel mir auf, dass er seine rechte Hinterhand ziemlich steif auf den Boden setzte. Ansonsten machte er eigentlich einen ziemlich abgebrühten Eindruck, etwas guckig vielleicht. Ich war gespannt, ob das gut geht. Zur Sicherheit hatte ich ja eine Flasche Sambuca und Kaffeebohnen dabei. Falls wir schlecht abgeschnitten hätten, hätte ich die Mitbesitzer wenigstens mit einem Trostschnaps abfüllen können. Aber insgeheim hatte ich mir schon ausgerechnet, dass es bei ihm zu mehr reicht. Gewettet hätte ich ihn aber trotzdem nicht, das bringt Unglück.
Norman Richter war als Jockey gebucht worden, sicherlich wieder die beste Wahl. In der Woche zuvor hatte er das ersten Listenrennen der Saison in Köln auf Grantley gewonnen. Zur Erinnerung: Sambucan Daze stand vorher im gleichen Trainingsquartier, wie Grantley, bevor dieser vor ein paar Jahren in den Besitz von Oliver Lenk und in den Stall von Heinz Hesse wechselte. Mit der Hilfe von Oliver haben wir auch Sambucan Daze gekauft. Er hat sich auch später um noch ausstehende Papiere gekümmert. Danke noch mal auch an dieser Stelle.
ßUnser Rennen begann mit einem Fehlstart, und die Spannung wurde unerträglich. Ich hatte einem Mitbesitzer versprochen, dass ich das Rennen per Telefon übermittele, aber als es dann endlich zum regulären Start kam, habe ich die ganze Renndauer fast kein Wort herausbekommen. Sambucan Daze reihte sich zunächst an sechster, siebter Stelle ins Feld ein. Im Forsthausbogen wurde schon das erste Dilemma sichtbar: Er ist zu groß für die Frankfurter Bahn und driftete etwas nach außen. Im Zielbogen ließ ihn Norman in äußerer Spur galoppieren, wo er ein wenig Boden gut machen konnte. Das weit auseinandergezogene Feld wurde von Silaine in den Einlauf geführt, Danse Avec Moi an zweiter Position, von Sambucan Daze noch nichts zu sehen. Mein Herz rutscht mir in die Hose. Na gut, dann eben doch Frusttrinken danach ...
... doch plötzlich schießen drei Pferde auf der äußeren Spur nach vorne: Asamoah, hinter ihm Rockaro und an dritter Stelle SAMBUCAN DAZE. "Jaaaa, geeehhh Sammy, geh!" Oh, ich hatte ja einen Mithörer am Telefon. "Wahnsinn, dritter Platz. Ich ruf' gleich wieder an." Habe ich natürlich vergessen, was mir später einen Anschnauzer einbrachte. Also gut, raus mit der Flasche und den dritten Platz begossen.
Der Tag endete schließlich feucht fröhlich im Rennbahn Restaurant mit mehreren Runden Kölsch und heimlich vor der Tür konsumierten Sambuca. Wenn das Pferd schon Sambuca Rausch heißt, dann muss man selbigen auch nach einem dritten Platz haben. Und hoffentlich haben wir in diesem Jahr noch oft Grund zum Feiern.
Noch drei Randbemerkungen: 1. Das war der siebte Start der Perima/Sambucan Daze Besitzergemeinschaft und dabei waren wir sechsmal im Geld. 2. Frage nie eine thailändische Bedienung nach einem Pferdenamen mit P, wenn Du nicht willst, dass Dein Pferd dann "Piiihn Paaang" oder so ähnlich heißen soll. (und) 3. Bestelle nie extra-scharfes thailändische Essen.
Tanko ist jetzt für zwei Rennen am nächsten Wochenende genannt, entweder Mannheim oder Düsseldorf. Mannheim am Sonntag wäre mir persönlich lieber, da ich in der kommenden Woche in Australien bin und erst am Sonntagmorgen zurückkomme.

04. April 2004 - Preis des Badischen Genossenschaftverbandes - Ausgleich III, Mannheim
Am Tag vorher war ich noch in Sydney gewesen und hatte mir in der Business Lounge des Flughafens Rennen im Rahmen des Golden Slipper Renntages angesehen. Dort hatte LONHRO ein mit 400.000 AUS$ dotiertes Gruppe-I-Rennen über 1500 m überlegen gewonnen. LONHRO ist ein Sohn des berühmten Octagonal, der im Rahmenprogramm ebenfalls im Führring präsentiert wurde, und sich später auch mal kurz auf der Bahn austoben konnte. Insgesamt standen dort 4 Gruppe I, 2 Gruppe II und drei Listenrennen mit einer Gesamtdotierung von 6,3 Mio. AUS$ auf dem Programm (der australische Dollar ist im Moment 64 Eurocent wert).
Erstaunlich ist auch, dass ein Renntag dort im Fernsehen gezeigt wird, man an jeder Ecke Zeitungen über den Rennsport kaufen kann und ich mir (naja, das ist weniger erstaunlich) in einem stinknormalen Buchladen ein neues Buch und eine DVD für meine Sammlung über den Rennsport kaufen konnte. Da hat der Rennsport einen höheren Stellenwert als hier.
Der Flug nach Frankfurt hatte mir aber auch zuschaffen gemacht, aber ich wollte am Nachmittag in Mannheim unbedingt dabei sein. Allerdings hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass mir meine Beine nicht gehören und ich auf Wolken schwebe. Mit Australien kann Mannheim nicht mithalten, aber ich muss sagen, die Bahn hat Charme. Das war so ein richtig schöner (Provinz-)renntag. Es hat mich so ein wenig an die Buschrennen im Film Seabiscuit erinnert, es hat nur noch gefehlt, dass sich die Reiter während den Rennen gegenseitig mit den Peitschen eins überziehen.
Tanko war für das Hauptrennen des Tages, einen Ausgleich III über 1400 m und mit 4500 Euro dotiert, genannt. Vor dem Rennen gab es sogar eine Parade vor den Tribünen, die Tanko allerdings gar nicht so toll fand.
Im Rennen ging es gleich richtig zur Sache: Tanko wurde in der ersten Kurve (die Bahn ist so kurz, dass ein 1400 m-Rennen sogar zweimal am Ziel vorbei geht) in die Hecke an der Innenseite gedrückt und verlor mächtig Boden. Dabei hatten Kirstin Hutcheson und Tanko noch Glück, dass sie nicht zu Fall kamen. Kirstin hatte bereits im vorherigen Rennen mehr als Dusel gehabt, als ihr Sattel auf Atakama nach vorne auf den Pferdehals rutschte.
Im Schluss-Spurt konnte sich Tanko noch auf den vierten Platz vorarbeiten. Sicher hatten wir uns mehr ausgemalt, aber angesichts des Ausfluges in die Hecke bei Renntempo, war das Ergebnis doch gar nicht so schlecht.

12. April 2004 - Krokus-Rennen, Köln
Schon zum dritten Mal war die Ex-Perima/Sambucan Daze-Besitzergemeinschaft in Köln am Start. Beim Betreten der Bahn spulte ich die Erfolge von Perima vor meinem geistigen Auge ab: Zweiter Platz im Ausgleich II und Dritte im Gruppe III-Rennen. Mit Sammy diesmal nur ein Sieglosenrennen, eine andere Klasse halt, aber nicht minder aufregend.
Ich glaube, dass es bei jedem Pferdebesitzer irgendwann mal den Punkt gibt, an dem er erkennt, dass sein Pferd etwas taugt oder nicht, wenn er nicht gänzlich mit Blindheit oder Unverstand gesegnet ist (der Besitzer, nicht das Pferd). Bei Perima ist mir das im Training aufgegangen, dass sie etwas konnte. An einem Dienstagmorgen sah ich, wie sie auf der Frankfurter Bahn zwei Konkurrenten aus ihrem Trainingslot quasi unangefasst stehen ließ und auskanterte. Bei Sammy war ich mir bisher nicht so ganz sicher. Ich habe ihn zweimal im Training gesehen, einmal sah das ... naja aus, bei zweiten Mal war ich mir schon etwas sicherer. Sein erstes Rennen in Frankfurt war ganz ok, aber seit gestern bin ich überzeugt, dass wir mit ihm noch sehr viel Spaß haben werden.
Der Antrittschnellste ist er nicht. Aus der Startbox heraus reihte er sich am Ende des Feldes ein. Vielleicht lag das aber auch daran, dass er ewig lange in der Startbox stehen musste, da zunächst die 5-jährige Stute Aarbergen Pascal-Jonathan Werning ins Gras setzte und vom Start verwiesen werden musste. Dann weigerten sich Nirphania unter Lennart Hammer-Hansen und Tacinja unter Frau Toth (netter Name) die Box zu betreten. Nach gutem Zureden und Schieben gelang dies dann letztendlich doch, und das Feld konnte auf die Reise gehen.
Im Bogen musste Peter Heugl Sambucan Daze kurz aufnehmen, woraufhin sie auf den letzten Platz zurückfielen, das Tempo aber weiterhin mitgehen konnten. Auf der Geraden beorderte Peter Heugl Sammy auf die äußere Spur und machte ihn schnell. Mit einem guten Speed reichte es noch für Platz 4, knapp 2,5 Längen hinter der Siegerin Nirphania.
Einen vierten Platz feiert man nicht ganz so wie einen dritten Platz im Grupperennen, aber auch den feiern wir. Für die Ex-Perima/Sambucan Daze-Besitzergemeinschaft war das das siebte Geld beim achten Start, und außerdem das dritte Preisgeld in Folge für den Galopp-Club im Jahr 2004. Bei den Preisgeldern haben wir mit Tankos viertem Platz in Mannheim die 30.000 Euro-Grenze geknackt. Bei 32 Starts waren Galopp-Club-Pferde sechszehn Mal im Geld, eine Ausbeute von 50%.


24. April 2004 - Besuch bei Perima
Zwei interessante Wochen hinsichtlich des Rennsports stehen für Steffi und mich gerade an. In dieser Woche brechen wir in die USA auf, um am 30. April die Kentucky Oaks und am 1. Mai das Kentucky Derby zu besuchen. Daneben habe ich noch Gestütsbesichtigungen auf den Farmen Overbrook, Claiborne und Three Chimneys organisiert. Dort werden wir u.a. die Deckhengste Storm Cat und Danzig zu sehen bekommen.
Am meisten gespannt bin ich jedoch auf das Derby und die Oaks. In den Oaks startet eine Stute - Madcap Escapade, die über die Sprintdistanzen ihre Gegner beherrscht, wie keine andere. "A tremendous machine ..." hat sie ein Rennbahnsprecher während einer Live-Reportage genannt. Das letzte Pferd, das diesen Titel bekam, war Secretariat, und das ist ja schon ein paar Jahre her.
Bei den amerikanischen Derby-Kandidaten zeichnet sich noch kein wirklicher Favorit ab, ich werde mein Geld aber auf Lion Heart setzen. Der hat in der letzten Woche die 1.000 Meter in weniger als 59 Sekunden gearbeitet, im Training wohlgemerkt.
Beide Madcap Escapade und Lion Heart haben ihre Rennen bisher von vorne gewonnen, d.h. Start-Ziel. Ich mag die amerikanische Art Rennen zu laufen lieber als die deutsche oder europäische. Da geht es von Anfang an volles Rohr zur Sache, da wird nicht erst groß gebummelt und taktiert.
Begonnen haben wir diese beiden Wochen jedoch in heimischen Gefilden, zunächst auf dem Gestüt Etzean. Es wurde langsam mal Zeit Perima zu besuchen, seit November hatten wir sie nicht mehr gesehen. Perima steht auf einer Koppel etwas abseits des Gestüts mit anderen Etzeaner Stuten , u.a. mit Monbijou (Mutter von Meridiana) und Prairie Princess, der eindeutigen Herrscherin der Weide, zusammen. Eine kleine Freundin hat Perima auch gefunden: Finora, auch seit letztem Jahr im Gestüt und auch gruppeplatziert (3. im Henkel-Rennen 2003). Der weicht sie nicht von der Seite.
Herr Kredel jun. begleitete uns zur Koppel und hielt zunächst einmal Prairie Princess auf Distanz, damit wir (Steffis Eltern, Ines, Steffi und ich) Perima und Finora mit den mitgebrachten Äpfeln und Möhren vollstopfen konnten. PP zeigte uns durch angelegte Ohren, was sie davon hielt. Nachdem Herr Kredel sie wieder freigab, kassierte Perima einen Tritt in die Flanke. Sie hatte es nicht geschafft, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Hier herrschen rohe Sitten, aber so ist das nun einmal. Perima und Finora sind neu hier und werden von den etablierten Stuten in der Herde noch nicht akzeptiert und müssen sich in der Rangfolge mit einem der unteren Plätze begnügen.
Als wir die Koppel verlassen, haben sich Perima und Finora wieder ausreichend Sicherheitsabstand zu den anderen Stuten verschafft. Gut zu wissen, dass sie eine Kameradin gefunden hat und nicht alleine ist. Die von früher fast täglich gewohnten Besuche mit Äpfeln und Möhren fehlen ihr wohl nicht, ich hatte zumindest nicht das Gefühl, dass sie sich noch an uns erinnert hat.
Nach Perima haben wir noch ihren ersten Partner Dashing Blade besucht. Der hat jetzt eine neue Dauerpartnerin: Night Woman, die auch von ihm tragend ist. Wonderful Lady, seine Ex, wurde von Sholokhov gedeckt.

25. April 2004 - Metzler Corporate Finance-Rennen Ausgleich IV, Frankfurt
Gleich am nächsten Tag hatte Tanko wieder einen Auftritt, diesmal über 1200 Meter, aber im Ausgleich IV. Der Ausgleich IV war mit GAG +2 kg angegeben, was mir etwas Kopfzerbrechen bereitete. Zwar war für Tanko wieder Kirstin Hutcheson gebucht worden (3 kg Erlaubnis), Tanko hatte aber immer noch das zweithöchste Gewicht zu tragen. Das Höchstgewicht in diesem Rennen hatte Flame One mit 67,5 kg, das niedrigste Saba mit 52,5.
Einen Sieg rechnete ich mir aufgrund der Gewichtsverhältnisse schon gar nicht aus, aber was waren da für Pferde in dem Rennen genannt, die steckt man doch in die linke Hosentasche, also eine Platzierung musste drin sein. Es wurde wieder so ein Katastrophentag ...
Es begann damit, dass ich in einem mit einem Jackpot in der Dreierwette behafteten Ausgleich II eben diese spielte. Ich stellte die haushohe Favoritin Mysterix auf 1 und zwei und kombinierte Romalus, Lawerenz, Flying Wings und Globuli dazu. Letztere nur Gerüchten zufolge ein brandheißer Tipp. Hmm, eigentlich hatte ich ja noch Morganda aus dem Kujath-Stall auf der Rechnung, aber wenn hier schon jeder herumerzählt, dass Globuli das gemeinte Pferd ist, muss halt eins weg. Na gut, dann eben Morganda. Ich brauche nicht explizit zu erwähnen, dass Morganda hinter Mysterix und Flying Wings Dritte wurde, und auch nicht, dass die Dreierwette über 35.000 für 10 zahlte. Aaaaaaaaaargh.
Die restlichen Wetten verliefen auch wieder so mehr oder weniger im Sande. Ich will noch erwähnen, dass ich im 10. Rennen noch die Vollkombi des Platzzwillings getroffen habe. Hätte ich da stattdessen die Dreierwette gespielt, ...
Na, und dann noch das Tanko-Rennen. Natürlich wenig Geld auf Platz, wie immer. Er wurde nur Sechster. Von dem Rennen habe ich auch gar nicht viel mitgekriegt und konnte jetzt auch nicht sagen, woran das gelegen hat. Gefragt worden bin ich danach von einer Mitbesitzerin, was ich den von diesem schlechten Auftreten halte. Danach sagte noch einer, Tanko galoppiere schlecht. er kriegt jetzt noch eine Chance, dann wird er verkauft.
Zu allem Überfluss brach sich Flame One auch noch das Bein und musste eingeschläfert werden. Das hat mich schon ein wenig traurig gestimmt, war sie doch eines der Pferde, die ich noch von einem meiner ersten Rennbahnbesuche in Frankfurt in Erinnerung hatte.
Zuhause habe ich mir das Rennen noch mal auf Video angeschaut, da war auch die Erklärung für Tankos schlechtes Abschneiden. Nach dem Start, eingangs des Schlussbogen gab es einige kräftige Rempeleien, in die er verwickelt war. Nur gut, dass er noch auf allen vier Beinen aus der Kurve kam. Auf jeden Fall lag er in aussichtsloser Position und hatte wohl am Ende auch keinen Bock mehr zu laufen. Ich kann's verstehen.
Jetzt hat er auf jeden Fall wieder ein paar Kilo weniger und kann vielleicht beim nächsten Start wieder punkten.
Ich freue mich auf jeden Fall jetzt erst einmal auf eine Woche USA, mit richtig geilen Pferderennen und dem teuersten Deckhengst der Welt ... Storm Cat. Ach ja, und am 8. Mai könnte Sambucan Daze in Krefeld starten.

2. Mai 2004 - Fuchs-Pokal - Preis der Fuchs Petrolub AG Ausgleich III, Mannheim
Da ist man mal im Urlaub und schon verpasst man den zweiten Platz von Tanko in Mannheim. Ich habe es allerdings schon in den USA erfahren - aus dem Internet. Als wir wieder zurück waren, habe ich mir das Rennen gleich auf Video angeschaut. Das war eine tolle Leistung von Tanko und seiner Reiterin Kirstin Hutcheson. Schön aus dem Vordertreffen geritten und nichts anbrennen lassen, auch wenn es auf den Plätzen etwas knapp wurde. Gewonnen hat Chandos Place mit Carolin Lippert. Etwas schade, dass in Mannheim niemand von Tankos Besitzern dabei war.
Dafür dürfte Tanko beim nächsten Start genügend Anfeuerung bekommen. Er startet am 12. Mai in Frankfurt im Rahmen des Vereine Renntages. Es ist eine Aktion geplant, dass jeder Zuschauer, der in einem Eintracht-Trikot, Schal oder mit einer Mütze gekleidet erscheint, freien Eintritt erhält. Außerdem müssen die Eintracht-Fans dann alle Tanko anfeuern, da er ja quasi in den Vereinsfarben startet ... und den Adler trägt.

12. Mai 2004 - Preis von Eintracht Frankfurt Ausgleich III, Frankfurt
"Manche tragen den Adler nicht nur auf der Brust, sondern auch in der Brust." - Frankfurter Allgemeine (13.05.2004). Das trifft wohl auf unseren Tanko zu. Super hat er wieder gekämpft. Von Anfang an war er immer vorne dabei, und als es in der Kurve etwas eng wurde, kämpfte er sich durch die engste Lücke. Auf der Geraden flog er auf und davon und hatte im Ziel einen sicheren Vorsprung. Kleines Pferd - großes Herz.
Ja, richtig bezeichnend war es, dass das Rennen ausgerechnet unter dem Patronat von Eintracht Frankfurt stand. Vielleicht haben die Verantwortlichen ihren Spielern von diesem braven Pferd erzählt, denn am Wochenende danach kämpften auch sie und gewannen verdient 3:2 gegen den VfL Bochum. Diesen Kampfgeist hatten sie im letzten Spiel doch arg vermissen lassen. Vielleicht passiert ja am letzten Spieltag wieder ein Wunder, und die Eintracht verbleibt in Liga 1.
Bei Tanko ist dieser Erfolg wohl weniger auf ein Wunder eher auf das gute Management und die gute Vorbereitung zurückzuführen. In seinen bisherigen Jahresstarts, in denen leider nicht immer alles glatt verlief, konnte er scheinbar genügend Selbstvertrauen und Kondition tanken, um dieses Rennen am letzten Mittwoch zu gewinnen. Nach dem Rennen machte er auf mich auch irgendwie einen zufriedenen Eindruck ("wenn Pferde überhaupt zufrieden gucken können"). Andreas Göritz war natürlich auch wieder ein Siegfaktor, und der grinste auch sehr zufrieden, als er mit Tanko von der Bahn zurückkam. Bei drei von Tankos vier Siegen war er jeweils der Reiter gewesen. Zum ersten Mal ritt er Tanko am 3. Oktober 2002 und wurde gleich Zweiter mit ihm. Der zweite Ritt am 17. November 2002 endete mit einem Sieg im Ausgleich III. Am Handwerker Renntag 2003 dann Sieg Nummer 2 und nun Nummer 3. Betrachtet man nur die Siege, ist es wohl ein Hattrick.
Tanko hat seine Gewinnsumme für den Club bereits auf 20.150 Euro hochgeschraubt und kam bei 27 Starts für den Club auf 4 Siege, 3 zweite, einen dritten und 3 vierte Plätze. Dabei hätte nach dem letzten Jahr wohl kaum jemand mehr einen Pfifferling auf ihn gegeben, es war sogar schon von einem Verkauf die Rede. Es liegt wohl daran, dass die meisten Menschen sehr schnell sehr ungeduldig werden, wenn der Erfolg länger ausbleibt. Man braucht keinen Pferdeverstand sondern muss einfach mal in den Spiegel schauen. Auch wir sind nicht immer perfekt, auch wir haben Pechsträhnen oder Zeiten wo es nicht so läuft, wie es laufen soll. Nur gut, dass uns nicht jeder gleich rauswirft, wenn wir unsere Leistung an der Arbeit nicht immer zu 100 Prozent abrufen. Das Entscheidende ist, das man nicht aufgibt, sondern weiterkämpft, Herz und Mut beweist, und dass andere an einen glauben.
Am Dienstag war mein Glaube an Tanko besonders groß, und ich setzte auch mal ordentlich Geld auf ihn, was ich sonst eigentlich nicht mache. 57:10 zahlte die Sieg- und 20:10 die Platzwette. Angefeuert haben wir ihn auch kräftig. Ein Arbeitskollege, der gerade beim Golfen war, meinte zu mir, dass er noch nie so einen Krach auf der Bahn gehört hatte. Ein anderer Arbeitskollege, der mit mir auf der Bahn war, profitierte ebenfalls von Tankos Erfolg.
Besonders (aus der Sicht eines bekennenden Eintracht Fans, wie ich es nun mal bin) war diese Konstellation natürlich schon. Da gewinnt der "Frankfurter Bub" den Preis von Eintracht Frankfurt. Zwei unserer Mitglieder sind Ex-Profis der Eintracht. Unsere Rennfarben sind schwarz, weiß, rot und das Dress ziert ein Adler. Als Ehrenpreise erhielt der Stall eine Abschwitzdecke mit dem Eintracht-Wappen und wir bekamen ein Trikot mit der Unterschrift aller Profis. Diese Umstände brachten uns am nächsten Tag auch eine große Presse, doch auch schon am Abend zuvor war Tanko die Schlagzeile im HR Videotext. Am nächsten Tag titelten die Frankfurter Zeitungen:
Frankfurter Rundschau - "Erfolgreiches Heimspiel"
Frankfurter Allgemeine - "Der Adler verleiht Tanko Flügel. Ein Wallach zeigt es den Profis."
Bild Zeitung - "Bruchhagen setzt aufs falsche Eintracht-Pferd"
Und selbst in der Sportwelt war ein schönes großes Foto von Tanko zu finden.
Abend saßen wir noch im Rennklub-Büro und sahen uns noch das Video von Tankos zweitem Platz in Baden-Baden 2002 an und ließen das damalige Finish noch mal in allen Einzelheiten Revue passieren. Nach Baden geht Tanko in diesem Jahr wohl nicht, vielleicht wird der restliche Südwesten jetzt erklärtes Ziel für seine Starts.
Der nächste Starter für den Club dürfte wohl Sambucan Daze sein, er ist für ein Sieglosen Rennen am 25. Mai in Baden-Baden genannt, sein Reiter wird wohl auch Andreas Göritz sein, der zwei Kilo Erlaubnis mitbringt, und Sambucan Daze so nur 58 anstatt 60 Kilo tragen muss. Er wurde in Krefeld gestrichen, da der Boden dort wohl zu tief für ihn gewesen sein dürfte.

25. Mai 2004 - Preis von Hoerdt, Baden-Baden
Frühjahrsmeeting in Baden, wieder mit einem Galopp-Club Rhein-Main Pferd am Start. Im letzten Jahr waren alle drei Starts von Tanko ein Debakel gewesen, Perima war im Herbstmeeting zum einzigen Mal außerhalb der Geldränge gewesen. Ich war mir jedoch noch nie so sicher gewesen, dass wir diesmal mit Sambucan Daze eine Platzierung erreichen. Doch dann die erste Schreckensmeldung, das Pferd hat am ganzen Körper Pusteln. Ist es bloß eine Allergie oder beginnendes Nesselfieber? Aus dem Stall kommt grünes Licht, wir sollen starten, dennoch, es bleibt ein mulmiges Gefühl.
Auf der Bahn angekommen, die nächste Hiobsbotschaft: Die Eintracht-Decke ist nicht dabei! Wie soll das denn was geben? Und dann kreuzt noch ein Typ mit einem Mainz 05-Trikot unseren Weg. Eine schwarze Katze hätte kein schlechteres Omen sein können. Der Pferdevermittler, der Manager und der 1. Vorsitzende steuern zunächst das Bierzelt und dann den Sektstand an, vor dem Rennen natürlich. Mut antrinken. Bei so vielen negativen Vorzeichen hilft nur eins - Vollnarkose.
Am Abend vorher war ich schon von zwei ziemlich angetrunkenen Gestalten angerufen worden, dass ich ja den Sambuca, Kaffeebohnen und vor allem genügend Gläser nach Iffezheim mitbringe. Hatte ich natürlich dabei, aber im Auto gelassen. Vorher Sambuca trinken, das wären der bösen Vorzeichen zuviel gewesen. Allerdings hatte ich die Rahmenbedingungen für das Belassen des Getränks im Auto falsch eingeschätzt. Direktes Sonnenlicht auf den schwarzen Lack meines Wagens dient eher zur Erwärmung als zur Kühlung des Kofferraum-Inhaltes.
Zum Rennen. Sambucan Daze präsentierte sich im Führring trotz Pusteln in blendender Verfassung. Er bekam es in diesem Rennen mit insgesamt 7 Gegnern zu tun, wobei High Alloyed aus dem Mäder-Stall der erklärte Favorit zu sein schien. Wie sagt man so schön ... er wurde von allen gesungen. Mir gefiel er eher nicht, da er schon total verschwitzt war. Dass ich ihn dann trotzdem in der Dreierwette mit Sambucan Daze eins, zwei stellte und den Rest dazu, ist wohl nur dem Umstand eines leicht angeheiterten Zustandes meiner selbst zu erklären. Das Rennen führte über 2000 Meter und wurde für Sambucan Daze ausgesucht, da die Rennen über diese Distanz über den langen Einlauf führen, also ideal für unser Pferd sind.
Andreas Göritz beorderte ihn zunächst ins Mittelfeld, aber schon nach wenigen Metern konnte man ganz gut sehen, dass da heute noch etwas geht. High Alloyed führte das Feld bis in den Einlauf an und konnte die Spitze bis zweihundert Meter vor dem Ziel behaupten. Dann wurde er von Lautaro und in äußerer Spur von Sambucan Daze überrannt. Leider wich Lautaro noch ein paar Mal nach außen und behinderte Sambucan Daze leicht, was uns wohl den Sieg gekostet haben dürfte. So wurden wir im Ziel nur mit einer Halslänge geschlagen, der Sieger hieß Lautaro. Die Rennleitung überprüfte zwar noch den Ausgang des Rennens, aber dann doch die Bestätigung. Dritter dann High Alloyed, und mit gebührendem Abstand der Rest des Feldes.
So ein Mist, die Dreierwette doch nicht getroffen, dabei wäre es so einfach gewesen. Beim Absatteln dann der nächste Schock: Sambucan Daze lahmt vorne links. Stellt sich aber als nichts Gravierendes heraus. Inzwischen wettern der Manager und der Pferdevermittler gegen den Jockey. der hätte das Pferd nicht richtig zusammengestellt, außerdem hätte Lautaro disqualifiziert werden müssen ... und und und. Ich sage, wenn schon jemand schuld sein soll, dann der Typ mit dem Mainzer Trikot. Ein zweiter Platz in Baden ist nun echt nicht zum Haare raufen. Hauptsache das Pferd ist gesund.
Ok, nach dem Rennen ist vor dem Rennen, und nun sind auch die Sambuca Flasche, Gläser und Kaffeebohnen da. Der Sambuca hat eine Betriebstemperatur von rund 60 Grad. Da war doch was mit dem schwarzen Lack und der Sonne.
Am Abend sitzen der Pferdevermittler, der Manager und der 1. Vorsitzende ziemlich abgekämpft in einer Kneipe im Elsaß und futtern Gänseleber in Calvados-Sauce, Froschschenkel, Schnecken und Filet Dijonaise.
Am Dienstag hatte ich mich dann auch entschieden, Tanko nach Berlin zu begleiten. Er tritt dort in einem Ausgleich II über 1600m an, dürfte da aber eher Außenseiter sein. Den Bericht zu diesem Rennen gibt es dann auch demnächst hier. Beide Pferde könnten dann schon wieder in naher Zukunft, nämlich am 6. Juni in Hamburg an den Start kommen. Das hängt allerdings davon ab, welchen Eindruck unser Trainer nächste Woche von beiden haben wird.
Ach so, hätte ich fast vergessen ... unsere Bilanz in 2004: 6-3-4-4-6-2-1-2. Und danke an den Pferdevermittler, ist ein echt gutes Pferd.

30. Mai 2004 - Artus-Cup Ausgleich II, Hoppegarten
"Berlin, Berlin ... wir fahren nach Berlin." Das war das Motto von Tankos Start am 30. Mai in Hoppegarten. Das dies eine der lustigsten Auftritte des Galopp-Club Rhein-Main werden sollte und ein erfolgreicher noch dazu, hat vorher wirklich keiner gedacht. Die Beteiligten werden diesen Start wohl auch nicht so schnell vergessen.
Nach Tankos Sieg im Preis von Eintracht Frankfurt (die Eintracht stieg eineinhalb Wochen später in Liga 2 ab), überlegten wir, wo Tanko nun als nächstes starten sollte. Der Union-Klub hatte einen Renntag im Zeichen der Hessen ausgelobt. Für max. 12 Pferde wollte der Klub die Transportkosten übernehmen, ein durchaus verlockendes Angebot für die Frankfurter Trainer und Besitzer, dort zu starten. Wenn's halt nicht klappen sollte mit dem Preisgeld, dann hatte es wenigstens nicht soviel gekostet. Als Rennen für Tanko bot sich ein Ausgleich II an, der insgesamt mit 9000 Euro dotiert war und über die Strecke von 1600 Meter führen sollte. Also, gesagt getan, Tanko wurde angemeldet. Dummerweise fiel dieser Renntag ausgerechnet mit dem Frühjahrsmeeting in Baden-Baden zusammen. So waren Philipp Riethmüller, der an diesem Tag die Rennen moderieren musste, Steffi und ich die drei einzigen Mitglieder, die Tanko nach Berlin begleiteten. Wenn er schon mal in einem Ausgleich II läuft, dann sind wir auch dabei.
Trotz der kurzfristigen Bestätigung, dass Tanko auch tatsächlich läuft und der damit verbundenen kurzfristigen Entscheidung ihn zu begleiten, gelang es mir noch, Flugtickets nach Berlin für einen vernünftigen Preis (130 Euro/Ticket) zu bekommen. Einziger Haken daran, der Rückflug ging um 6:20 morgens. Wir hätten auch die Alternative gehabt, mit Hauke Wilkens (Geschäftsführer in Hoppegarten) nach Hause zu fahren (diese Option wählte Philipp Riethmüller), da ich am Tag danach (Pfingstmontag) aber arbeiten musste, warum nicht den Abend in Hoppegarten verbringen und am nächsten Tag direkt an die Arbeit.
Letztendlich wurden bei der Vorstarterangabe doch nur drei Pferde aus Frankfurter Ställen genannt: Tanko sowie Salo und Margie Queen aus dem Stall von Dave Richardson. Die Trainer weilten allerdings auch in Iffezheim.
Nach einem überpünktlichen Flug und einer unterhaltsamen Fahrt durch Berlin mit einem Taxifahrer mit original Berliner Schnauze kamen wir um 11:30 Uhr in Hoppegarten an und wurden von Hauke Wilkens in Empfang genommen. Es gab eine Tasse Kaffee und Frühstück zur Begrüßung. Karten für die Kaisertribüne und ein Programm für jeden lagen schon bereit. Mann, da fühlte man sich wie ein Besitzer im Gruppe I-Einladungsrennen in Dubai. Nach dieser kurzen Stärkung nahm Hauke Wilkens Philipp mit zu einer kurzen Besichtigungstour über die Rennbahn, Steffi und ich zogen auf eigene Faust los. Wir waren im letzten Sommer schon mal hier gewesen und kannten die Örtlichkeiten schon. Beim Gang über das Gelände offenbarte sich uns, wie wir Hessen uns im Ausland präsentieren: Äppelwoi, Handkäs, Himmel und Erde und eine echte hessische Blaskapelle, die später am Nachmittag, mit einer bei mir nicht so beliebten Musikart, dem Berliner und Brandenburger Publikum einheizte. Dass kein Pferd durchgegangen ist, grenzt an ein Wunder. Erbarmen, die Hesse komme.
Tanko sollte im 5. Rennen starten, also noch genug Zeit für ein Glas Bier auf der Kaisertribüne und bei Kaiserwetter. Philipp führte inzwischen sehr professionell durch das Programm und gab mehr oder weniger erfolgreich seine Wett-Tipps zum Besten. Ich würde mal sagen, 50% Trefferquote auf der Platzwette. Erstaunlich ist, dass Michael Trybuhl und Marc Timpelan drei der ersten vier Rennen gewannen. Wir fragten uns, warum nicht noch mehr Frankfurter Pferde hier antraten. Trybuhl gewann hier mit seiner zweiten Garde, die Frankfurter Besitzer verloren lieber in Baden-Baden.
Doch nun zum fünften Rennen, dem Artus-Cup. Für diejenigen, die jetzt wissen wollen, was der Name bedeutet: Artus ist ein Mineralwasser. Ganz schlechtes Vorzeichen für uns, oder? Naja, aber immer noch besser als das Kaninchen-Rennen, dessen Namensgebung ich jetzt hier besser nicht erkläre, Kinder könnten das lesen. Wir marschierten, mehr oder weniger aufgeregt, in den Führring. Steffi, Tankos Pflegerin, guckte noch etwas müde. Unser Trainer hatte vergessen, sie für das Hotel anzumelden. Gott sei Dank, hatten die aber noch ein Zimmer für sie. Tanko und Steffi zogen da so ihre Runden vor den Sattelboxen, alle anderen Pferde waren schon gesattelt, bis uns mal so die Idee kam zu fragen, "Wer sattelt denn Tanko eigentlich?"
"Keine Ahnung, der Trainer hat mir nichts gesagt."
Philipp telefonierte schnell mit dem Trainer. Ich musste in die Waage spurten und den Sattel holen, den ich mir unter den Augen von zwei verdutzt dreinschauenden Offiziellen griff und im gleichen Sprintstil zurück zu den Sattelboxen brachte. Bei mir reicht die Puste, im Gegensatz zu Tanko, allerdings nur für die 50 Meter Distanz. Bier und Sonnenstrahlen sorgten dafür, dass ich vor dem Rennen mehr schwitzte, als Tanko danach. Nun gut, Trainer Martin Rölke sattelte Tanko für uns und endlich, viel zu spät, ging es ab in den Führring. Tanko hatte im übrigen auch schon gemerkt, dass da irgendetwas nicht stimmte, und wurde nervös.
Dort angekommen trafen wir auf den Jockey, Vladimir Panov. Da ich davon ausging, dass an diesem Tag noch mehr schief gehen musste, fragte ich ihn die obligatorische Frage: "Hat sie der Trainer angerufen?"
"Ja, ja. Das Pferd hat beim letzten Mal mit Speed gewonnen." (stand auch in der Sportwelt) Aha. Kurze Denkpause. Grinsen.
Dann plötzlich: "Und wie soll ich den jetzt reiten?"
Ok. Möglichkeit eins, der Trainer hatte ihm nicht mehr gesagt - zwei, er hatte ihn nicht verstanden oder er hat's vergessen. Da habe ich also zum ersten Mal einen Sattel aus der Waage geholt und jetzt gab ich auch noch die erste Reitorder. "Der springt normalerweise immer sehr schnell ab, geh aber nicht vorne, sondern an dritter oder vierter Stelle und bring ihn erst auf der Geraden. Wenn er unterwegs die Lust verliert, musst Du ihn mal ein wenig munter machen. Und, dann guck' mal was geht. Vielleicht ist aber auch die Distanz etwas zu weit."
"In Ordnung. Kannst Du mich noch hochheben."
Ach du Gütiger, auch das noch. Ich hatte das zwar schon tausend Mal gesehen, aber vom Hingucken bis zur Beherrschung des Griffes ist es ziemlich weit. Ich schnappte mir also sein linkes Bein, er sprang ab, ich wuchte ... ach du Sch...., der ist ja viel zu leicht. Vladimir plumpste wie ein Sack aus zwei Metern Höhe auf Tankos Rücken und der tickte völlig aus und machte einen Satz durch den Führring. Oje. Irgendwie schaffte es Steffi ihn dann doch noch aus dem Führring zu führen. Was wir dann nicht sehen konnten war, dass Tanko sich dann auch noch weigerte die Bahn zu betreten. Insgesamt dreimal schmiss er den armen Jockey in den Dreck. Eigentlich alles Vorzeichen für ein Nichtgelingen dieser Mission.
Tanko lief jedoch das Rennen seines Lebens. Ich hatte mir das Rennen durch mein Fernglas angeschaut und konnte sehen, dass er im Schlussbogen, ohne geritten zu werden, plötzlich aus dem Mittelfeld beschleunigte. Auf der Geraden entwickelte sich schließlich ein Kampf zwischen 5 Pferden, das schließlich Hard Rock vor Salo und Tanko für sich entscheiden konnte. Wir haben uns die Seele aus dem Leib geschrieen, als Tanko plötzlich an der Außenseite auftauchte und es kurzfristig sogar so aussah, als ob er das Rennen gewinnen könnte. Die Schreierei brachte uns einen ungläubigen Blick eines Kamerateams des Senders tvBerlin ein, die an diesem Tag eine Reportage auf der Rennbahn drehten. Philipp wurde zu diesem Rennen interviewt und outete sich als Mitglied des Galopp-Clubs. Als kleines Schmankerl hänge ich den TV-Bericht anstelle eines Rennfilms in der Rennstatistik an.
Mann, wir haben ein Ausgleich II-Pferd. Das muss sich erst einmal setzen. Ein, zwei Bier zur Feier des Tages mussten jetzt sein.
Am Ende des Tages durfte ich noch die Ehrenpreise an die Sieger im Preis des Galopp-Club Rhein-Main (Ausgleich IV) überreichen. Diesen konnte Dulcera im Besitz von Frau Göpfert für sich entscheiden. Die war so glücklich, dass sie die ganze Zeit geheult hat. War wohl ihr erster Sieg.
Und nun noch die Pointe des Tages: In der zweiten Chance, die gibt es auch in Hoppegarten, gewann Steffi einen Bembel der Kelterei Höhl und eine Flasche Pomp Secco (irgend so ein Apfelgetränk). Philipp bot an, diese in Hauke Wilkens Wagen mit nach Frankfurt zu nehmen, damit wir sie nicht ins Flugzeug schleppen müssen.
30 Minuten nachdem wir im Hotel Hoppegarten angekommen waren, klingelte mein Handy. Philipp war dran. Offenbar hatten die holprigen Straßen Brandenburgs den Pomp Secco dazu bewogen, einfach mal zu explodieren. Flasche kaputt und das Getränk war im Geschäftsführer-Passat verteilt. Irgendwas musste doch noch schiefgehen.

6. Juni 2004 - Doppelstart in Hamburg
Was ist schlimmer als einmal verlieren? Zweimal am gleichen Tag zu verlieren! Und beide Male auch noch, wenn man sich schon vor dem Rennen als sicherer Sieger gefühlt hat. Manchmal ist Christians Zweckpessimismus doch ganz angebracht, wenn es um die eigenen Pferde geht. Zuviel kann passieren, wie man gleich an diesen beiden Beispielen sehen kann.
Nach Tankos und Sammys Leistung in Hoppegarten bzw. in Baden-Baden, wurden beide von unserem Trainer für Rennen am Diana-Tag in Hamburg-Horn nachgenannt. Tanko in einem Ausgleich II über 1400 Meter, Sambucan Daze in einem Ausgleich III über 2200 Meter. Sambucan Daze hatte für seinen zweiten Platz (!) in Baden-Baden bereits ein GAG von 61 Kilo zugewiesen bekommen und stand somit bereits an der Grenze vom Ausgleich IV zum Ausgleich III. Im Ausgleich III konnte er mit einem Gewicht von 51 Kilo an den Ablauf gebracht werden. Tanko hatte sogar nur 50 Kilo zu tragen. Für beide Ritte wurde diesmal wieder Norman Richter gebucht.
Von Frankfurt aus machte sich am frühen Morgen eine kleine Anhängerschar auf den Weg nach Hamburg. Als Reisemittel wurde wieder die Bahn in Anspruch genommen, diesmal sogar erster Klasse. Dem neuen Tarifsystem der Bahn sei Dank, mussten wir für die 1. Klasse-Tickets genau soviel bezahlen wie für die Karten für die 2. Klasse. Vielleicht kommen noch mehr Anbieter auf so geniale Ideen: Autohändler zum Beispiel. Da sich der 6er BMW schlechter verkauft als der 3er, sollte man den 6er zum Preis des 3ers verkaufen. Fördert bestimmt den Absatz.
Im Zug dann zwei Riesenüberraschungen. Ein Bier (0,3 l, Fürstenberg) kostet sage und schreibe nur 1,80 Euro. Das ist billiger als in jeder Kneipe und billiger als in Iffezheim, wo ja Fürstenberg die Hausmarke ist. Die zweite Überraschung war ein netter Schaffner, der sehr starkes Interesse an unserem Hobby zeigte. Es stellte sich heraus, dass in der zweiten Klasse der Besitzer von Fairy Ecstasy saß (Herr Kohler aus Iffezheim), der im gleichen Rennen wie Tanko startete. Der nette Zugbegleiter (um mal den Terminus der DB zu wählen) holte ihn (den Besitzer) auch noch zu uns ins Abteil, wo wir ein paar Worte unter Sportsleuten wechseln konnten. Zu Fairy Ecstasy später mehr.
In Hamburg angekommen, nutzten wir den BMW-Fahrservice zur Rennbahn. Prima Sache, obwohl zwei der acht Reisenden gerne mit der U-Bahn gefahren wären. Auf der Rennbahn dann das übliche Prozedere: Erste Anlaufstelle ist der Bierstand und ein paar Holsten zum Beruhigen der Nerven.
Der Diana-Renntag wurde in diesem Jahr zum ersten Mal in Hamburg abgehalten, nachdem sich der Mülheimer Rennverein nicht mehr in der Lage gesehen hatte (nachdem das Möbelhaus Ostermann seine Sponsorship beendete), den Renntag ausreichend zu finanzieren. Ich bin eigentlich immer gerne nach Mülheim gefahren, die Anlage gefällt mir sehr gut. Mit Tanko hatten wir dort in einem fast aussichtslos geglaubten Rennen nach einem schlechten Start noch einen hervorragenden dritten Platz belegt. Die Leute waren immer gut drauf, und alles hatte eher Volksfest-Atmosphäre. In Hamburg hingegen war wenig los. Unsere Mitreisenden, die zum ersten Mal in Hamburg waren, fanden die Bahn doof. Richtig, sehen tut man da herzlich wenig, aber immerhin wird da das Derby entschieden und sie haben einen schönen, übersichtlichen Führring.
Bezüglich Hamburg können wir auch auf eine ausgezeichnete Statistik zurückblicken: Bahnsieger, Distanzsieger und eine Siegquote von 100%. Tanko hatte hier vor knapp zwei Jahren den ersten Sieg für den Galopp-Club Rhein-Main errungen.

TOM TAILOR-Trophy Ausgleich II, Hamburg-Horn
Tankos Karte war mit 14 Pferden richtig gut besetzt. Wir rechneten uns eigentlich nichts aus, hofften aber insgeheim auf einen Platz unter den ersten sechs. Tanko sah im Führring super aus, nicht allein wegen der TOM TAILOR-Satteldecke. Er war ruhig, abgeklärt, und diesmal klappte auch alles mit dem Satteln. Christian Sprengel erledigte das diesmal, Norman schaffte es mit Pamelas Hilfe auf den Rücken von Tanko, außerdem durfte Tanko früher den Führring verlassen, damit der Aufgalopp diesmal ohne Abwürfe endete. Aber was war das für eine Kappe auf Normans Kopf? Schwarz mit weißen Punkten? Nein, das ist doch die Seuchenkappe von KBS. Das ist ja noch schlimmer als das Mainz 05-Trikot, schlimmer als eine ganze Mainz 05-Mannschaft.
Aus den Startboxen heraus war Tanko vorne mit dabei. Norman nahm ihn etwas zurück und sie reihten sich an sechster, siebter Stelle liegend in das Feld ein. Eingangs der Zielgeraden wurden die drei mitgereisten Mitbesitzer von Tanko (die Sambucan Daze-Fraktion war zahlreicher vertreten) etwas aufgeregter. Norman lenkte Tanko in eine Lücke an den Innenrails, Tanko zog an und in meinem Hinterkopf klingelten schon die Dollars (8000 Euro Gewinnprämie), aber da war auch schon alles wieder vorbei: Ein gewisser Fairy Ecstasy pendelte (wahrscheinlich aus Erschöpfung) nach links und sehr stark nach rechts und drückte ein anderes Pferd gegen Tanko, der so Richtung Rails gedrückt wurde und in diese Pferd hineinkrachte. Aus der Traum. Norman musste Tanko aufnehmen und beide trudelten auf Platz 12 liegend ins Ziel ein. Oje, hoffentlich ist er nicht verletzt. Das sah schlimm aus, doch außer ein paar Schrammen an den Vorderbeinen hat er nichts abbekommen. Gott sei Dank.
Trotzdem da war dieser Moment, als er in die Lücke ging ... Mann, der hätte heute gewinnen können!

HanseNet-Rennen Ausgleich III, Hamburg-Horn
Na, wenn schon nicht mit Tanko im Geld, dann wenigstens mit Sambucan Daze. Er ging als 31:10 Favorit ins Rennen, und wir mit gesteigertem Optimismus. Und wie er ins Rennen ging: Aus der äußersten Startbox heraus ging er direkt an die Spitze. Das entsprach nicht so ganz der Reitorder, die eher "auf Warten reiten" lautete. Neben mir begann Christian über den Jockey zu schimpfen. Der erste Bogen wurde Sambucan Daze wieder etwas zu eng und er verlor etwas an Boden. Er reihte sich an der fünften Stelle liegend in der Gegenseite ins Feld ein. Bis dahin war alles wieder in Ordnung, doch eingangs des Schlussbogens nahm das Unheil, in Form des Ittlingers First Look seinen Lauf. Der schob sich nämlich außen neben Sambucan Daze und blieb bis zum Beginn der Zielgeraden an dieser Position. Als das Feld dann auf der Zielgeraden auffächerte, war die Tür dann zu. Rechts ging nichts, links ging nichts und vorne war auch alles dicht. Als sich an der Außenseite dann kurz eine Lücke auftat, war First Look zur Stelle und vorne driftete Carion nach links - Tür zu! Schließlich blieb uns der siebte Platz, ein gewisser Lautaro gewann das Rennen. Den kennen wir ja noch aus Baden, da weiß man doch, wo wir gewesen wären, wenn uns nicht der Ittlinger in den Weg gesprungen wäre. Der Abstand zum Sieger betrug diesmal 2,5 Längen.
Zwei Starts an einem Tag und überhaupt nicht im Geld, das hatten wir noch nicht gehabt. Dieser Ausflug hatte sich nicht gelohnt. Soviel Pech kann man doch gar nicht haben, aber vielleicht hatten wir in diesem Jahr bis dahin einfach auch viel zu viel Glück gehabt. Der Sambuca wurde trotzdem ausgepackt, auch wenn er diesmal gar nicht mundete.
Wie geht es nun weiter? Natürlich wieder in Hamburg. Tanko könnte es noch mal in einem Ausgleich II über 1400 Meter am Freitag vor dem Deutschen Derby versuchen, Sambucan Daze am Derby-Sonntag, wieder im Ausgleich III.

Ach ja, noch etwas ... ein Pferd mit dem Namen Jägermeister kaufen wir auf gar keinen Fall.

... und wieder auf der Erfolgsspur
Nun hat es endlich geklappt. Heute ist der Tag 1 nach Sambucan Daze' erstem Sieg, und ich muss zugeben, ein leichtes Grinsen habe ich noch immer auf meinem Gesicht. Gestern musste ich als erstes an den 30. Oktober des letzten Jahres denken, damals hatten Christian und ich die Entscheidung getroffen, das Pferd mit der Lot Nummer 1069 bei der Tattersalls Auktion 'Horses in Training' zu kaufen. Für 5.500 gns ging es zunächst an Trainer Bethell zurück und dann an uns. Ein paar Tage später bezog Sammy, kurz nachdem Perima in Richtung Etzean abgereist war, seinen neuen Stall bei Trainer Wilfried Kujath.
Am 30. Oktober, als die Kaufentscheidung gefallen war, gönnte ich mir am Abend im Montreux Palace einen leckeren (und teuren) Sambuca, den ersten auf unser neues Pferd. Keiner von uns wusste damals, ob er überhaupt etwas kann. Die Leistungen aus seinen letzten vier Rennen auf der Insel sprachen nicht gerade für ihn. Mir war auch klar, dass er es nach dem erfolgreichen Jahr von Perima schwer haben würde, von seinen neuen Besitzern akzeptiert zu werden. Vertrauen hatte ich allerdings in ihn, nur wusste ich, dass er Zeit brauchen würde. Seit gestern ist er also nicht mehr sieglos. Einen zweiten, dritten und vierten Platz hatte er schon vorher für uns eingaloppiert, eben der Sieg hatte noch gefehlt.

Wir waren jedoch schon sehr erfolgreich mit Tanko in die Woche gestartet.

7. Juli 2004 Rennen der Frankfurter Apfelweingastronomie - 225 Jahre Landkelterei HÖHL Ausgleich III, Frankfurt
Für Tanko ging es mal wieder auf der Heimatbahn zur Sache. Ein geplanter Start in Düsseldorf im Ausgleich II, mit durchaus lohnender Börse, musste abgesagt werden, da sich kein geeigneter Jockey finden ließ. So wurde ein Ausgleich III über 1600 Meter für ihn ausgesucht, als Jockey wurde Lennart Hammer-Hansen verpflichtet, da Andrasch Starke, der ihn eigentlich hätte reiten sollen, keine Lust hatte in Frankfurt zu reiten.
Dem aufmerksamen Beobachter wird sicher auffallen, dass ich diesmal keine Bilder ins Netz gestellt habe. Ich hatte zwar meinen Fotoapparat dabei, aber gleichzeitig auch noch ca. 20 Kollegen im Schlepptau, denen ich eine Kurzeinführung in den Vollblutsport und die Wettkunst gegeben habe. Es war wieder mal Mittwochrenntag und ich habe es mir auch in diesem Jahr nicht nehmen lassen, ein paar Leute aus meiner Firma mitzunehmen. Die Aktion ist gut angekommen, aber leider hatte ich viel zu wenig Zeit, um mich auf Tankos Rennen zu konzentrieren.
Tanko war aus der Startbox wieder schnell auf den Beinen, aber Lennie schaffte es sehr gut, ihn etwas aus dem Rennen und der schnellen Fahrt zu nehmen. Wellenfuchs und Diadal machten vorne die Pace. Tanko sortierte sich an sechster Stelle liegend ins Feld ein. Zu Beginn der Zielgeraden legte er wieder los, konnte aber die enteilte American Pie unter Jean-Pierre Carvalho nicht mehr einholen. Zum Schluss reichte es zu einem hervorragenden zweiten Platz vor den ebenfalls gut laufenden Wellenfuchs und Diadal. 1050 Euro mehr auf dem Konto, auch nicht schlecht.

10. Juli 2004 Hans Wolfgang Zanders-Rennen, Köln
Um es Sambucan Daze etwas leichter zu machen, sollte er in einem Sieglosenrennen an den Start gehen. Köln bot sich an, da wir hier zum einen auf Norman Richter als Reiter zurückgreifen konnten und außerdem Sambucan Daze hier seinen schönen Schluss-Spurt auf der über 600 Meter langen Zielgeraden ansetzen konnte.
Ich mag Köln aus einem ganz anderen Grund: Kölsch, echtes Kölsch. Ein, zwei Gläser, und der Nachmittag lässt sich gleich ganz entspannend gestalten. Das Rennen hingegen war dann weniger entspannend. Ich hatte mir ein schönes Plätzchen in der Nähe der Startstelle gesucht, um ein paar Bilder nach dem Start und vielleicht beim Zieleinlauf zu schießen. Warum immer teuer bei irgendwelchen Rennbahnfotografen einkaufen? Ich hatte aber zur Sicherheit meinem Bekannten Frank Nolting schon einen Auftrag erteilt.
Sambucan Daze erwischte einen Bombenstart, doch Norman beorderte ihn gleich nach hinten. Ein Rennen von vorne und Christian hätte Norman persönlich vom Pferd geholt. In flotter Fahrt ging es durch die Gegenseite bis zum Schlussbogen. Plötzlich kommentierte der Bahnsprecher, dass Sambucan Daze an der Innenseite galoppierte. Oje, Gedanken an Hamburg kamen auf, da hatte er an der Innenseite festgesessen. Ich konnte mir das nicht mit anschauen und drehte mich weg. Doch dann die Lücke, Norman schiebt ihn durch und nach außen und ab und weg. Sammy startet einen 500-Meter-Sprint gegen Alpha Jet und Fancy Affair, den er schließlich mit einer Halslänge gewinnt.
Auf den letzten Metern finishte ich mit, schrie ihn lauthals ins Ziel. Zuschauer um mich herum schauten besorgt ... und dann jaaaaaaaaaaaa, gewooonnnnennnnn! Gut, dass ich vorher Bilder bestellt hatte, geknipst habe ich nicht.
Zu acht empfingen wir Sammy im Absattelring. Es gabt noch eine Überprüfung, unser Pferd hatte sich ein wenig angelehnt, die ergab aber keine Änderung. Es gab einen schönen Siegerteller, Siegersekt und eine Videovorführung im Clubhaus.
Ich lasse es mir nicht nehmen an dieser Stelle auf eine beeindruckende Statistik hinzuweisen. Beim 41. Start eines Galopp-Club-Pferdes haben wir bereits den siebten Sieger vom Geläuf geholt, waren siebenmal Zweiter und je viermal Dritter und Vierter. Das bedeutet eine Geldausbeute bei über 50% aller Starts. Aber der Hammer ist, dass wir mit dem 41. Rennen bereits die 40.000 Euro Marke geknackt haben, was einer durchschnittlichen Gewinnsumme von fast 1000 Euro entspricht.
Aber das Allerbeste ist, dass wir 41 Rennen mal mehr, mal weniger Spaß zusammen hatten. Auch wenn es diesmal den einen oder anderen etwas Geduld gekostet hat - alle unsere Pferde sind Gewinner.

18. Juli 2004 ODDSET-Top-Wette Cup Ausgleich III, Frankfurt
Wer in letzter Zeit mal einen Blick in unser Gästebuch geworfen hat, wird eine gewisse Aktivität festgestellt haben. Am 9. und 10. Juli zwei neue Postings von einer Jenny Werner ("Glückwunsch zum Sieg heute von Sambucan Daze! :-) Wie´s scheint ist er seiner Favoritenrolle von 20:10 gut nachgekommen *freu* ;-) Lg Jenny"). Hmm, großes Rätselraten. Die Jenny aus dem Stall konnte es nicht sein, passt nicht wegen der Uhrzeit. Aber wer dann? Mein Handy klingelte inzwischen heiß, andere waren auch neugierig. Na gut, eine Mail geschrieben, um mal zu schauen, wer das ist.
Jenny war beim "Girls Day" wohl auf der Rennbahn und fand das wohl so aufregend, dass sie dem Rennklub einen Brief geschrieben hat, ob man da nicht ein Praktikum machen kann. Die haben sie dann die Verbindung mit unserem Trainer hergestellt und sie hat sich da um eine Ferienpraktikum bemüht. Hat auch geklappt und außerdem durfte sie ihre Freundin Jasmin für eine Woche mitbringen. Wie es halt so ist, haben sich dann die beiden auch mal die Pferde von unserem Trainer angeguckt und sind wohl dabei auch auf Tanko und Sambucan Daze gestoßen. Zum Renntag am 18. Juli wollten sie sowieso kommen, warum also nicht gleich kennenlernen. Christian hat natürlich gleich die zündende Idee, die beiden werden unser Fanclub.
Also wurde ein Treffen vor dem Tanko-Rennen am Führring verabredet. Da stand er nun unser Fanclub, noch etwas schüchtern, aber freudestrahlend. Kurz vorgestellt und gleich ab mit in den Führring.
Tanko startete in einem Ausgleich III über 1600 Meter. Vorher hatte es aus Kübeln gegossen und die Bahn wurde etwas weich, abgekühlt hatte es sich trotzdem nicht und es war richtig schwül. Nach dem Start reihte er sich im Mittelfeld ein und hatte einen günstigen Rennverlauf. Kantor aus München machte vorne die Pace und zog auch in der Zielgerade auf und davon. Tanko schien kurz noch den zweiten Platz zu erreichen, doch außen konnte ihn Academy Reward mit Stephanie Hofer (mit 3 Kilo Erlaubnis) noch überrennen. Die Distanz war wohl zu weit und das Geläuf wohl doch nicht mehr so passend.
Dem Fanclub hat's trotzdem gefallen. Zum ersten Mal auf der Rennbahn und gleich mitten im Geschehen.

21. Juli 2004 Kornado-Rennen Ausgleich III, Köln
Abendrennen in Köln, an einem Mittwoch. Sambucan Daze sollte zum ersten mal mit (blauen) Scheuklappen starten. Beim letzten Laufen in Köln hatte er Anlehnung gesucht und wäre beinahe disqualifiziert worden. In diesem Rennen passte nichts zusammen, sein Turbo zündete nicht. Am Freitag stellte sich heraus, dass Sammy verschleimt ist. Eine Erkältung hatte ihn erwischt.
Der Tag war trotzdem prima. Unser Fanclub war auch dabei, dieses Mal sogar schon mit Plakat. Für die beiden Mädels ist das natürlich das Größte überhaupt.
Wie geht es nun weiter, die Frage wurde mir in den letzten Tagen ein paar Mal gestellt. Christian weilt ja am Wörthersee und macht Urlaub. Tanko startet am 8. August in Frankfurt über 1600 Meter und wenn alles gut verläuft am 22. August wieder im Ausgleich II, dann über 1300 Meter. Bei Sambucan Daze müssen wir mal abwarten, wie sich das mit der Verschleimung entwickelt. Er könnte aber ebenfalls am 22. August in einem Ausgleich IV an den Start kommen.

08. August 2004 Sommerpreis der Stadt Frankfurt Agl. III, Frankfurt
Tankos Rennen an diesem Renntag lässt sich sehr kurz beschreiben: "Alles mögliche gegeben und gerade noch so Geld gewonnen." Die Sportwelt sagte es besser aus, Tanko schaffte mit "seinen Reserven" Platz vier. An ihm lag es letztendlich nicht, sondern wohl eher an dem oben drauf.
Eigentlich sollte Andreas Göritz Tanko reiten, doch hatte auch sein Stall ein Pferd in diesem Rennen - Tosco, so mussten wir kurzfristig umdisponieren. Neben Kirstin Hutcheson und Christian Czachary stand noch Georg Bocskai zur Disposition, der an diesem Tag in Frankfurt weilte. Er galt früher als starker Finishreiter, hatte aber zwischenzeitlich seine Stiefel schon an den Nagel gehängt, bis seine Frau Carmen in der Schweiz einen Stall übernahm und sie ihn als Stalljockey brauchte. Das er durchaus noch in Form ist, zeigte er an diesem Tag in zwei anderen Rennen, die er für sich entscheiden konnte. Nur auf unserem Pferd klappte es nicht.
Tanko sprang wie gewohnt gut ab und wurde dann an die 5. Stelle beordert, vorne drehte Nastassja Volz auf Pharloc mächtig auf und bestimmte die Pace. In der Mitte des Schlussbogens sah alles noch sehr vielversprechend aus. Noch kurz eine Anmerkung in eigener Sache: Ich habe noch nie auf einem Rennpferd gesessen und mir obliegt es vielleicht nicht, anderer Leute Arbeit zu kritisieren. Da ich, genau wie alle anderen Mitbesitzer, für diesen Ritt bezahlen muss, sei mir eine kurze Kritik bzw. eine Frage erlaubt. Warum beordert Herr Bocskai Tanko erst nach links und dann wieder nach rechts, anstatt gleich links an Tarasota vorbeizugehen? Naja, immerhin dreihundert Euro (brutto) verdient, besser als der 5. Platz.
Ähnliches erleben wir später im Frankfurter-Haus. Da werden warme Mahlzeiten auch geschickt um unseren Tisch herumgelenkt und einige gar bekommen nichts zu essen. Die Krönung des Abends ist ein Kellner, der wohl noch aus der Zeit stammen muss, als das Wort Dienstleistungsgedanke oder Service nicht Bestandteil des deutschen Sprachschatzes gewesen sind.
Aber es gibt auch Erfreuliches: Micana aus dem Kujath-Stall gewinnt den Ausgleich II, sehr zur Freude ihrer Besitzer. Und im vorletzten Rennen gewinnt Kirstin Hutcheson auf Filia Uno (ebenfalls aus dem Kujath-Stall), dabei gibt es gleich doppelt Grund zur Freude: a) Freut es mich für Kirstin und b) für Frau Oeser, die als Besitzerin nach 10 Jahren ihr erstes Rennen gewinnt, wobei wir sie jetzt wohl schwer für unseren Club gewinnen können.
Tanko wird am 22. August wahrscheinlich in einem Ausgleich III an den Start kommen.

22. August 2004 Sharper-Rennen Agl. III, Frankfurt
Am Samstag vor diesem Renntag fand die 1. Runde des DFB Pokals der Saison 2004/2005 statt. Die Frankfurter Eintracht siegte 1:0 gegen Rot-Weiß Erfurt. Aber ein ganz anderes Ereignis war im Zusammenhang mit Tankos Start am nächsten Tag wichtig. Ibrahim Tanko hatte das erste Tor im Pokalspiel des 1. SC Freiburg bei Union Berlin erzielt. Mir war schon am Samstag klar, dass dies ein gutes Omen sein sollte. Am 3. Oktober 2002 hatte Tanko einen hervorragenden zweiten Platz belegt, nachdem am Tag zuvor Ibrahim Tanko nach langer Dopingsperre und Verletzungspause sein Comeback feierte. Allen, denen es nicht mehr in Erinnerung ist: Ibrahim Tanko ist der Namensgeber unseres Pferdes. Als weiteres gutes Omen konnte man das Erscheinen von Umberto in Frankfurt werten. Immer wenn er in Frankfurt war, ist Tanko sehr gut gelaufen.
Vorher hatte es schon einige Verwirrung (möchte ich mal sagen) um Tankos Start gegeben. Eigentlich sollte er für den Ausgleich II am gleichen Tag in Frankfurt über 1300 Meter genannt werden, doch irgendwie wurde das vergessen und so wurde der Agl. II mit einem Kilo nach unten ausgeschrieben, was dazu geführt hätte, dass Tanko mit 49 Kilo hätte antreten müssen. Dafür einen Jockey zu finden, ist mehr als schwierig. So wurde Tanko für einen Ausgleich III über 1600 Meter genannt, bei der Reiterverpflichtung erhielt Kirstin Hutcheson den Zuschlag. Nicht mehr als gerecht, hatte sie doch in diesem Jahr bereits einen zweiten und einen vierten Platz mit Tanko errungen. Ihre 3 Kilo Erlaubnis waren ein weiterer Vorteil, und sie hatte ihr Können beim letzten Renntag in Frankfurt mit einen Sieg und einem zweiten Platz unter Beweis gestellt. Im Führring sah Tanko blendend aus, unser Fanclub war auch wieder vollständig zum Daumendrücken angetreten und mit allen guten Vorzeichen inklusive einer perfekten Jockeyverpflichtung konnte nichts mehr schief gehen, und so wanderten auch die obligatorischen 5 Euro Sieg/Platz-Wetten in den Toto. Tanko blinkte auf den Toto-Monitoren als Favorit auf.
Das "Vor dem Rennen" war dieses Mal allerdings schon fast spannender als das Rennen selbst. Es gab einen Fehlstart (keine Ahnung von wem). Tanko war wieder einmal schnellstes Pferd aus der Maschine heraus, musste aber wieder gestoppt werden. Noch mal Spannung, bis alle Pferde wieder in den Boxen waren und es endlich losgehen konnte. In der Zwischenzeit konnte ich mich kurz mit einem Mitbesitzer des Stalles Epoche unterhalten. Academy Rewards zweiter Platz hatte ihn tatsächlich vorerst vor den Sprüngen bewahrt, allerdings ist die Sache noch nicht aus der Welt. Academy Reward zieht es jetzt nach Baden-Baden, wo man allerdings ein Rennen über 1400 Meter auswählen musste, um Mr Muradian vom Galoppclub Deutschland auszuweichen.
Dann endlich der Start. Tanko lag zunächst an dritter Position und hielt diese bis in den Schlussbogen, dann zog er außen groß auf und kämpfte sich nach vorn. Im Ziel lag er eine Halslänge vor Pink Cashmere. Und das alles ohne groß von Kirstin aufgefordert zu werden. Was ein Pferd. Schon sein 5. Karrieresieg, insgesamt hat er jetzt schon 27.000 Euro für den Club eingaloppiert, davon 10.000 in diesem Jahr. Wer weiß, ob er im Agl. II genauso leicht Geld verdient hätte. Das Siegerpodest füllte sich an diesem Tag wieder, und Alexa Gräfin Solms durfte von Mia van Kaick einen schönen Kristallpokal entgegen nehmen. Tanko bekommt morgen von mir seine verdiente Ration Möhren vorbeigebracht. Wie wir mit ihm jetzt weitermachen, werden wir sehen. Da sich im Moment kein geeigneter Ausgleich II anbietet, wird er wahrscheinlich erst wieder am 19. September im Ausgleich III in Frankfurt an den Start kommen.
Eine nette Randnotiz noch: Am Sonntagmorgen bekam ich eine E-Mail, die einen langen Weg hinter sich hatte, aus Amerika. Absender war ein gewisser Herr Jörg Hoffmann aus New Jersey. Jörg ist ebenfalls Mitglied in einer Besitzergemeinschaft, dem Fantasy Lane Stable. Diese Besitzergemeinschaft hat derzeit 5 eigene Pferde. Jörg hat eine nette Internetseite gestaltet, die ich auf unsere Linkseite eintragen werde, ein Besuch lohnt sich. Jörg und seine Frau haben im übrigen vor dem Rechner gesessen und haben sich das Rennen von Tanko im Internet angeschaut und uns die Daumen gedrückt. Na, bei so viel Unterstützung konnte das ja gar nicht schief gehen.

5. September 2004 Preis vom Schloss Eberstein Agl. III, Baden-Baden
Wenn man im Rennsport davon redet, dass jemand die Seuche hat, dann ist er nicht etwa sehr schwer krank und wert in die Quarantäne verfrachtet zu werden, sondern man spricht so von jemandem, bei dem es nicht so gut läuft. Während dieser Meetingswoche in Baden-Baden hatte unser Trainer eindeutig die Seuche, d.h. da lief gar nichts zusammen. Seamount im Verkaufsrennen nur Achter. New Inspiration innen festgefahren nur Sechste. Ronan Fünfter, Filia Uno, Golden Dawn und El Corazon jeweils Neunte, Atakama Zwölfte, Sacho Achter. Micana wurde sogar mit Kreislaufproblemen angehalten. Das beste Ergebnis lieferte noch Fulminant, der in einem Aufgewichtsrennen in Mailand Dritter wurde. Bei selbiger Veranstaltung war New Tiger der Sinn des Wettrennens offensichtlich nicht ganz klar und er versäumte sich in der Startbox um Längen.
Am letzten Meetingstag sollte Sambucan Daze über 2800 Meter an den Ablauf kommen. Am Abend vorher hatten wir mit ein paar Mitbesitzern und unserem Fanclub bereits eine kleine Einstimmungsveranstaltung in Form eines Kaffee-Grill-Videoabends eingelegt und waren am Sonntagvormittag mit unserem Fanclub nach Iffezheim aufgebrochen. Da die beiden quasi neu im Rennsport sind, ist der Große Preis von Baden die richtige Einführungsveranstaltung, immerhin sollten dort u.a. Mubtaker, Warssan und der Derbysieger Shirocco an den Start kommen. Unser Pferd noch im Rahmenprogramm ... was kann es besseres geben. Allerdings, warum sollte sich die Stallform unseres Trainers ausgerechnet bei unserem Pferd drehen.
Am Tag zuvor wollten wir außerdem noch auf der Auktion zuschlagen und die kleine Schwester von New Tiger und New Inspiration - Neu Isenburg - für kleines Geld ersteigern, doch wurden wir auch hier geschlagen und knapp überboten.
In Baden erwartete uns das perfekte Rennsportwetter: Strahlender Sonnenschein, ab und zu eine leichte Brise und keine einzige Regenwolke in Sicht. Eine kleine Entschädigung für den verpatzten Sommer. Auch unser Pferd machte im Führring noch eine perfekte Figur. Beim Aufgalopp aus unserer Sicht auch noch alles bestens. Doch dann ... plötzlich verschwand auf der Videoleinwand die Quote neben Sammys Startnummer. Er wurde wegen Lahmheit vom Start zurückgezogen. Norman hat wohl das Aufgaloppieren nicht so gefallen und ruft den an der Startstelle verweilenden Tierarzt herbei. Der bestätigt die Lahmheit und ordnet den Nichtstart an. Natürlich große Besorgnis bei den mitgereisten Besitzern und großes Rätselraten.
Bald jedoch schon Entwarnung aus dem Gästeboxenbereich, scheinbar nicht so schlimm. Am nächsten Tag Gewissheit, da absolvierte er bereits wieder einen leichten Galopp. Na ja, immerhin besser so, als im Rennen kaputtgegangen.
Wie sagte doch einer der Mitbesitzer doch so schön: "Immerhin war New Tiger weiter als Sambucan Daze, der stand wenigstens schon in der Startmaschine." Alle anderen Frankfurter Trainer hatten nicht die Seuche in dieser Woche, sondern waren eher sehr erfolgreich. Hoffen wir, dass die Seuche "Erfolglosigkeit" nicht ansteckend und vor allem auskurierbar ist, ansonsten muss der ganze Stall Kujath doch in Quarantäne.
Sammy könnte nun am 19. September in Frankfurt an den Start kommen, um überhaupt mal wieder ein Rennen zu bestreiten. Hoffen wir, dass dann alles glatt über die Bühne geht. Tanko startet am 12. September im Ausgleich II in Krefeld.

12. September 2004 SCHOTTE-CUP KREFELD Agl. II, Krefeld
Leider konnte ich bei Tankos Start in Krefeld nicht dabei sein, da wir unseren Jahresurlaub in Irland verbrachten. Tankos Rennen habe ich via Handy-Übertragung im Powerscourt Garden verfolgt, um genau zu sein, in dessen Eingangsbereich. Christian hatte sein Handy neben den Fernseher seiner Eltern gelegt und ich konnte Manfred Chapman bis ungefähr zur Hälfte des Schlussbogens noch verstehen, dann wurde es im Braun'schen Wohnzimmer sehr laut. Dem anschwellenden Lärmpegel der Anfeuerungsrufe nach zu urteilen, konnte ich aber schon erahnen, dass Tanko sehr weit vorne lag. Was ich dann aber sehr genau wahrnehmen konnte war: "GEWONNEN!" Die Leute, die neben uns in der Eingangshalle standen, guckten recht komisch, als wir dann auch anfingen, für sie scheinbar grundlos, zu jubeln.
Tankos Sieg kostete uns am Abend noch eine Runde an die Mitreisenden, alles Leute aus dem Galopp-Club Deutschland. Wobei ich mir den Trinkspruch nicht ersparen konnte: "Auf das beste Galopp-Club-Pferd der Saison 2004. Auf Tanko!" Betröpfelte Gesichter, na ja gut, ich hätte es ja etwas taktvoller sagen können.
Nach über einer Woche konnte ich mir dann auch den Rennfilm dazu anschauen und bin immer noch beeindruckt. Norman und Tanko erwischten einen guten Start und konnten sich früh, an dritter Stelle liegend, eine gute Ausgangsposition für den Schlussspurt sichern. Ungefähr 250 Meter vor dem Pfosten waren Sadros und Tanko vorne, doch Tanko machte schon früh alles klar und gewann mit fast 2 Längen Vorsprung. Und Norman musste nicht einmal die Peitsche einsetzen.
Und noch etwas: Bei dem Namen des Rennens mussten wir es doch auch zwangsläufig gewinnen, ist doch der Schotte Mitbesitzer von Tanko.

19. September 2004 Ernst & Young Real Estate Cup 2004 Agl. III, Frankfurt
Auch beim nächsten Start eines unserer Pferde waren wir nicht dabei. Als Sambucan Daze in Frankfurt startete standen drei Mitbesitzer von ihm frierend auf dem Curragh Race Course und hatten gerade die Irish National Stakes (Gruppe I für Zweijährige) gesehen und mit Dubawi, einem Sohn des legendären Dubai Millenium, einen überlegenen und würdigen Sieger.
Diesmal war die Fernübertragung via Handy nicht so erfreulich: Startbox durchbrochen, ein anderes Pferd reiterlos geworden, Startverzögerung und schließlich ein schlechtes Rennen unseres Pferdes. Schlecht galoppiert, gestolpert usw. Letztendlich der drittletzte Platz. Kein erwärmendes Ergebnis und ein großes Fragezeichen in unseren Augen. Inzwischen habe ich mir den Rennfilm ein paar Mal angeschaut und habe Sammy inzwischen auch im Stall besucht. Hmm, das müssen wir halt noch mal versuchen. Er wird wohl am nächsten Renntag in Frankfurt wieder in die Startbox einrücken.

3. Oktober 2004 Touran-Preis Agl. I, Hoppegarten
Was macht man mit einem frischen Sieger im Ausgleich II? Man lässt ihn im Ausgleich I starten. Ist ja auch ganz klar, am 25. April starten wir mit Tanko noch im Ausgleich IV und werden abgeschlagen Sechster und nun am Tag der deutschen Einheit im Ausgleich I in Hoppegarten. Kann mich mal jemand kneifen? Logisch, dass wir dahin mussten, und so fand sich am Morgen des 2. Oktober die kleine Reisegruppe, bestehend aus unserem Trainer, Steffi, Christian und mir am Flughafen ein, um zunächst einmal auf den verspäteten Flieger zu warten.
Mit einer knappen Stunde Verspätung schließlich in Berlin angekommen, ging es erst mal ins Hotel (Artim in der Fuggerstraße). Nicht wieder mit einem Fahrer mit Berliner Schnauze, sondern mit einer Taxifahrerin mit sichtlicher Neigung zum verfrühten Bremsen und merkwürdigem Gebrauch des Gaspedals. Na, immerhin landeten wir da, wo wir auch hinwollten. Schnell ins Hotel eingecheckt und weiter zu Fuß ins KaDeWe, zum Mittagessen, war Christians Idee und wahrlich - nicht die schlechteste. Im sechsten Stockwerk befindet sich der kulinarische Tempel des Hauses. Hier gibt es alles was das Herz begehrt und wir entschieden uns für einen der zahlreichen Fischstände. Wer jetzt glaubt, dass wir uns ein profanes Fischbrötchen einverleibt haben, irrt. Es gab Steinbeißer, Loup de Mer und Lachsforelle, alles frisch zubereitet und ultralecker.
Nach dem KaDeWe ein kleiner Verdauungsspaziergang den Ku-Damm herunter, bis zur Gedächtnis Kirche. Auf dem Platz davor das erste Kuriosum: INDIANEEERRRR! Scheinbar haben die musizierenden Ex-Inkas erkannt, dass es sich anstatt in Jutesäcke gekleidet, in feschen nordamerikanischen Trachten und Kriegsbemalung besser verdienen lässt. Das Pan-Flöten-Gedudel ist immer noch das gleiche Pan-Flöten-Gedudel, aber jetzt halt von echten INDIANEEERRRRRN. Und gleich zwei Stämme nicht weit voneinander getrennt und mit der gleichen Musik. Nach soviel falsch verstandener Kultur, ging es für uns ab in die nächste Kneipe - natürlich zum Mexikaner. Danach weiter auf Kneipensuche.
Nun, etwas zur Aufklärung: Kneipen, die von außen mit Regenbogenfarben gekennzeichnet sind, sind keine, ich wiederhole, keine Stammkneipen für Greenpeace-Mitglieder oder Friedensaktivisten. Man kann da ruhig reingehen, sollte sich aber dann nicht wundern, wenn man von Personen gleichen Geschlechts angegraben wird. Durch rechtzeitige Aufklärung konnte ich hier einiges verhindern. Schließlich landeten wir in einer echten Berliner Kneipe, im Koffer. Hier gab's Berliner Kindl vom Fass, aber warum tranken da alle Flensburger aus Flaschen? Der Geschmack des "frisch"-gezapften Bieres gab die Erklärung. Allerdings bekamen wir hier noch den heißesten Tipp für den weiteren Abend: Das Klo! Das "Klo", so wurde uns versprochen, ist eine Art Erlebniskneipe, muss man gesehen haben. Wir also dahin.
Der Laden ist echt sensationell. Es gibt Kloschüssel zum Draufsitzen, Bier entweder aus Urinflaschen (kennt man(n) aus dem Krankenhaus) oder aus Nachttöpfen. Die Musik hat Ballermann oder Kölner Karneval-Niveau, das Publikum ist gemischt, am Eingang wird man nassgespritzt und es gibt dort etwas ganz Besonderes zu trinken: Den rostigen Willy (keine Assoziationen mit dem Namen unseres Trainers bitte). Christian, der Wahnsinnige, musste das Zeug natürlich bestellen. Auf die Frage, was das sei, lächelte unsere Bedienung nur. Oh, oh.
Da standen sie nun, drei Reagenzgläser mit einer leicht rostig-gefärbten Flüssigkeit. Willi bekommt einen, Christian einen und ich einen. Nach einem kurzen Prost, setzten Christian und ich das Ding an und hopp und ex. Um mich herum wurde es still. Meine Kehle rann etwas herunter, löste sie auf und landet schließlich im Magen, wo es langsam versuchte ein Loch durch meinen Magen zu ätzen. Christian stand unmittelbar der Schweiß auf der Stirn und er verlor die Gesichtszüge. Er sah aus, wie ein Pferd nach einem 10.000 Meter Rennen. Willi war schlauer, er hat nur daran genippt und krümmt sich schon vor Schmerzen. AAAAAARRRRRRRRRRRGGGGGGGGGHHHHHHHHH!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Um es aufzuklären: Ein rostiger Willy ist ein Reagenzglas Schnaps und aufgelöste Chili-Schoten. Für Steffi und mich klang der Abend hier aus, Willi und Christian zogen noch weiter.
Am nächsten Mittag ging es ab auf die Rennbahn, dieses Mal wieder ein typischer Berliner Taxifahrer an Bord. Zum Schluss der Tour bekam auch er mit, dass wir nach Hoppegarten zum Pferderennen wollen, und stellte uns die alles entscheidende Frage, warum wir denn nicht nach Marienfeld auf die Rennbahn gehen. Als er dann von vier Leuten gleichzeitig niedergeredet wurde, musste er einsehen, dass er mit diesem Thema nicht mehr bei uns punkten konnte.
Das Programm war aus unserer Sicht sehr interessant: Im ersten Rennen El Corazon. Der wird bestimmt mal ein gutes Rennpferd, allerdings braucht er noch etwas Zeit. Im zweiten Rennen Caesarina, die wollten wir ja mal kaufen. Sieht wirklich sehr schön aus, es reichte dieses Mal aber nur zum fünften Platz. Und dann das fünfte Rennen, der Touran-Preis, Tankos Rennen. Im Führring brauchten wir uns an diesem Renntag keine Gedanken machen, dass hier wieder niemand zum Satteln da ist, der Trainer war ja mit dabei. Tanko machte ebenfalls einen sehr gelassenen Eindruck. Ein wenig war ich schon besorgt, als ich die anderen Pferde so betrachete. Unser Tanko war mit Abstand der Kleinste.
Aus der Starbox heraus war Tanko wieder einer der Schnellsten. Norman, der, wie ich finde, prima zu Tanko passt (es sieht einfach harmonisch aus), platzierte ihn an Stelle 5 oder 6 liegend. Christian kommentierte zu diesem Zeitpunkt das Rennen noch mit, doch zu Beginn der Geraden wurde es plötzlich still. Der Sprecher sagte auch nichts von Tanko und just in dem Moment wurden in meinem Fotoapparat die Akkus leer. Wo war er denn nun? Zweihundertfünfzig Meter vor dem Ziel immer noch nichts, doch dann "Shinko's Best immer noch vorne ... jetzt hier auch mit Tanko". Und da kam er, aus dem Nichts plötzlich nach vorne gestoßen und wir wurden laut. Shinko's Best vorne und Tanko kam, leider nicht mehr nah genug heran, aber zweiter Platz im Ausgleich I. JAAAHHH! SENSATIONELL, SENSATIONELL! Mehr brachten wir nicht mehr heraus.
Als Tanko von der Bahn zurückkam wunderte ich mich, der ist ja wieder gar nicht geschwitzt. Christian sah nach dem rostigen Willy schlechter aus. Ein unglaubliches Pferd. Wer hätte das am Anfang des Jahres gedacht? Und noch mal, es gab Leute, die wollten ihn verkaufen!
Im achten Rennen gewann New Inspiration eigentlich leicht einen Ausgleich III. Leider mussten der Trainer und Christian etwas bangen, weil der Trainer Dzubasz Protest eingelegt hatte, der aber abgewiesen wurde.
Hier noch ein paar Zahlenspielereien: Tanko hat bis jetzt insgesamt 35.300 Euro für den Galopp-Club eingaloppiert, in 35 Rennen. Insgesamt haben wir jetzt mit allen Pferden die Marke von 50.000 Euro Gesamtgewinnsumme übertroffen. Der nächste Start von Sambucan Daze am 10. Oktober wird auch der 50. eines Galopp-Club Rhein-Main-Pferdes sein. Tankos nächster Start könnte wieder in Hoppegarten sein, am 24. Oktober bietet sich dort ein Ausgleich II über 1400 Meter an.

10. Oktober 2004 Herbstpreis des FRZ Pferdesport Dreieich Agl. IV, Frankfurt
Erst mal Entschuldigung, dass ich den Rennbericht erst so spät ins Internet stelle, aber ich war, wie man auf neudeutsch so schön sagt, in letzter Zeit etwas busy. Im Moment habe ich gerade ein wenig Zeit, weil ich hier in meinem Hotelzimmer in Kopenhagen sitze und nichts anderes zu tun habe. Morgen habe ich ein Meeting (schon wieder ein Anglizismus) mit der hiesigen IT von Nestle Dänemark, denen wir in 2 Jahren die Systeme abstellen. Bis dahin bin ich für die Betreuung dieser Systeme verantwortlich, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Zurück zum Pferderennen.
Es ist ein bisschen untergegangen am letzten Renntag, dass Sammys Start der 50. Start eines Galopp-Club Rhein-Main-Pferdes war. Ein ganz schöner Schnitt, wenn man bedenkt, dass es uns erst seit zweieinhalb Jahren gibt. Das Rennen selbst kann man als Versuch werten, als Aufbaustart. In einem Ausgleich IV über 2450 Meter ging es an den Start. Das längste Rennen der Frankfurter Saison.
Im Führring zeigte sich unser Pferd als Fellbär, denn leider hat bei ihm schon der Fellwechsel eingesetzt, und da kann man von einem Pferd wirklich keine Hoechstleistung erwarten. Immerhin war er dieses Mal etwas ruhiger als beim letzten Mal. Als Reiterin hatte unser Trainer Kirstin Hutcheson gebucht, die es in diesem Jahr immerhin schon auf 5 Siege gebracht hatte und in ihrer ganzen Karriere schon 29 Mal auf dem Treppchen stand. Mit ihrem dreißigsten Sieg am letzten Sonntag in Saarbrücken, hat sie leider ein Kilo Erlaubnis verloren. Aber ich hoffe mal, dass sie auch mit 2 Kilo Erlaubnis immer noch viele Besitzer findet, die sie gerne buchen. So richtig spritzig wirkte unser Pferd im Rennen noch nicht, er schaffte es aber immerhin auf den fünften Platz und hat, ohne groß aufgefordert zu werden, eine Leistungssteigerung gezeigt.

Sales and Racing Festival 2004, Baden-Baden

Den letzten Saisonbericht (2003) schloss ich mit den Worten "Wir haben in einer Saison all das erlebt, wofür andere ein ganzes Leben brauchen." ab. Ich habe mich geirrt, es hat noch etwas gefehlt ... aber vielleicht war das, was wir an diesem Wochenende erlebt haben, einfach auch nur unmöglich oder zu unwahrscheinlich. Wahrscheinlich werden viele diesen Bericht nicht glauben, aber es ist wirklich passiert.
Das Wochenende begann für mich am 21. Oktober, einem Donnerstag. Zwei freie Tage nach einem arbeitsreichen und anstrengenden Wochenende. Richtig interessant sollte dieser Tag noch werden, denn genau an diesem Tag begann in Iffezheim das dritte (neue) Jahresmeeting, das sogenannte Sales and Racing Festival 2004 mit einer Auktion. Mit der Katalognummer 152 sollte an diesem Tag NEW INSPIRATION versteigert werden. Nach ihrer grandiosen Vorleistung (Siege in Frankfurt und Hoppegarten), hatte Christian vorgeschlagen, sie für den Galopp-Club zu erwerben. Ich musste nicht lange überlegen, ich wollte dabei sein, nur hatte ich bezüglich des Preises schon meine Bedenken. Nach dieser Leistung sollte sie eigentlich für über 20.000 Euro verkauft werden können. Christian war sich sicher, dass er sie für kleines Geld bekommen könnte.
Ich loggte mich nachmittags ins Internet ein und lauschte der Audio-Übertragung aus der Auktionshalle. NEW INSPIRATIONs Mutter NEWHAVEN wechselte für 9.500 Euro den Besitzer, dann endlich kam Lotnummer 152 in den Ring. Das erste Gebot war niedrig, ich glaube die Auktion öffnete bei 1.000 Euro, doch irgendwann ging der Preis rapide nach oben und als die 14.000 Euro-Grenze überschritten wurde (hatten wir uns als Limit gesetzt), hatte ich eigentlich schon mit dem Abenteuer "Neues Pferd" abgeschlossen. Schließlich wurde sie für 19.000 Euro verkauft. Nach einem Moment rief ich Christian an und fragte ihn, wer sie denn nun gekauft hätte. Die Antwort war kurz: "Wir!"
Nun musste ich erst mal schlucken ... 19.000, in Worten neunzehntausend Euro. Und wie immer war ich mir nicht sicher, dass wir dafür genug Besitzer zusammenbekommen würden. Na toll, an diesem Tag waren wir fast der Sales-Topper, immerhin viertteuerstes Pferd.

22. Oktober 2004 Premio Campannelle Roma Agl. II, Baden-Baden
Tanko sollte nach seiner tollen Leistung in Berlin noch einmal zeigen, wie gut er im Moment drauf ist. Es musste ein passendes Rennen gefunden werden, doch leider war auf seiner Paradedistanz über 1.400 Meter kein Rennen ausgeschrieben. Wir hätten es noch einmal in Hoppegarten probieren können, wären aber dort der einzige Frankfurter Starter gewesen. In Halle hätte sich das gleiche Problem ergeben. Es hätten noch diverse Listen- oder Grupperennen zur Wahl gestanden, die aber wohl zu stark besetzt gewesen wären. Außerdem hätte ein gutes Ergebnis in einem solchen Rennen wohl einen weiteren Start im Handicap zunichte gemacht (zuviel Aufgewicht). Also auf nach Baden.
Moment, hatten wir uns nicht geschworen, nicht mehr in Baden zu starten, auf dieser Seuchenbahn? Und Tanko? Wie stand der denn jetzt zu dieser Bahn? Letztes Jahr hatte er hier in aller Regelmäßigkeit Jockeys auf ihren Hosenboden aufschlagen lassen und war in den drei Rennen ziemlich weit hinten liegend durchs Ziel getrudelt. Sicher, damals hatte er etwas an den Hufen, aber auch die Tatsache, dass er jetzt Wallach ist, hat sich sehr positiv bemerkbar gemacht. Norman Richter musste auf jeden Fall nicht in den Sand und Tankos Rennleistung war allerfeinst.
Leider war das Rennen (lt. Norman) zu langsam für ihn. Nach dem Start hat er gepullt und Norman musste ihn zurücknehmen, damit er nicht von der Spitze aus laufen muss. Im Einlauf entwickelte Tanko noch seinen gewohnten Speed und sicherte sich Platz vier, hinter Vive la Reine, Acambo und Dundee. Tausend Euro zusätzlich auf Tankos Konto, der nun bereits 36.300 Euro für den Galopp-Club eingaloppiert hat. Wie wirklich wichtig dieser vierte Platz noch sein sollte, zeigte sich aber erst am Sonntag.
Am Rande sei noch zu erwähnen, dass ich mal wieder eine Platzzwillingswette mit 4 Pferden gespielt hatte, die alle drei Platzzwillingskombinationen traf. Alles zusammen zahlte so ungefähr 400. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass die Dreierwette, die ich natürlich nicht hatte, 23.000 zahlte. Ich lerne es nicht mehr.
OK, ein 4. Platz in Baden-Baden, noch nichts Außergewöhnliches, doch nun beginnt die ganze Geschichte eine Achterbahnfahrt zu werden. Schnallen Sie sich an. Ich vergaß zu erwähnen, dass wir nun durch den Kauf von New Inspiration drei Starter während des Meetings haben würden. Natürlich an allen drei Tagen, und es war kein Hotelzimmer weit und breit mehr frei. Das bedeutete: Jeden Tag fahren.

23. Oktober 2004 Preis vom Ried Agl. IV, Baden-Baden
Nach Sambucan Daze' eher schlechteren Performance der letzten Rennen, war eigentlich nicht damit zu rechnen, dass er in Iffezheim ein Platzgeld bzw. einen Sieg erringen könnte. So war dieser Start eigentlich unter der Rubrik "Aufbaustart bzw. vertrauensbildende Maßnahme" einzuordnen.
Wir hatten uns am Samstagmorgen mit Christine und Leo, zwecks Bildung einer Fahrgemeinschaft, an der Rennbahn verabredet. Die beiden waren schon im Stall gewesen und hatten eine weitere Mitfahrerin organisiert - Kirstin, Sammys Reiterin an diesem Tag. Die Fahrt nach Baden wurde durch Christines und Leos Anekdoten aus ihrem Leben aufgelockert und wir hatten viel Spaß. Ich konnte es mir nicht verkneifen, Kirstin schon eine Reitorder zu geben, na ja, eigentlich mehr einen gutgemeinten Tipp, dass die innere Spur (Walze) langsamer als die zweite oder dritte Walzenbreite sei. Sie hatte immerhin nicht die Chance auszutesten, welches die bessere Spur ist, da sie ja nur einen Ritt hatte.
In Baden angekommen trafen wir auch auf die anderen Mitbesitzer und auf den Pferdevermittler, der meinen im Auto gegebenen Rat mit den Worten quittierte: "Hast Du auch eine Ahnung?" Ich drohte ihm, dass wenn ich recht behalten würde, er die für den Sambuca gedachten Kaffeebohnen ohne den Sambuca zu sich nehmen dürfe.
Sammy startete im 2. Rennen, ein Umstand, der in Baden nicht der schlechteste ist, da man so aufgrund des geringen Alkoholpegels auch noch etwas vom Rennen mitbekommt. Ich platzierte mich an meiner Lieblingsstelle, da wo die Pferde normalerweise vom Geläuf zurückkommen. Vorher hatte ich Sammy allerdings noch mit 5 Euro Platz gewettet. Aber 1800 Meter, das war doch eigentlich viel zu kurz.
Sammy fiel nach dem Start in die hinteren Regionen des Feldes zurück. Nach den letzten Leistungen und dem wahrscheinlich schnelleren Tempo über 1800 Meter erwartete ich, dass bald eine größere Lücke zwischen ihm und dem Feld klaffen würde. Er ging jedoch das Tempo gut mit. Ende des Bogens war er mitten im Feld. Noch sah nichts nach einem Erfolg aus. Bei 400 Meter war die Bude noch zu. Kirstin rührte kurz mit der Peitsche und machte ihn etwas munter. Bei dreihundert Metern versuchte sie es durch eine Lücke, wieder kein Durchkommen. Bei 250 Metern versuchte sie es innen. Nein, nicht die innere Spur. "Komm Kirstin, nimm ihn nach auuuuuußßßßennnnn." Um mich herum starren mich die Leute an. Bei der 200-Meter-Marke ging die Tür auf. Auf der zweiten Spur. Kirstin zieht ihn nach außen und nun begann Sammys Rennen. Sammy marschierte unaufhaltsam nach vorne. Und gewann.
Was dann los war, lässt sich nicht beschreiben. Ich riss die Arme nach oben, wurde von Leo umarmt und wir stürmten das Geläuf. Bald waren da mehr Besitzer als Pferde. Die Fotografen rissen sich um uns. Es machte nur noch klick, klick, klick. Schließlich noch ein Gruppenbild mit Pferd. Auf dem Weg zurück zur Waage fiel mir Umberto um den Hals und die Menschen, die für Sammy und Kirstin ein Spalier gebildet hatten, applaudierten uns zu. Jetzt weiß ich, warum jeder mal in Baden-Baden gewinnen will.
Bei der Siegerehrung nahmen wir noch einen Kerzenständer vom Prinz von Baden entgegen und anschließend ging es ab zum obligatorischen Siegersekt. Wie oft wir den noch an diesem Wochenende trinken würden, konnten wir noch nicht ahnen. Nach dem offiziellen Teil ging es zum Bierstand. Und obwohl ich mit meiner "Order" recht behalten hatte, bekam der Pferdevermittler einen Sambuca mit Bohnen zu trinken ... oder waren es zwei. Nach ein paar Minuten war mein Alkoholpegel wieder auf Baden-Baden-Niveau, und noch besser konnte es doch eigentlich nicht werden. Aus Spaß sagte ich an diesem Abend noch: "Passt auf wir werden noch Meetings-Champions."

24. Oktober 2004 Preis vom Rosengarten Agl. III, Baden-Baden
Am Sonntag war mir eigentlich alles egal. Ich hatte nachts wie ein Toter geschlafen. Aber aufgeregt war ich schon, was weniger der Erwartungshaltung zu New Inspirations Start zuzuschreiben war, als einer unglücklichen Fügung des Vortages, die mich doch sehr nachdenklich stimmte. Filia Uno, Trainingspartnerin von Sammy und ehemals von Perima, hatte sich im 8. Rennen einen offenen Bruch zugezogen und musste kurz darauf getötet werden. Mir schwirrte die ganze Zeit der Gedanke im Kopf herum, hoffentlich passiert mit New Inspiration nichts. Vor dem Rennen, es war das vierte, ging es mir schon richtig schlecht vor Aufregung.
New Inspiration machte zunächst einen ruhigen Eindruck, doch mit zunehmender Dauer wurde auch sie im Führring etwas nervös. Bis zu diesem Zeitpunkt musste auch jeder definitiv zusagen, wer sich an ihr beteiligen wollte.
Inspi (so ihr Stallname) erwischte einen guten Start. Fast zu gut, denn Norman musste sie erst ein wenig zurücknehmen. Die beiden reihten sich an 10. Stelle liegend ins Feld ein. Ende der Bogens am Boxendorf war sie letztes Pferd. Vierhundert Meter vor dem Ziel ging American Pie an die Spitze des Feldes. Norman beorderte New Inspiration in die Lücke innen, die jedoch zuging. Norman musste sie aufnehmen und setzte einen neuen Versuch außen an. Dieses Mal klappte es. 100 Meter vor dem Ziel war alles entschieden, sie war mit über einer Länge vorne, trotz des Stopps. Was ein Rennpferd!
Ich will jetzt mal versuchen zu beschreiben, was mir in diesem Moment im Kopf vorging: "So was geht doch gar nicht. Man kann doch nicht an einem Wochenende zwei Rennen in Baden-Baden gewinnen. Und einmal Vierter werden. Das geht doch gar nicht. Nein, das geht einfach nicht ..." Wieder stürmten wir das Geläuf, lagen uns in den Armen, lobten das Pferd und den Reiter. Auf dem Weg zur Waage traf ich wieder Umberto, der bei der Neuen auch dabei ist. "Das gibt es doch gar nicht, das ist alles nicht real. Das kann nicht sein." Bei der Waage angekommen, muss ich wohl ein sehr schlechtes Gesamtbild abgegeben haben, zumindest blickten mich einige Gratulanten doch sehr komisch an. Ab dann zog alles wie im Rausch an mir vorbei, wieder standen wir auf dem Podest, wieder gab es im Anschluss Sekt und irgendwie machten die Fotografen tausend Bilder von uns.
Nach dem Rennen fiel mir mein Spruch vom Vortag ein: "Wir werden Meeting-Champions." Und Tatsache. Philipp organisierte den Stand nach dem Vortag und da hatten wir bereits 15 Punkte, Sammys Sieg brachte 12, Tankos vierter Platz 3 Punkte. Ergo hatten wir jetzt 27. Hatte sonst noch jemand soviel? Röttgen könnte uns noch gefährlich werden. Nein, die hatten keinen Starter mehr. Plötzlich schob sich das Gestüt Park Wiedingen mit dem Sieg von Deva in der Baden-Württemberg-Trophy noch in unsere Schlagdistanz. Gab es den Titel überhaupt? Ja, da stand eine Uhr als Ehrenpreis für den erfolgreichsten Besitzer. Oh, Wiedingen konnte noch punkten. Barrichello startete im Sprint-Cup, der durfte nur Zweiter werden. Wurde aber nur Vierzehnter. Jetzt hatten wir auch noch das Besitzerchampionat gewonnen, allerdings erst nachdem Philipp klargestellt hatte, dass New Inspiration nicht dem Galopp-Club Frankfurt, sondern dem Galopp-Club Rhein-Main gehört.
Wir durften noch mal auf das Podest und bekamen eine schöne Uhr aus der Kollektion von Maurice Lacroix. Ist im übrigen ein Einzelstück, da sie auf der Rückseite die Gravur trägt: "Sales and Racing Festival 2004 - Besitzer Championat". Danach gab es noch einmal Sekt vom Renn-Club.
Trainer-Champion wurde im übrigen unser Trainer Wilfried Kujath. Champion der Jockey wurde Norman Richter. Insgesamt haben Galopp-Club-Pferde an diesem Wochenende 11.300 Euro eingaloppiert.

Trainer Championat - Wilfried Kujath - 43 Punkte
Jockey Championat - Norman Richter - 66 Punkte
Besitzer Championat - Galopp-Club Rhein-Main - 27 Punkte

Als ich am Montagmorgen aufwachte, wachte ich mit einem Grinsen auf. Wir waren Meeting-Champions. Kapiert habe ich das immer noch nicht, wie das gehen konnte. Ich weiß nur, wir haben letztes Jahr viel erlebt. Vielleicht mehr als andere Leute im ganzen Leben. Aber niemand hat gesagt, dass das schon alles war.


30. Oktober 2004 Großer Preis der Stadt- und Saalkreissparkasse Halle Agl. II, Halle
Dieses ist die Geschichte eines Ausfluges in die neuen Bundesländer, obwohl man im Jahre 2004, 15 Jahre nach dem Fall der Mauer, eigentlich nicht mehr von neu oder alt sprechen sollte. Außer in Hoppegarten war ich auf noch keiner der Bahnen im Osten. Deshalb und weil meine Eltern auf dem Weg nach Halle wohnen, haben wir uns auf den Weg an die Saale begeben. Vor gut 12 Jahren war ich das letzte Mal drüben gewesen, von meiner Heimat (Bad Hersfeld) war es ja auch nur ein Katzensprung nach Thüringen, wo ungefähr die Hälfte meiner Verwandtschaft lebt. Nun war ich erstaunt, wie sich doch so vieles im Laufe der Zeit gewandelt hatte. Auf der Autobahn 4 waren keine Schlaglöcher mehr, in denen man ein ganzes Auto versenken konnte. Beim letzten Mal hatte ich mir in so einem Loch meine Radlager zerlegt und war mit einem quietschenden Auto nach Hause gefahren. Aber nicht nur dieses einen Loch, sondern auch meine Oma, die aus Thüringen stammt, war daran schuld gewesen. Als sie ihre Heimat verlassen hatte, um im Westen zu ihrem Mann zu ziehen, hatte es noch nicht so viele Autobahnen gegeben, und so dirigierte sie mich damals über Landstraßen, die eher bessere Feldwege waren. In Apolda hatten wir uns damals sogar verfahren und fragten einen Eingebor...., ähh, Einheimischen nach dem Weg. "Wir wollen nach xy, wo müssen wir denn da lang?" - "Also, dahinten an der Ampel links, dann rechts und dann unter dem Viadukt durch und dahinter die dritte rechts, wieder links und immer geradeaus." - Viadukt? Hatten die tatsächlich noch Brücken, über die die Wasser in die Häuser leiten, so wie im alten Rom? Ok, also links und rechts, aber kein Viadukt in Sicht, eine Eisenbahnbrücke, aber keine antike Wasserleitung, aber die hatte er wohl gemeint. Nun die dritte rechts, ach da war auch ein Wegweiser. Plötzlich standen wir auf einem Hinterhof zwischen spielenden Kindern, aber hinter uns ein Trabi, der wollte auch da durch. Wir waren wohl richtig.
Halle liegt natürlich nicht in Thüringen, um aber dahin zu kommen, muss man Thüringen durchqueren und landet schließlich in Sachsen-Anhalt. Im übrigen heißen die Menschen da nicht Anhalter, sondern Anhaltiner. Mit Anhalter bringt man sie aber schön zur Weißglut. Mit meinen Eltern im Gepäck begaben wir uns in Richtung Halle, das wir nach 3 Stunden Fahrt (von meinen Eltern aus), zwei Staus und einer Landstraße, die vom Aufbau Ost noch nichts gesehen hatte, auch erreichten. Die Rennbahn ist außergewöhnlich gut zu finden, weil ausreichend beschildert. Aber Achtung, der Weg dahin ist wohl eine alte Panzerrollpiste aus Betonplatten, die teilweise 10 Zentimeter Höhenunterschied aufweisen.
Was mir ein wenig Sorgen machte, war der Bodenwert, der mit 2,7 angegeben wurde. Ziemlich hart für den armen Tanko. Ach, hatte ich vergessen zu erwähnen, Tanko sollte hier laufen. In der Sportwelt war er Favorit. Eigentlich sollte er ja hier gar nicht mehr laufen, der Trainer meinte aber, er hätte dort noch etwas Geld verdienen können. Zwischenzeitlich hatte es auch noch geregnet.
Wir waren nicht rechtzeitig zum ersten Rennen da und sahen nur das zweite, danach wurde nämlich der Renntag abgebrochen, alle weiteren Rennen abgesagt. Auf der Bahn war es wohl glatt geworden, und die Verantwortlichen bangten um die Gesundheit von Mensch und Tier. Da Tanko erst im vierten Rennen hätte starten sollen, kam er also nicht an den Ablauf. Wir besuchten ihn dann noch im Transporter, als er schon eingeladen war. Er und Nos Lando standen an ihrer Raufe und mampften Heu. Ehrlich gesagt, war ich froh, dass er nicht laufen musste und ohne Blessuren da stand.
Wir machten uns wieder auf den Heimweg und machten noch einen Abstecher in die Goethe-Stadt Weimar.

Doppelstart in Köln
Wieder ein Doppelstart. Sammy und unsere Neue - New Inspiration - sollten noch einmal in dieser Saison laufen. Sammy in einem Ausgleich III - Amateurrennen, New Inspiration in einem Listenrennen für Stuten über 1600 Meter. Moment mal. Ja, in einem Listenrennen. Langsam hört sich das alles so normal an. Nicht, dass wir nie in einem Listenrennen gestartet sind - Perima war in Baden schon in einem Listenrennen gelaufen, aber irgendwie geht mir persönlich nach den Erfolgen in Baden-Baden der Bezug zur Realität verloren. Nein, es ist nicht normal, dass man sich ein Pferd kauft, in Baden gewinnt und dann gleich ein Listenrennen ansteuert. Da braucht man schon ein sehr, sehr gutes Pferd.
Manche aus dem Club spekulierten schon vorher mit Sieg oder Black Type für die Stute, tja, und Sammy, der hatte doch sowieso schon sicher gewonnen.

07. November 2004 Preis des KÖLNSPORT Freizeitmagazin Agl. III, Köln
Sammy startete in einem Rennen über 2200 Meter, einem Ausgleich III für Amateure, einem Lauf zum Kölner Amateur-Championat. Für den Ritt konnte unser Trainer Steffi Hofer, die Tochter von Mario Hofer, verpflichten. Im Führring schaute sie ein wenig überfordert drein: Musste sie jetzt jedem die Hand geben. Wir verzichteten auf zuviel Energieverschwendung durch Händeschütteln und ließen unseren Trainer seine Order herunterbeten. Steffi Hofer bedankte sich anschließend dafür, dass wir sie für diesen Ritt gebucht hatten. Nettes Mädchen.
Im Rennen machte sie alles richtig: Sammy sprang zunächst zu schnell ab und lag wie in Hamburg ganz vorne. Seine Reiterin blickte sich ein paar Mal um, um zu sehen, wo denn der Rest des Feldes blieb. Ihr gelang es, ihn zurückzunehmen und sich an fünfter Stelle liegend ins Feld einzuordnen. Eingangs der Zielgeraden beorderte sie ihn nach außen, und ohne allzu große Mühe, gelang es Sammy das Rennen für sich zu entscheiden. Zum Schluss wurde es noch etwas eng, im Ziel lag er aber mit einer Halslänge vor dem Zweiten Quirino.
Gewonnen. Unglaublich, schon sein dritter Sieg. Aber richtig genießen konnten wir es nicht.

07. November 2004 Preis des Fördervereins Kölner-Rennverein Listenrennen, Köln
Schon im nächsten Rennen kam New Inspiration an den Start. Nach dem Siegersekt und Siegervideo, das wir dem Kölner-Rennverein-Offiziellen quasi aus der Hand gerissen haben, konnten wir im Führring gerade noch sehen, wie Jiri Palik mit unserer Stute den Führring verließ. Im Führring muss sie wohl schon so nervös gewesen sein, so dass unser Trainer sie in der Dunkelbox satteln musste. Warum Jiri Palik, werden sich jetzt viele fragen. Norman musste für seinen Stall in München an den Start, Lennart Hammer-Hansen hatte schon einen anderen Ritt angenommen.
New Inspiration musste die innere Startbox beziehen und ihr gelang in diesem Rennen nicht viel. Zum einen, weil Jiri Palik sie wohl zu offensiv ritt und sie im Schlussspurt noch die ganze Bahn kreuzte. Der achte Platz sprang letztendlich heraus. Nach drei Siegen, die der Club nun in Folge hatte, wäre ein weiteres gutes Ergebnis zwar wünschenswert, aber fast schon zuviel des Guten gewesen.
Alle unsere Pferde haben die Saison gut verkraftet und sie sind jetzt in die verdiente Winterpause gegangen. Mit insgesamt 7 Siegen und 11 Platzierungen und einer Gewinnsumme von 38.970 Euro war die Saison 2004 die bisher erfolgreichste in unserer kurzen Geschichte und eine spannende und aufregende dazu.

12. Dezember 2004 Epilog
Die Saison ist beendet. Was für eine Saison! Wir haben alle schon am Ende des letzten Jahres geglaubt, dass man eine Saison wie in 2003, zumindest aus der Sicht der Besitzergemeinschaft Perima, nicht mehr toppen kann. Es ging zu toppen, und diesmal gleich für alle Besitzergemeinschaften des Galopp-Clubs: Tanko marschierte vom Ausgleich IV in den Ausgleich I und gewann dabei 3 Rennen und war achtmal platziert. Ingesamt konnte er 20.270 Euro für sein Syndikat eingaloppieren, das ist mehr als in den beiden vorherigen Jahren zusammen. Sein GAG wird zum Jahresende 75 kg betragen, eine Steigerung von 7,5 Kilo im Vergleich zum letzten Jahr.
Sambucan Daze wurde den in ihn gesteckten Erwartungen mehr als gerecht und konnte für seine Besitzergemeinschaft 3 Siege herausgaloppieren, dabei war das Highlight mit Sicherheit der Sieg im Ausgleich IV in Baden-Baden mit Kirstin Hutcheson im Sattel. Seine Gewinnsumme beträgt zum Jahresende 12.900 Euro, sein GAG dürfte bei 65,5 kg liegen.
Unsere Neuerwerbung New Inspiration feierte mit einem Sieg im Ausgleich III in Baden-Baden einen mehr als perfekten Einstand. Mit diesem und Sambucan Daze' Sieg sowie Tankos viertem Platz im Sales and Racing Festival konnte sich der Club außerdem noch das Besitzer-Championat sichern.
Am 7. Dezember haben wir wie jedes Jahr den Saisonabschluss gefeiert, dieses Mal wieder Im Restaurant Fairways auf der Frankfurter Rennbahn. Neben einem hervorragenden Essen und der Vorführung der Rennvideos unserer Galopper, wurde auch die Uhr versteigert, die wir als Preis für das Baden-Badener Besitzer-Championat erhalten hatten. Für sage und schreibe 1.300 Euro ging der Zuschlag an unser Mitglied Jürgen Kuhn, Geschäftsführer der Wettannahmestelle Quotenhaus auf der Frankfurter Rennbahn.
Am Samstag habe ich noch mal Perima auf dem Gestüt Etzean besucht.
Auf diesem Wege möchte ich allen unseren Mitgliedern, unserem Trainer und seinem Team, unseren Jockeys und Reitern und allen unseren Freunden ein frohes und friedliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in das Jahr 2005 wünschen. Uns allen wünsche ich, dass das neue Jahr genauso ein Kracher wird wie 2004 oder es in Christians Worte zu fassen ... einfach sensationell.


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